Ausstieg aus Fregatten-Projekt F126: Rheinmetall-Aktie bricht ein

Datum24.06.2026 11:20

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundesregierung stoppt das Fregatten-Projekt F126 aufgrund von Verzögerungen und Kostensteigerungen. Stattdessen sollen acht günstigere Meko-Fregatten von TKMS beschafft werden. Rheinmetall, das von einem Großauftrag über 12 Milliarden Euro ausgegangen war, verliert damit ein wichtiges Projekt, was zu einem starken Kursverfall der Aktie führte. Die Umstellung soll die U-Boot-Jagd-Fähigkeiten der Marine schneller stärken.

InhaltDie Bundesregierung stoppt das Fregatten-Projekt F126. Rheinmetall entgeht damit ein Großauftrag. Die Börse reagiert: Die Aktie des Rüstungskonzerns stürzt ab. Es war eins der größten Rüstungsprojekte in der Geschichte der Marine: der Bau der ‌Fregatten vom Typ F126. Doch nun stoppt die Bundesregierung das milliardenschwere Vorhaben und will stattdessen acht andere ​Kriegsschiffe für die U-Boot-Jagd beschaffen. Damit bestätigte das Verteidigungsministerium einen SPIEGEL-Bericht . Das Ministerium begründet den Schritt mit erheblichen Verzögerungen und drohenden Kostensteigerungen bei dem Vorhaben. Anstelle der ursprünglich geplanten sechs Fregatten vom Typ F126 sollen acht Fregatten des Typs Meko-200 vom deutschen Hersteller TKMS gekauft werden, sofern der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmt. Anleger hatten bereits am Morgen auf den SPIEGEL-Bericht reagiert. TKMS-Aktien schossen zwischenzeitlich gut elf ‌Prozent nach oben. Dagegen ‌brachen Rheinmetall-Aktien in der Spitze ​um 13,6 Prozent ‌ein. Rheinmetall stand kurz vor der Unterzeichnung eines ‌Vertrags ​zur Übernahme des F126-Fregattenprogramms vom niederländischen Schiffbauer Damen im zweiten Quartal, hatte Vorstandschef Armin Papperger ​im vergangenen Monat ⁠gesagt. Damit werden Rheinmetall-Aktien nach mehr als einem Jahr wieder unter 1000 Euro gehandelt. Im Vergleich zum Rekordhoch im vergangenen Oktober hat sich der Kurs aktuell halbiert. Analyst David Perry von JPMorgan bezifferte den eigentlich für Rheinmetall vorgesehenen Auftragswert für Fregatten des Typs F126 auf zwölf Milliarden Euro. Das diesjährige Ziel für den Auftragseingang könnte ohne das Großprojekt verfehlt werden, sagte er. Rheinmetall wollte sich dazu nicht äußern. Die Nachricht setzte auch die deutschen Rüstungswerte Hensoldt und Renk unter Druck. Ursprünglich sollten die sechs F126-Fregatten rund ⁠zehn Milliarden ⁠Euro kosten. Nachdem der niederländische Generalunternehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) den Zeit- und Kostenrahmen nicht einhalten konnte, wurde im Ministerium ein Wechsel geprüft. ‌Dieser hätte die Gesamtkosten jedoch auf über 18 ​Milliarden Euro ‌ansteigen lassen. Zudem hätte der Bund laut Ministerium auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber DSNS verzichten müssen, was das Ministerium als nicht verantwortbar abgelehnt habe. Die Beschaffung der nun geplanten acht MEKO-Fregatten ‌soll insgesamt rund 11,6 Milliarden Euro kosten. Mit der Umstellung wolle die Regierung die der Nato zugesagten Fähigkeiten zur seegestützten ‌U-Boot-Jagd schnellstmöglich realisieren, so das ​Ministerium. Der Inspekteur der Marine ‌habe bestätigt, dass die Fregatten des Typs ‌MEKO A-200 ​den Kernauftrag erfüllen können. Ein einheitlicher Schiffstyp biete zudem erhebliche Vorteile bei Betrieb, Wartung und Ausbildung. ​Das Ministerium wolle ⁠dem Haushaltsausschuss schnellstmöglich die Entscheidungsgrundlage ​für den ​Kauf vorlegen. Abgeordnete des Bundestags aus beiden Koalitionsfraktionen hatten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) seit einiger Zeit unter Druck gesetzt, einen Abbruch des F126-Projekts zu erwägen. Fregatten des Typs Meko-200 vom deutschen Hersteller TKMS sind mit 4200 Tonnen Verdrängung und gut 120 Meter Länge deutlich kleiner als das F126-Kriegsschiff. Es sollte 66 Meter lang werden, mit 10.500 Tonnen Verdrängung. Nach Schätzungen von Bundestagsabgeordneten dürften sich die bisherigen Kosten für das Fregatten-Projekt F126 auf etwa 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro belaufen.