Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Krachen lassen? Dieser Junggesellenabschied in Hamburg hatte Folgen.

Datum23.06.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Newsletter berichtet über den 80. Geburtstag des Kampfmittelräumdienstes der Feuerwehr Hamburg, eine Silly-Aktion mit gefälschtem Dynamit bei einem Junggesellenabschied und die erste Tanztriennale. Finanzminister fordern Erbschaftsteuerreformen. Die Bafin greift bei der Privatbank Berenberg ein. Kampnagel plant Bauarbeiten bis 2030. Kultursenator Brosda findet einen Ankerplatz für das Kulturschiff MS Stubnitz, bevor eine Oper gebaut wird.

InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – Mit Zahlen zur Tanztriennale, einem Kultursenator mit zwei Gehirnen, Ärger bei einer Privatbank und dem neuen Kurs auf Kampnagel. heute wird in der Helmut-Schmidt-Universität ein besonderer Geburtstag gefeiert: Der Kampfmittelräumdienst der Feuerwehr wird 80 Jahre alt. Das kleine Team wird gerufen, wenn beispielsweise bei Bauarbeiten ein Blindgänger gefunden wird und entschärft werden muss. Millionen Bomben wurden im Zweiten Weltkrieg über der Stadt abgeworfen, und einige schlummern noch immer in Böden und Gewässern. Verdachtsfälle und kleinere Funde von etwa Granaten oder Handwaffenmunition gibt es dutzendfach. Außerdem rücken die Entschärfer und Sprengmeister jedes Jahr mehrmals zu größeren Einsätzen aus. Vor etwa eineinhalb Jahren haben wir Sprengmeister Michael Hein zu seinem Job interviewt. Wie viele Bomben genau er schon entschärft hat, zähle er nicht, sagte er damals, da sei er abergläubisch: Die Zahl verzerre, welcher Gefahr man in jedem Einsatz ausgesetzt sei. Den Link zum Text finden Sie weiter unten in diesem Newsletter. Voriges Wochenende drohte es übrigens wieder mal zu knallen in Hamburg: In der S1 war Dynamit entdeckt worden. Der Zug sowie der gesamte S- und U-Bahn-Bereich Ohlsdorf samt Bahnhofsvorplatz wurden daraufhin geräumt und abgesperrt. Bombenentschärfer der Polizei rückten an. Kurz darauf war klar: keine Gefahr. Es handelte sich um eine Attrappe. Videoauswertungen durch die Bundespolizei ergaben: Das Dynamit war Teil einer Junggesellen-Kostümierung gewesen. Die Gruppe habe die drei roten, mit Kabeln umwickelten Stangen am Freitagvormittag beim Aussteigen am Flughafen vergessen. Nun laufen Ermittlungen wegen "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten". Eine bombige Hochzeit wird es hoffentlich trotzdem. Lassen Sie es krachen, Ihre Viola Diem PS: Uns gehen die Hamburger Schnacks aus! Falls Sie eine besonders witzige/erfreuliche Unterhaltung geführt (oder belauscht) haben, schreiben Sie uns an hamburg@zeit.de. Die erste Tanztriennale ist zu Ende gegangen. Rund 400 Tänzerinnen aus dem In- und Ausland kamen dafür nach Hamburg und zeigten eine Woche lang 83 Gastspiele, in Theatern ebenso wie im öffentlichen Raum. Die Tanztriennale wird von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturbehörde mit insgesamt 1,55 Millionen Euro finanziert. Die nächste Ausgabe ist für 2029 angekündigt. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die norddeutschen Finanzminister Reformen bei der Erbschaftsteuer, einer der wichtigsten Einnahmequellen der Länder. Ziel sei es, Schlupflöcher zu schließen und große Vermögen stärker in die Pflicht zu nehmen. "Wir brauchen ein gerechtes System, bei dem sich Großerben nicht mehr quasi auf null rechnen können", sagt Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Wegen möglicher Verstöße bei der Hamburger Privatbank Berenberg hat die Finanzaufsicht Bafin angeordnet, die Befugnisse der drei Geschäftsleitungsmitglieder ruhen zu lassen. Die Bafin bestellte zwei Sonderbeauftragte, die die Geschäftsleitung übernehmen. Aufgrund der aktuellen Hitze fordert die Diakonie Hamburg, obdachlosen Menschen den Zugang zu Trinkwasser und Hitzeschutzräumen zu erleichtern. Nicht nur Geschäfte, Restaurants, Cafés und Kirchen könnten helfen, sondern alle Menschen – etwa mit einer Flasche Wasser oder, wenn nötig, einem Anruf bei der 112. Zum WM-Spiel Deutschland gegen Ecuador verlängert die Hochbahn ihren Betrieb am Donnerstag auf vielen Strecken um etwa 20 Minuten. So können einem Sprecher zufolge Fahrgäste nach Spielende auch zu später Stunde mit der U-Bahn nach Hause fahren. Die Hochbahn prüft, ob der Betrieb auch beim nächsten Deutschland-Spiel am 29. Juni verlängert werden kann. Wenn ein Theater die Presse einlädt und seine neue Spielzeit präsentiert, lautet eine der wichtigsten Fragen, welche Termine man sich am besten jetzt schon im Terminkalender blocken sollte. Doch ausgerechnet darauf gab es gestern auf Kampnagel keine präzise Antwort. Die neue Performance von Göksu Kunak? Wird wohl im Dezember stattfinden. Die nächste Uraufführung von Ursina Tossi? Hoffentlich im Juni! Der Grund dafür: Kampnagel soll wachsen. Der zentrale Trakt mit Foyer und Bühnen wird aufgestockt, es entstehen zusätzlich 7.000 Quadratmeter Fläche, mehr dazu hier (Z+). Kommenden Monat beginnen die Bauarbeiten, die planmäßig bis 2030 dauern werden. Intendantin Amelie Deuflhard gab das Motto aus: Under Creation. The Show Goes On. Gespielt werde nicht in einem Ausweichquartier, sondern teils neben, teils mitten auf der Baustelle – ein Experiment, das die Architekten Lacaton Vassal sowie die städtische Immobiliengesellschaft Sprinkenhof mittragen. Die genauen Premierentermine hängen vom Baufortschritt ab. Immerhin, ein paar Daten sind fix: etwa die Spielzeiteröffnung durch den New Yorker Kulturtheoretiker Jack Halberstam. Er wird am 31. Oktober über die Ästhetik des Aufbrechens und Abreißens von Architektur sprechen. Das erste große Tanzstück steuert der portugiesische Choreograf Marco da Silva Ferreira bei. Es heißt F*cking Future, Bauarbeiter und Ruinen sollen darin eine Rolle spielen (5. bis 8. November). Außerdem sind Gastspiele in den Deichtorhallen und im Kunstverein geplant, in Kirchen, Verwaltungsgebäuden und den Harburger Bergen. Von Oskar Piegsa Kein Kulturpolitiker ist so beliebt wie Hamburgs Senator Carsten Brosda. Er könnte auch der darbenden Sozialdemokratie Hoffnung spenden. Theoretisch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von unserem Autor Christoph Twickel. Anfang Mai, ein Pressetermin am Baakenhöft in der HafenCity. Sieben Grad, es regnet. Carsten Brosda hat trotzdem gute Laune. Ihm ist mal wieder etwas gelungen. Das Kulturschiff MS Stubnitz, einer der wichtigen Hamburger Underground-Kulturorte und seit zwölf Jahren in Hamburg vor Anker, sollte Ende 2026 aus der HafenCity verschwinden, man fürchtete Anwohnerbeschwerden. Nun gibt es hier doch einen Liegeplatz für das denkmalgeschützte DDR-Kühlschiff: Die Stubnitz darf am Baakenhöft festmachen, genau dort, wo der Speditionsmilliardär Klaus-Michael Kühne für Hamburg eine neue Oper bauen will. Zumindest bis zum Baubeginn der Oper. "Ich will nicht verhehlen: Kulturpolitisch ist die Idee, eine Oper und die Stubnitz nebeneinanderliegen zu haben, eine schöne Gesamtkonstellation", sagt Brosda. "Aber ich habe gelernt, dass Wünsche von Kultursenatoren im Hafen nicht ausreichend sind. Da muss man noch ein paar mehr Grundlagen schaffen." Es ist ein typischer Brosda-Satz. Darin kommt vieles vor, was das Politikverständnis des Hamburger Kultursenators ausmacht. Es ist eine idealistische, hoffnungsfrohe Idee von Politik, geschult an den Schriften des jüngst verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas (Z+), den Brosda häufig zitiert. Nach Habermas sollte Politik – Klassenkampf hin, Lobbymacht her – ein Prozess sein, in dem der "eigentümlich zwanglose Zwang des besseren Arguments" gilt. Auf das Konzertschiff Stubnitz heruntergebrochen heißt das: Die Kulturbehörde hat es geschafft, die städtische Entwicklungsgesellschaft für die HafenCity und die Hafenbehörde mit dem zwanglosen Zwang ihrer Argumente dazu zu bringen, wenigstens vorläufig einen Liegeplatz für die Stubnitz möglich zu machen, obwohl denen das – wegen Lärmvorschriften und Baustellenabläufen – eigentlich zu heikel ist. "Wäre auch langweilig, wenn das hier dauerhaft ginge", scherzt Brosda. "Aber wir finden ja immer Lösungen." Warum man sich in der Behörde für Kultur und Medien erzählt, Brosda habe zwei Gehirne, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Porträt (Z+) "Ich schiebe die Angst zur Seite" Michael Hein entschärft Weltkriegsbomben. Einen Zünder hat er als Mahnung behalten. Er kostete ihn fast das Leben. Unsere Autorin Franziska Wunderlich hat seine Geschichte vor einiger Zeit protokolliert. → Zum Artikel (Z+) Heute Abend treten Andrew’s Singing Crane auf. Bei der Veranstaltungsreihe blurred edges spielt das siebenköpfige Ensemble in kreisförmiger Anordnung, das Publikum kann sich frei im Raum bewegen – und die Musik aus neuen Perspektiven erleben. Durch die ungewöhnliche Anordnung entstehen unvorhersehbare Klangverläufe zwischen Komposition und Improvisation. blurred edges: Andrew’s Singing Crane; 23.6., 20 Uhr; Hebebühne, Barnerstraße 30; Tickets erhalten Sie hier Schnack zwischen zwei (Chor-)Kolleginnen: "Warst du bei der Verabschiedung von C.?" – "Nee." – "Ich auch nicht." – "Sonst hätten wir uns ja gesehen." Gehört von Wiebke Neelsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.