Umsatzeinbußen: Hamburgs Baustellen frustrieren Handel und Gastro

Datum25.06.2026 06:30

Quellewww.zeit.de

TLDRHamburger Handel und Gastronomie leiden unter zahlreichen und schlecht kommunizierten Baustellen. Verbände kritisieren mangelnde Planungssicherheit, wegfallende Parkplätze und fehlende digitale Bauinformationen. Insbesondere kleinere, kurzfristige Baustellen sowie der U-Bahn-Bau beeinträchtigen die Betriebe. Der Senat hat zwar eine neue Strategie zur Bündelung von Projekten und verbesserten Kommunikation verabschiedet, die genauen Umsatzeinbußen sind jedoch unbezifferbar. Die Gastronomie rechnet mit steigenden Insolvenzen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Umsatzeinbußen“. Lesen Sie jetzt „Hamburgs Baustellen frustrieren Handel und Gastro“. Mit Blick auf die vielen Baustellen in der Stadt bemängeln die Verbände für Hotels und Gaststätten sowie Handel eine schlechte Kommunikation der Stadt. Man werde morgens wach und habe auf einmal eine neue Baustelle vor der Tür, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hamburg, Bernd Aufderheide.  Besonders groß sei das Problem in der Innenstadt und in Szenevierteln, sagte Aufderheide der Deutschen Presse-Agentur. Dort gebe es viele kleinere Baustellen, die kurzfristig eingerichtet würden. Das nehme den Gastronomen jegliche Planungssicherheit. Auch der Wegfall von Parkplätzen während der Bauarbeiten wie an der Elbchaussee koste die Gastronomie Kundinnen und Kunden.  Aufderheide kritisierte, dass es kein digitales Verzeichnis gebe, um die Betriebe zu informieren. "Also eigentlich müsste es relativ einfach sein, über eine Art elektronisches Baustellenkataster den Leuten auch rechtzeitig Bescheid zu sagen." Wenn Betriebe frühzeitig über Bauarbeiten informiert würden, könnten sie sich besser mit ihrer Kundschaft abstimmen, um Ärgernisse zu vermeiden. Manche Mitglieder des Verbands seien sauer, andere "völlig frustriert", weil sich der Informationsaustausch mit der Stadt schwierig gestalte, sagte er.  Die Sprecherin des Handelsverbands Nord, Annett Rabe, sagte, es sei oft unklar, welche Behörde für eine Baustelle zuständig sei. Langfristig geplante Projekte kommunizierten die Behörden zwar vergleichsweise besser. "Ob man dann die Bedürfnisse der Händler auch wirklich mit berücksichtigt, was auch Lieferverkehre angeht, was Kundenverkehre angeht, das muss man dann sehen."  Der Bau der neuen U-Bahn-Linie 5 bereite den Händlern Sorge. Beim Bau von Haltestellen beispielsweise werde es riesige Krater geben. Der Senat ist sich der Beeinträchtigungen bewusst. Vergangenen Herbst hat er die Strategie "Zukunft Tiefbau" verabschiedet. Teil davon sei unter anderem, dass alle größeren Projekte eine eigene Kommunikationsstrategie weit vor Baubeginn vorlegen müssten, berichtete ein Sprecher der Verkehrsbehörde.  Indem viele kleine Bauvorhaben zu größeren Projekten zusammengefasst werden, will der Senat die Anzahl der Baustellen reduzieren. Laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion geht der Senat davon aus, dass es derzeit mehr als 900 Baustellen im Hamburger Straßennetz gibt. Wie hoch die Einbußen der Hoteliers, Gastronomen und Händler wegen der Baustellen sind, können die Verbände nicht beziffern. Dass Baustellen und der damit einhergehende Lärm für die Betriebe eine zusätzliche Belastung seien, stehe aber außer Frage, sagte Aufderheide.  Er fordert, dass die Baustellenplaner durchweg die Interessen der Außengastronomie berücksichtigen. "Wir haben ja nicht so wahnsinnig viele Sonnentage oder warme Tage hier in der Stadt", sagte er. "Da könnte man einfach von vornherein eigentlich sagen: Okay, hier gucken wir mal, dass wir nicht unbedingt in der Zeit dann anfangen zu bauen." Laut Statistischem Landesamt wurden im vergangenen Jahr 105 Insolvenzanträge in der Gastronomie gestellt – rund 20 Prozent mehr als 2024. Aufderheide rechnet damit, dass es dieses Jahr noch einmal mehr werden. Unter anderem sei es für die Branche schwierig, Kredite zu bekommen. "Das trifft dann ganz besonders die individuellen Gastronomen, die eigentlich für uns alle so wichtig sind." Diese prägten das Flair einer Stadt. © dpa-infocom, dpa:260625-930-279157/1