Datum23.06.2026 16:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRKenia hat den Bau eines Ebola-Quarantänezentrums für US-Bürger auf der Laikipia Air Base gestoppt, nachdem wochenlange Proteste und ein Gerichtsurteil hierzu geführt hatten. Trotz juristischer Anordnungen waren die Bauarbeiten fortgesetzt worden, was zu mindestens drei Todesopfern bei Demonstranten führte. Die Bevölkerung befürchtete eine Ausbreitung des Virus, während die Regierung die Unterstützung der USA betonte. Die Ebola-Epidemie im Kongo verschärft sich weiter.
InhaltSeit Wochen protestieren Kenianer gegen ein Ebola-Zentrum auf einer US-Basis. Obwohl gerichtlich untersagt, ging der Bau weiter. Nun hat der kenianische Gesundheitsminister eingelenkt. Nach wochenlangen Protesten mit mehreren Toten und einer Strafandrohung des Obersten Gerichts hat die kenianische Regierung die Arbeiten an einem Ebola-Quarantänezentrum für US-Bürger gestoppt. Er habe die Einstellung "aller Vorbereitungen, Bauarbeiten und anderer, damit zusammenhängender Tätigkeiten auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia" angeordnet, erklärte der kenianische Gesundheitsminister Aden Duale. Die kenianischen Behörden hatten die Errichtung des Quarantänezentrums im Mai angekündigt. Seitdem war es immer wieder zu Protesten gekommen, bei denen mindestens drei Demonstranten getötet wurden. Die Protestierenden befürchteten, dass sich das Virus von der Einrichtung aus auch in Kenia verbreiten könnte, wo bislang noch kein Ebolafall registriert wurde. In der Demokratischen Republik Kongo weitet sich indes die Ebola-Epidemie aus: Die Zahl der Infektionen ist offiziellen Angaben zufolge auf 1003 gestiegen. 254 Menschen kamen bislang durch das Virus ums Leben, wie das nationale Gesundheitsinstitut mitteilte. Die Sterblichkeitsrate des Virus liegt damit bei rund 25 Prozent. Fast alle Infektionen und Todesfälle traten in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes auf, die Schauplatz bewaffneter Konflikte ist. In dem kenianischen Quarantänezentrum sollten US-Bürger aus dem Kongo untergebracht werden, die mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. Es entstand auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia, rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi. Das Zentrum sollte über 50 Isolierbetten verfügen, von US-Mitarbeitern verwaltet werden und stand offenbar kurz vor der Fertigstellung. Menschenrechtsgruppen hatten vor dem Obersten Gericht in Kenia gegen die Einrichtung geklagt und Ende Mai Recht bekommen. Die Regierung hatte die Anordnung der Richter, die Arbeiten an der Anlage einzustellen, jedoch zunächst ignoriert. Am Montag drohte der Gerichtshof dem Gesundheitsminister deshalb mit einer Strafe. Daraufhin erschien Duale vor dem Gericht und bat um Entschuldigung für sein Verhalten. Bis zur Entscheidung im Hauptverfahren würden alle Arbeiten eingestellt, sagte er. Kenias Präsident William Ruto hatte den Bau des Quarantänezentrums vorangetrieben und erklärt, das Land schulde den USA Unterstützung. "Es wäre äußerst bedauerlich, wenn wir eine Anfrage der Amerikaner, auf ihre eigenen Kosten eine Anlage zu errichten, ablehnen würden, denn dann würden wir sehr unmenschlich aussehen", hatte Ruto erklärt. Die US-Regierung will keine Ebolapatienten in die USA einreisen lassen. Ein an dem Virus erkrankter US-Bürger war unlängst in der Berliner Klinik Charité behandelt worden. Lesen Sie hier mehr zu dem Protest im kenianischen Nanyuki.