Rentenreform: Ostbeauftragte warnt vor Altersarmut durch Rentenreform

Datum23.06.2026 10:59

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Ostbeauftragte warnt vor Altersarmut in Ostdeutschland durch Rentenreform, falls das Rentenniveau ab 2031 sinkt. Sie betont, die gesetzliche Rente sei dort die einzige Lebensgrundlage. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert ebenfalls Berücksichtigung der Ostdeutschen. Die Rentenkommission schlägt längeres Arbeiten und weitere Maßnahmen vor, die die Regierung umsetzen will. Die Caritas lobt die Reformvorschläge zur Sicherung der Rentenversicherung, während der DGB die Abschaffung der Rente mit 63 kritisiert.

InhaltFür Menschen in Ostdeutschland dürfe es keine Absenkung des Rentenniveaus geben, warnt die Ostbeauftragte. Die Caritas lobt die Vorschläge der Rentenkommission. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung hat nach den Reformvorschlägen der Rentenkommission vor Altersarmut im Osten Deutschlands gewarnt. "Für Menschen in Ostdeutschland darf es keine Absenkung des aktuellen Rentenniveaus ab 2031 geben", sagte Elisabeth Kaiser (SPD) der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung. Andernfalls drohe vielen Menschen die Altersarmut. "Die gesetzliche Rente ist für die meisten Ostdeutschen die einzige Lebensgrundlage im Alter", sagte Kaiser. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dringt darauf, die speziellen Bedürfnisse der Ostdeutschen zu berücksichtigen. "Wer über die Zukunft unserer Renten spricht, muss die Lebensleistung der Menschen in Ostdeutschland ernst nehmen", sagte Kretschmer. "Viele haben nach der Wiedervereinigung enorme Veränderungen bewältigt, Betriebe verloren, neue Berufe erlernt und unser Land mit aufgebaut." Damit reagierten die beiden Politiker auf die Empfehlungen einer von der Bundesregierung beauftragten Kommission für eine umfangreiche Rentenreform. Im Kern schlägt das Expertengremium weitreichende Maßnahmen vor, die auf längerem Arbeiten, einer neuen Aktienkomponente und einer breiteren Basis von Beitragszahlern beruht. Die Bundesregierung kündigte an, alle Vorschläge zügig umsetzen zu wollen. Man könne es sich nicht erlauben, einzelne Maßnahmen abzulehnen, da sie ein Gesamtkonzept bildeten, das nur in seiner Gesamtheit funktioniere, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz. Lob für die Vorschläge gab es von der Caritas. "Angesichts der gestiegenen Lebenserwartung und der unausweichlich drohenden Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt, die mit dem Einsatz von KI einhergehen, erwartet die Kommission zurecht, dass in der Rente etliche Stellschrauben gleichzeitig angepackt werden", teilte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa mit. Nur mit einer breiten Reformagenda aus einem Guss könne die Rentenversicherung ihr Leistungsversprechen morgen und übermorgen einlösen. Konkret äußerte sich Welskop-Deffaa zum Vorschlag der Kommission, das Renteneintrittsalter regelhaft mit der steigenden Lebenserwartung zu verknüpfen. Diese Maßnahme bringe mittelfristig wirksame Entlastungen für die Beitragszahler. Es sei konsequent, parallel auch die Altersgrenzen einer früheren Verrentung und der Altersteilzeit anzupassen. Zugleich lobte sie die vorgeschlagenen Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente. Gerade für Menschen mit schlechter Ausbildung und in prekären oder körperlich anspruchsvollen Jobs gelte, dass sie ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen oft nicht über das 60. oder 65. Lebensjahr hinaus ausüben könnten. Die Vorschläge kritisiert hatte zuvor bereits DGB-Chefin Yasmin Fahimi. Noch bevor die Bundesregierung ankündigte, alle Vorschläge umsetzen zu wollen stellte sie sich gegen zentrale Empfehlungen. Im Podcast "Ronzheimer" kritisierte sie die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 und die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Zu sagen, dass die Menschen länger arbeiten müssten, weil die Rente sonst nicht finanzierbar sei, bezeichnete Fahimi als "eine Legende, um den Leuten Angst zu machen".