Migration und Integration: Integrationsbericht listet Erfolge und Nachholbedarf auf

Datum23.06.2026 14:53

Quellewww.zeit.de

TLDRSachsens erster Integrationsbericht zeigt Erfolge bei Bildung und Betreuung von Migranten, die über dem Bundesdurchschnitt liegen. Im Arbeitsmarkt besteht jedoch noch Nachholbedarf. Weniger Kontakte zwischen Einheimischen und Zugewanderten sowie mehr Diskriminierungserfahrungen sind weitere Defizite. Eine neue Förderrichtlinie unterstützt nun alle Zugewanderten, auch in KMU, mit Fokus auf Sprach- und Kulturkompetenz. Integration wird als wichtiger Prozess für Sachsens Demografie und Wirtschaft betrachtet.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Migration und Integration“. Lesen Sie jetzt „Integrationsbericht listet Erfolge und Nachholbedarf auf“. Sachsen sieht bei der Integration von Zugewanderten Erfolge, aber auch Nachholbedarf. Insgesamt habe man im bundesweiten Vergleich einen guten Stand, sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) bei der Präsentation des ersten Integrations- und Teilhabeberichtes für den Freistaat. "Etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsbürgerschaft machen Abitur in Sachsen. Das ist doppelt so viel wie im bundesdeutschen und ostdeutschen Durchschnitt." Auch der Anteil erwachsener Migranten mit Hochschulabschluss liege über dem Bundesdurchschnitt, sagte Köpping. Die Betreuungsquote bei Kindern mit Migrationshintergrund liege in Sachsen ebenfalls über dem bundes- und ostdeutschen Durchschnitt. "Auch das ist ein Erfolg." Auf dem Arbeitsmarkt schlage sich das noch nicht vollständig nieder, räumte die Ministerin ein. Zwar sei ein deutlicher Aufholprozess bei den Erwerbstätigen zu verzeichnen, der Bundesdurchschnitt sei aber noch nicht erreicht. Bundesweit liege die Erwerbstätigenquote bei Menschen mit Migrationshintergrund bei 68 Prozent, in Sachsen und den anderen Ost-Ländern bei 62 Prozent. Köpping sprach auch Nachholbedarf bei Kontakten zwischen Einheimischen und Zugewanderten an. "Die Daten zur gesellschaftlichen und sozialen Integration zeigen, dass in Sachsen weniger Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte besteht als im Bundesdurchschnitt. Mehr Menschen mit Migrationsgeschichte machen diskriminierende Erfahrungen."  Köpping stellte den Bericht am Dienstagvormittag im Kabinett vor. Die Regierung beschloss zudem die neue Förderrichtlinie "Integration von Zugewanderten". Sie löst die zum 30. Juni endende Förderrichtlinie "Integrative Maßnahmen" ab. Sie betrifft nicht nur Geflüchtete, sondern alle Zugewanderten und damit auch internationale Fachkräfte und EU-Bürger.  Künftig können auch kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung beantragen, etwa für Sprachtrainings für Beschäftigte mit geringen Deutschkenntnissen. Gefördert werden zudem Maßnahmen zur "Stärkung der interkulturellen Kompetenz", die Arbeit landesweit tätiger Migrantenorganisationen sowie die Betreuung von Geflüchteten mit psychischen Störungen oder Traumatisierungen in psychosozialen Zentren. Laut Statistik lebten 2023 etwa 450.000 Menschen mit ausländischen Wurzeln in Sachsen; 2011 waren es rund 150.000. Mehr als 70.000 Menschen aus der vom russischen Angriffskrieg betroffenen Ukraine wurden von Sachsen aufgenommen. Über 37.000 Menschen besitzen einen Schutzstatus als Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge. Integration bleibe keine vorübergehende Aufgabe, sondern "fester Bestandteil unseres Alltags", sagte Köpping. Der Prozess müsse immer wieder angepasst werden. Gelingende Integration sei ein Instrument, um die Überalterung und den drohenden Fachkräftemangel abzufedern. © dpa-infocom, dpa:260623-930-269200/1