Datum24.06.2026 13:39
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Kokainkonsum junger Erwachsener in Deutschland ist signifikant angestiegen, von 1,2 % im Jahr 2015 auf 4,1 % im letzten Jahr. Suchtbeauftragter Hendrik Streeck warnt vor der Verharmlosung als "Party- oder Leistungsdroge" und betont die Gefahren für Herz, Gehirn und Psyche. Abwasseranalysen bestätigen den Trend. Bei Jugendlichen unter 18 Jahren bleibt der Konsum illegaler Drogen auf niedrigem Niveau.
InhaltFast jeder fünfte junge Erwachsene hat Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht. Der Bundesbeauftragte Hendrik Streeck warnt vor der Verharmlosung von Kokain als "Party- oder Leistungsdroge". Junge Erwachsene in Deutschland konsumieren mehr Kokain als bislang. Das zeigen Zahlen der Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Demnach konsumierten im vergangenen Jahr 4,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Kokain, 2015 waren es noch 1,2 Prozent. Unter jungen Männern (5,7 Prozent) ist Kokain noch verbreiteter als unter jungen Frauen (2,4 Prozent). Für die Repräsentativbefragung wurden laut BIÖG von April bis Juli 2025 insgesamt 7001 Personen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Befragt wurden die jungen Menschen, ob sie in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal eine bestimmte Droge konsumierten. Außerdem spielte eine Rolle, welche Erfahrungen sie in ihrem Leben bereits mit illegalen Drogen machten und auch, mit welcher genau. Hendrik Streeck, Bundesbeauftragter für Sucht- und Drogenfragen, bezeichnet den Anstieg des Kokainkonsums als besonders alarmierend. "Kokain gilt vielen noch immer und wieder mehr als Party- oder Leistungsdroge", wird der CDU-Politiker in einer Mitteilung des Instituts zitiert. Das sei jedoch eine gefährliche Täuschung. "Aus ärztlicher Sicht ist eindeutig: Kokain kann schnell abhängig machen und schwere Schäden an Herz, Gehirn und Psyche verursachen." Der Bericht verwies darauf, dass auch Abwasseranalysen im Auftrag der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) in deutschen Städten auf eine Zunahme des Kokainkonsums in den vergangenen Jahren hindeuten. Insgesamt haben laut der Studie 18,7 Prozent der 18- bis 25-Jährigen bereits Erfahrung mit einer illegalen Droge. Besonders verbreitet: Lachgas, Ecstasy, Kokain und Amphetamin. Seit 1973 erforscht das BIÖG, vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), den Drogenkonsum junger Menschen. Die Legalisierung von Cannabis erschwert Vergleiche mit früher jedoch. Allerdings steigt der Konsum nicht in allen Altersgruppen. So gilt die Zunahme nicht für die Jugendlichen unter 18 Jahren. Laut Studie gaben vergangenes Jahr 2,5 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen an, in ihrem Leben bereits Erfahrungen mit mindestens einer illegalen Droge gemacht zu haben. Signifikante Geschlechterunterschiede gab es dabei nicht. Damit bleibe bei Jugendlichen der Konsum illegaler Drogen "auf einem insgesamt niedrigen Niveau". Das sei "die gute Nachricht", sagte Johannes Nießen vom BIÖG. Bei den jungen Erwachsenen müsse hingegen bei der Information und Risikoaufklärung früh angesetzt werden. Ein erster Teil der Drogenaffinitätsstudie hatte für den Bereich der legalen Drogen bereits ergeben, dass immer mehr Jugendliche rauchen und vapen – besonders der Konsum von E-Zigaretten nahm demnach deutlich zu.