Datum24.06.2026 17:41
Quellewww.spiegel.de
TLDREin technischer Defekt im Bahnfunk legte kurzzeitig den Zugverkehr lahm. Friedrich Merz verteidigte Pläne zur Rentenreform, die eine Anhebung des Rentenalters beinhalten. Erntete Kritik bezüglich der Klimapolitik. Elon Musks SpaceX erlebte nach einem Börsengang Ernüchterung, da die Aktie deutlich an Wert verlor. Ex-Kanzlerin Merkel ließ sich porträtieren. Die Musikindustrie trauert um Produzent Clive Davis.
InhaltNach einem Ausfall wegen Funkstille rollen die Züge wieder. Merz muss sich fragen lassen, ob er die Rente rettet, aber das Klima schrottet. Und Elon Musk ist nur noch Milliardär. Das ist die Lage am Mittwochabend. Die drei Fragezeichen heute: Kaum verdichteten sich erste Hinweise darauf, dass es ein Problem bei der Deutschen Bahn gibt, liefen die Nachrichten im redaktionsinternen Chat ein, wie Tore von Lionel Messi bei der WM. Da eine Freundin, die seit einer Stunde in Ludwigslust gestrandet war. Dort eine S-Bahn in Berlin, bei der gar nichts mehr geht. Hier die Mutter, die vorsichtshalber ihren Besuch stornierte. Stillstand überall, niemand wusste, wann und wie es weitergeht. Nicht nur im Netz wurde wild spekuliert, was für den Totalausfall sorgte: die Hitze? Ein Sabotageakt, bei dem wieder wichtige Kabel durchtrennt wurden? Womöglich ein Cyberangriff? Nichts von alldem: Es war die planmäßige Ankunft einer Betriebsstörung oder ein Bahnsinn mit Methode, wie jemand im SPIEGEL-Newsroom witzelte. Die Störung ging wohl auf den planmäßigen Tausch einer technischen Komponente im digitalen Bahnfunk GSM-R zurück, der noch aus den Neunzigerjahren stammt. Mit der Auswechslung eines Bauteils sollte es zumindest etwas zeitgemäßer ausgestattet werden, bevor ein neues Funksystem übernimmt. Die Bahn plant, es bis 2035 einzuführen. Unter anderem müssen dafür bis zu 21.000 Fahrzeuge umgerüstet werden. (Hier mehr dazu. ) Immerhin hat die Bahn die aktuelle Störung schnell in den Griff bekommen. Im Verkehrsausschuss des Bundestags sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla heute, dass die Notsysteme schnell gegriffen hätten. Nach etwas mehr als einer Stunde, war der Fehler gefunden, nach weiteren 30 Minuten behoben, gegen 0.50 Uhr rollten erste Züge wieder an. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verlangte umfassende Aufklärung. Die Bahn müsse ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole, so der Minister. Palla wird sehr dankbar sein für diesen Ratschlag. Friedrich Merz hat heute im Bundestag die Vorschläge der Rentenkommission verteidigt. Die Pläne würden "zu einer dauerhaften Stabilisierung der Alterseinkommen" mit neuem Gesamtversorgungsniveau führen. "Dies ist ein großer Schritt, wenn wir ihn denn hier im Deutschen Bundestag gemeinsam zum Jahresende verabreden und verabschieden sollten." Merz bekannte sich dazu, dass das Renteneintrittsalter angehoben werden soll. "Wenn die Menschen länger leben und älter werden, dann müssen sie auch – um ein auskömmliches Einkommen im Alter zu erzielen – wenigstens einen Teil davon auch länger arbeiten." Union und SPD wollen die Empfehlungen der Rentenkommission eins zu eins umsetzen. Darin ist unter anderem vorgesehen, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu knüpfen, womit die Regelaltersgrenze bis 2041 um etwa sechs Monate auf 67,5 Jahre angehoben würde. Zeitweilig wurde die Debatte auch hitzig – im wahrsten Wortsinn. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad kamen Abgeordnete auch auf die Klimapolitik der Regierung zu sprechen. Wenn die ähnlich ambitioniert wäre, wie jetzt die geplante Rentenreform, hätte sich Merz womöglich Fragen wie die des Grünen Michael Kellner ersparen können: "Wollen Sie als Großvater das Klima schrotten, nur weil Sie Robert Habeck nicht leiden können?" Es ging um Katherina Reiches Gebäudeenergiegesetz. Es soll nicht nur weite Teile von Habecks Heizungsgesetz abwickeln, sondern auch vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen. Daran gibt es erhebliche Zweifel – auch in der Union selbst. Beim Kanzler allerdings, Sie ahnen es, nicht im Geringsten. Der Börsengang von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX vor knapp zwei Wochen sorgte zunächst für enorme Euphorie: Mit 75 Milliarden Dollar war es der größte IPO der Geschichte. Der Kurs stieg von 150 auf über 225 Dollar und machte Musk zwischenzeitlich zum Billionär – zumindest auf dem Papier. Diese Zahl liegt außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft. Und offenbar auch der technischen: Unser redaktionsinternes Rechtschreibtool will das Wort Billionär in Millionär ändern. Diese Größenordnung hält es offensichtlich gerade noch für angemessen. Trotz hoher Verluste des Unternehmens blendeten Anleger Risiken zunächst aus. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt: Die Aktie verlor innerhalb weniger Tage deutlich an Wert und fiel zeitweise unter 155 Dollar – rund 30 Prozent unter dem Höchststand. Heute lag sie kurz nach Eröffnung bei 152 Dollar. Viele Privatanleger liegen im Minus, während frühe Investoren noch profitieren. Musk ist seinen Status als Billionär jedenfalls wieder los. (Hier mehr dazu.) Experten sehen darin ein typisches IPO-Muster: Überzogene Bewertungen – bei SpaceX etwa das 100-Fache des Umsatzes – machen die Aktie anfällig für Korrekturen, wie meine Kollegin Katharina Kort aus New York analysiert. Gleichzeitig war der Börsengang für das Unternehmen selbst ein Erfolg, da es ihm viel Kapital bescherte. SpaceX nutzt es für Expansion, etwa eine geplante 60-Milliarden-Dollar-Übernahme im KI-Bereich. SpaceX kündigte zudem eine 20-Milliarden-Anleihe an, was Anleger zusätzlich verunsicherte, weil eigentlich genügend Geld eingenommen wurde. Wofür braucht das Unternehmen das ganze Kapital, fragen sich viele? SpaceX verfügt über mehr als 100 Milliarden Dollar in liquiden Mitteln. Länder wie Guatemala oder Kenia erwirtschaften das in einem ganzen Jahr als Bruttoinlandsprodukt. In kaum einem Bundesland schlägt der demografische Wandel so durch wie in Sachsen-Anhalt, wo im Herbst gewählt wird. Wie soll in der Rentnerrepublik der Zukunft die Versorgung der Bevölkerung aussehen, wenn es immer mehr zu Versorgende und immer weniger Versorger gibt?, fragte mein Kollege Peter Maxwill und begab sich auf die Suche nach Antworten. Das Schöne an seiner Reportage: Sie ist nicht von Larmoyanz geprägt. Die Menschen, die er traf, geben sich nicht ihrem Schicksal hin, sondern gestalten es. Da ist der automatisierte Dorfladen, das ist das Projekt TEAS (Telemedizinische Einheit Augenheilkunde Salzwedel), bei dem aufgrund des Ärztemangels auch Optiker Befunde stellen und sie an konventionelle Praxen weiterleiten. "Womöglich ist es so, dass man für die besten Lösungen zunächst schwere Krisen braucht", bilanziert Peter. Malzeit: Fünf Jahre nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft hat Angela Merkel, 71, sich für die sogenannte Ahnengalerie im Bundeskanzleramt malen lassen. Den Auftrag bekam der bislang eher unbekannte Künstler Jérémy Queyras, 28. Seit dem Sommer 2025 traf er die ehemalige Bundeskanzlerin immer wieder in einem eigens eingerichteten Atelier. Das Gemälde soll vom kommenden Dienstag an im Bode-Museum in Berlin ausgestellt werden und frühestens ab Oktober in der Ahnengalerie des Kanzleramts zu sehen sein. Gefragt, wie es sich anfühle, demnächst als Porträt in die Ahnengalerie des Kanzleramts einzuziehen, sagte Merkel der ZEIT, es sei komisch, wenn man langsam Geschichte werde. Doch versuche sie, es mit Gleichmut zu nehmen: "Da häng ich dann eben." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie sich noch einmal an Clive Davis erinnern, neben Quincy Jones wahrscheinlich der einflussreichste Musikproduzent der Geschichte. Davis starb Anfang der Woche im Alter von 94 Jahren. (Hier der Nachruf.) Alicia Keys schrieb auf Instagram: "Er hat von Anfang an an mich geglaubt, als ich gerade einmal 18 Jahre alt war ... Er stand mir in jedem folgenden Lebensabschnitt zur Seite. Nicht nur auf diese oberflächliche Art, wie es in der Branche üblich ist, sondern auf eine Weise, die von Liebe dafür geprägt war, wie grenzenlos ich sein könnte!" Davis entdeckte auch Whitney Housten, die gestern vor 43 Jahren den ersten Fernsehauftritt ihrer Karriere hatte. Davis brachte sie in die Merv Griffin Show, wo sie "Home" aus dem Musical "The Wiz" sang . Ein Gänsehautmoment. Griffin sagte danach: "Wir werden diesen Namen nie wieder vergessen." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Davis Einfluss reicht weit über die Musik hinaus. Alicia Key würdigte ihn stellvertretend für so viele: "Er lebt weiter in den unzähligen Künstlern, für die er sich einsetzte, in den Träumen, die er zum Leben erweckte, und in der Liebe, die er so vielen schenkte!" Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts