Datum23.06.2026 05:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie geplante Gesundheitsreform birgt Risiken für die Psychotherapie, mit drohenden Leistungskürzungen und weniger Therapieplätzen. Ein mutmaßlicher US-Präzisionsschlag in Minab traf eine Schule, was zu zahlreichen Todesopfern führte. Der Brexit hat laut Studien gravierende negative wirtschaftliche Folgen für Großbritannien, die zu einem erheblichen Wohlstandsverlust führen.
InhaltWer einen Psychotherapeuten braucht, wird bald lange suchen müssen. Wie schrecklich ein Präzisionsschlag im iranischen Minab danebenging. Und was der Brexit die Briten kostet. Das ist die Lage am Dienstagmorgen. Heute geht es um die Folgen der geplanten Gesundheitsreform für die Psychotherapie, den mutmaßlichen US-Angriff auf eine Grundschule in der iranischen Stadt Minab und die volkswirtschaftlichen Kosten des Brexits für die Briten. Heute übergibt die von der Koalition eingesetzte Rentenkommission ihre Reformvorschläge an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Und weil da keine Überraschungen mehr zu erwarten sind, die über das hinausgehen, was meine Kollegen Benjamin Bidder und Markus Dettmer bereits gestern berichtet haben (mehr dazu hier ), wenden wir uns an dieser Stelle einer anderen dräuenden Reform zu: jener unseres Gesundheitssystems. Sollten die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgesehenen Kürzungen umgesetzt werden, wäre das ein harter Schlag für all jene Menschen, die unter psychischen Problemen leiden und Hilfe suchen. Meine Kollegin Heike Le Ker fasst die Folgen der Reform zusammen: Die Ausgaben für Psychotherapien würden – so wie andere fachärztliche Leistungen schon heute – budgetiert. Die Anzahl von Psychotherapien würde stärker gesteuert. Und Zuschläge für Kurzzeittherapien, durch die mehr Menschen psychotherapeutisch versorgt werden können, fielen weg. Das Ergebnis wären weniger verfügbare Therapiestunden – und damit eine beschwerlichere Suche für Betroffene, die Hilfe suchen. Das Wort ist fester Bestandteil der modernen Kriegsführung, es dient der Beruhigung des Publikums: Nicht mehr blindwütig und unter Inkaufnahme ziviler Opfer wird der Gegner bekämpft. Heutzutage werden stattdessen "Präzisionsschläge" ausgeführt. Und wenn diese zusätzlich mit dem Adjektiv "chirurgisch" garniert werden, sollte auch dem letzten zaudernden Pazifisten klar sein, dass bei der so bezeichneten Kriegshandlung ausschließlich Soldaten und militärische Infrastruktur der Vernichtung anheimfallen – während wenige Meter links und rechts davon die Bevölkerung unbehelligt ihrem Alltag nachgehen kann. Das war schon immer Schönfärberei. Die Waffensysteme mögen sich geändert haben, die grausame Realität des Krieges ist seit Menschengedenken dieselbe: Es sterben Menschen, auch solche ohne Uniform. Auch Kinder. Wohl mehr als hundert Schülerinnen und Schüler sind am 28. Februar, dem ersten Tag der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran, in der Stadt Minab bei einem mutmaßlichen Doppelschlag mit Tomahawk-Marschflugkörpern ums Leben gekommen. Durch Präzisionswaffen, über die in diesem Krieg allein die USA verfügen. Meine Kollegen Nikolai Antoniadis, Francesco Collini, Max Heber, Chris Kurt und Anna-Sophie Schneider haben zahlreiche Quellen ausgewertet und den Angriff nachgezeichnet. Ihre Rekonstruktion legt nahe, dass das US-Militär die von ihm zerstörte Schule irrtümlich einer Militärbasis in unmittelbarer Nachbarschaft zugerechnet hatte. Dieser Präzisionsschlag, so scheint es, hatte ein schrecklich falsches Ziel. Heute vor zehn Jahren war es, da stimmten die Briten für das Ausscheiden aus der Europäischen Union. Der Brexit hat ihnen keinen Zuwachs an Wohlstand gebracht – eher im Gegenteil, berichten meine Kollegen Alexander Preker und Guido Grigat: "Wie sehr die Brexit-Folgen auf die Wirtschaftsleistung des Landes durchschlagen, hat jüngst ein Forscherteam um den Stanford-Ökonomen Nicholas Bloom untersucht. Die beim National Bureau of Economic Research (NBER) veröffentlichte Arbeit zeigt: Der Brexit trifft das Land härter als von den meisten Ökonomen erwartet. Blooms Schätzungen zufolge ist das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis Ende 2025 um sechs bis acht Prozent niedriger ausgefallen, als es ohne den Austritt aus der Union gewesen wäre. Die Briten haben demnach heute 12 bis 13 Prozent weniger Investitionen, drei bis vier Prozent geringere Beschäftigung. Die Produktivität soll zwischen drei und vier Prozent schlechter sein. Alles in allem würde das einen Wohlstandsverlust von mehr als hundert Milliarden Euro bedeuten." Leider sieht es danach aus, als würde Großbritannien auch zehn Jahre nach der Brexit-Entscheidung nicht zur Ruhe kommen: Gestern hat Keir Starmer seinen Rücktritt angekündigt (mehr dazu hier ). Er ist damit bereits der sechste gescheiterte Premier seit 2016. Besondere Erwähnung verdient der konservative Hauptversager David Cameron: Er war es, der die Brexit-Abstimmung zugelassen und so dem britisch-europäischen Desaster Tür und Tor geöffnet hat. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist der Kapitän der argentinischen Fußballnationalmannschaft. Zwar ist es noch nicht offiziell, aber wundern dürfte es keinen, wenn die gerade in Mexiko, Kanada und den USA ausgetragene Sportveranstaltung demnächst in "MESSI WM 2026" umbenannt wird. Nach drei Treffern gegen Algerien hat Lionel Messi gestern zwei Tore gegen Österreich erzielt, es waren die Tore Nummer 17 und Nummer 18 bei einer WM. Mehr als er hat niemand auf dem Konto (mehr dazu hier ). In der Nacht hat außerdem Stürmerstar Erling Haarland Norwegen fast im Alleingang in die K.-o.-Runde geschossen. Alles Wichtige rund um die WM finden Sie hier im Liveblog . Von Sport in der Sommerhitze wird oft abgeraten. Dabei blickt die Wissenschaft inzwischen differenzierter auf das Schweißtreiben: Hohe Temperaturen können wie ein Leistungsbooster wirken – wenn Sie diese Regeln einhalten . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion PS: Hier noch die versprochene Auflösung zum Foto der gescheiterten BewohnerInnen von Downing Street 10. Obere Reihe: Keir Starmer, Rishi Sunak, Liz Truss. Untere Reihe: Boris Johnson, Theresa May, David Cameron.