Zweibrücken: Angeklagter bittet Familie des getöteten Bahn-Mitarbeiters um Vergebung

Datum24.06.2026 17:00

Quellewww.spiegel.de

TLDRVor Gericht in Zweibrücken bittet Ioanni V., der den Bahnmitarbeiter Serkan Ç. tödlich verletzt haben soll, dessen Familie um Vergebung. Er bezeichnet die Tat als "Moment blinder Wut". Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Ç. im Februar mehrfach gegen den Kopf geschlagen zu haben, was zu einer Hirnblutung und dem Tod des zweifachen Vaters führte. Die Familie des Opfers zeigte sich skeptisch gegenüber der Entschuldigung. Der Fall löste eine Debatte über die Sicherheit von Bahnpersonal aus.

InhaltIoanni V. soll im Februar brutal auf den Zugbegleiter Serkan Ç. eingeschlagen haben, der zweifache Vater starb. Zum Prozessauftakt lässt der Angeklagte eine Erklärung verlesen, in der er die Tat einen "Moment blinder Wut" nennt. Im Prozess nach der tödlichen Prügelattacke gegen den Bahnmitarbeiter Serkan Ç. hat der Angeklagte die Familie des Opfers um Verzeihung gebeten. "Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut", heißt es in der Erklärung von Ioanni V., die seine Verteidigerin im Landgericht Zweibrücken verlas. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 26-jährigen Mann vor, im Februar den Zugbegleiter Serkan Ç. bei einer Fahrkartenkontrolle nahe Landstuhl mehrfach heftig mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen zu haben. Zwei Tage nach der Tat starb Ç. an einer Hirnblutung. Der Fall löste eine bundesweite Debatte über die Sicherheit von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern im Bahnverkehr aus. In der Erklärung des Angeklagten vor Gericht heißt es nun, ihm sei bewusst, dass seine Worte das Geschehen nicht rückgängig machen könnten. "Ich übernehme die volle persönliche Verantwortung", hieß es in der Mitteilung. "Auch wenn ich weiß, dass meine Worte Ihren Schmerz nicht erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen." Skepsis zu der Einlassung von Ioanni V. äußerte der Verteidiger der Familie Ç., die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. "Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung", sagte Yalçın Tekinoğlu. Die Worte seien "komplett ichbezogen" gewesen. Es würde den Angehörigen helfen, wenn Ioanni V. Angaben zur Tat machen würde, so Tekinoğlu. Das verweigert Ioanni V. bislang. Ç. war der älteste von fünf Brüdern und alleinerziehender Vater von zwei Söhnen. Viele Familienangehörige des Opfers waren beim Prozessauftakt im Gerichtssaal, auch Mitarbeiter der Bahn waren vor Ort. Als ein Video der Regionalexpress-Überwachungskamera gezeigt wurde, reagierten einige Zuschauer emotional, weinten oder verließen den Saal. Aktuell sind am Landgericht acht Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte am 9. Juli fallen. Seit Jahren werde die Stimmung in der Bahn aggressiver, sagt Zugchef René Bäselt. Er wurde selbst schon angegriffen. Was ihm und seinen Kollegen helfen würde – und ob er noch ohne Angst einsteigen kann, lesen Sie hier .