Datum23.06.2026 12:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Rentenkommission präsentierte Vorschläge zur Rentenreform, die gemischte Reaktionen hervorrufen. Die Linke befürchtet Altersarmut und Rentenkürzungen, insbesondere für Ostdeutsche, und kritisiert das vorgeschlagene Anheben des Rentenalters sowie das Wegfallen der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren. Die CDU drängt auf schnelle Umsetzung des Gesamtpakets, inklusive einer Kapitalrente. Die SPD verteidigt die Pläne als notwendige, verbesserte Leistung für zukünftige Generationen.
InhaltDie Rentenkommission hat der Bundesregierung ihre Vorschläge zur Reform der Rente übergeben. Das sind die Reaktionen aus der Politik. Die Vorschläge der Rentenkommission stoßen auf ein geteiltes Echo. Die Linken befürchten eine wachsende Altersarmut als Folge der geplanten Rentenreform. Die Pläne der Bundesregierung bedeuteten vor allem Rentenkürzungen, erklärte die Linksfraktion im Sächsischen Landtag. "Die Statistik der Lebenserwartung sagt nichts über die Erwerbsbiografien der Menschen aus. Viele können schon heute nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten – ihre Altersbezüge werden also gekürzt, wenn der Renteneintritt weiter verschoben wird." Selbst 45 Beitragsjahre genügten bald nicht mehr, um den wohlverdienten Ruhestand antreten zu können, erklärte Fraktionschefin Susanne Schaper. Wenn es darum gehe, mehr Menschen in die Rentenkasse zu holen, bleibe die Bundesregierung wohl am Anfang des Weges stehen. "Zwar sollen Abgeordnete, Konzernvorstände und Selbstständige Teil der Rentenversicherung werden, aber das genügt nicht." "Die gesetzliche Rente kann und muss eine sichere Bank für alle sein. Die Zahl derjenigen, die sie im Alter nicht ausreichend absichert, wächst aber auch in Sachsen scheinbar unaufhaltsam", betonte Schaper. Immer mehr ältere Menschen kämen mit ihrer Rente nicht mehr hin, ein Café-Besuch oder Geschenke für die Enkel werde zur finanziellen Herausforderung. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), hat bei der geplanten Rentenreform vor einem besonderen Altersarmutsrisiko in Ostdeutschland gewarnt. "Für Menschen in Ostdeutschland darf es keine Absenkung des aktuellen Rentenniveaus ab 2031 geben", sagte Kaiser der "Leipziger Volkszeitung" und der "Sächsischen Zeitung" (Dienstagausgabe). Andernfalls drohe vielen Menschen die Altersarmut. "Die gesetzliche Rente ist für die meisten Ostdeutschen die einzige Lebensgrundlage im Alter." Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dringt darauf, die speziellen Bedürfnisse der Ostdeutschen zu berücksichtigen. "Wer über die Zukunft unserer Renten spricht, muss die Lebensleistung der Menschen in Ostdeutschland ernst nehmen", sagte Kretschmer den beiden Zeitungen. Viele hätten nach der Wiedervereinigung enorme Veränderungen bewältigt, Betriebe verloren, neue Berufe erlernt und das Land mit aufgebaut. Der Chef der Jungen Gruppe der Unionsfraktion, Pascal Reddig fordert eine schnelle Umsetzung der Vorschläge. "Ich bin überzeugt, dass sich hinter den Vorschlägen eine große Mehrheit unseres Landes und der politischen Mitte versammeln kann", sagte Reddig dem "Stern ". Er saß als einer von drei Politikern in der Expertenkommission. "Jetzt muss das Gesamtpaket ohne Rosinenpickerei schnell umgesetzt werden", sagte er nach der Verkündung der Vorschläge. Die von der SPD in die Rentenkommission entsandte Bundestagsabgeordnete Annika Klose hat Kritik an Änderungen beim Renteneintrittsalter zurückgewiesen. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion verteidigte gegenüber den Funke-Zeitungen vom Dienstag die Empfehlungen der Kommission: "Die meisten jüngeren Menschen haben das Gefühl, dass die Rente für sie möglicherweise später nicht reichen könnte", sagte Klose. "Wir legen ein Konzept vor, in dem man zwar auch ein bisschen mehr zahlen muss, am Ende aber auch eine bessere Leistung bei rauskommt." Klose verwies auf Umfragen, wonach eine große Mehrheit der Menschen bereit sei, mehr Beiträge zu zahlen, wenn auch die Leistung steige. "Deswegen glaube ich, dass es auch bei den Jüngeren eine Akzeptanz geben wird." Zuvor hatten unter anderem die Jusos scharfe Kritik geübt. Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung sei sozial ungerecht, sagte der Chef der SPD-Jugendorganisation, Philipp Türmer. Die stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Schmidt, sagte: "Eine Reform ist nur dann sinnvoll, wenn sie zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führt. Die vorgelegten Vorschläge bieten dafür eine gute Grundlage und behalten alle Generationen im Blick." Die Kommission stellte am Dienstagmorgen ihre Vorschläge für eine Rentenreform vor. Sie sehen unter anderem vor, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter analog zur Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich um etwa ein halbes Jahr pro Jahrzehnt ansteigt. Auch soll die Möglichkeit der abschlagsfreien Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren entfallen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte bereits an, "alle Elemente dieses Reformpakets" jetzt zügig umsetzen zu wollen. Dazu gehört auch eine zusätzliche Kapitalrente. 770 Euro Extrarente pro Monat – so soll das neue Schweden-Modell funktionieren. Damit das Rentenniveau endlich wieder steigen kann, drängt die Regierungskommission auf die schnelle Einführung des "schwedischen Modells". Wie das aussehen soll und wer davon profitiert, lesen Sie hier.