Datum25.06.2026 13:20
Quellewww.zeit.de
TLDRPolens Ministerpräsident Tusk rief bei einer Wiederaufbaukonferenz in Gdánsk zu gegenseitigem Respekt zwischen Polen und der Ukraine auf, um einen Streit zwischen den Präsidenten beider Länder wegen der historischen Rolle der Ukrainischen Aufständigen Armee (UPA) während des Zweiten Weltkriegs beizulegen. Tusk betonte die Bedeutung von Wahrheit und Verständnis für den Aufbau der Zukunft. Selenskyj nahm nicht an der Konferenz teil, was die angespannte Lage in den bilateralen Beziehungen verdeutlicht.
InhaltDie Präsidenten Polens und der Ukraine streiten über das Weltkriegsgedenken. Selenskyj bleibt einer Ukraine-Konferenz in Gdánsk fern, Tusk versucht zu schlichten. Polens Regierungschef Donald Tusk hat Polen und die Ukraine im Streit ihrer Präsidenten um die historische Deutung ihrer Weltkriegsvergangenheit zu gegenseitiger Achtung aufgerufen. "Wir können die Zukunft nur auf der Wahrheit, dem gegenseitigen Respekt und dem Verständnis der Geschichte aufbauen", sagte Tusk bei der Eröffnung einer zweitägigen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Gdánsk. Hintergrund der Äußerung ist ein Streit zwischen dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Letzterer hatte eine ukrainische Militäreinheit nach der Ukrainischen Aufständigen Armee (UPA) benannt – einer Untergrundmiliz, die während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach für eine unabhängige Ukraine kämpfte. Für viele Ukrainerinnen und Ukrainer vor allem im Westen des Landes gelten die UPA-Kämpfer als Volkshelden, was jedoch im Land umstritten ist. Die UPA kollaborierte zeitweise mit den Nationalsozialisten und verübte Massaker an Polen und Juden mit zehntausenden Getöteten. Polens Präsident Nawrocki hatte die Benennung einer ukrainischen Einheit nach der UPA kritisiert und erkannte Selenskyj dafür den Orden des Weißen Adlers, die höchste polnische Auszeichnung, ab. Damit löste Nawrocki wiederum Protest in der Ukraine aus, wo mehrere Politiker, darunter drei ehemalige Präsidenten des Landes, ihre polnischen Orden abgaben. Der Streit beeinflusst die strategisch wichtigen Beziehungen der beiden Länder. Polens liberaler Regierungschef Tusk, der ein angespanntes Verhältnis zum rechtskonservativen Nawrocki hat und sich Vorwürfen übermäßiger Ukrainefreundlichkeit seitens der rechten Opposition ausgesetzt sieht, versucht seit Tagen, im Streit zu deeskalieren. Erfolg hatte Tusk damit bisher nicht. So ist Selenskyj anders als in den vergangenen Jahren nicht zur Konferenz nach Gdánsk angereist. Stattdessen wurde die Ukraine dort von Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko vertreten. In Gdánsk dankte sie Polen für die Bereitschaft, für die Ukraine eine "gemeinsame Zukunft" in der EU zu schaffen. Ein möglicher EU-Beitritt der Ukraine wird in Polen allerdings kritisch bewertet. Das Land gehört zwar zu den wichtigsten europäischen Unterstützerstaaten der Ukraine in militärischen Fragen und hat knapp 1,5 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Es fürchtet aber um seine Wirtschaft, falls die Ukraine mit ihrem großen Agrarsektor Zugang zum EU-Binnenmarkt erhält. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.