Schulbarometer 2026: Lehrer sehen Verhalten ihrer Schüler als größte Herausforderung

Datum23.06.2026 05:01

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Deutsche Schulbarometer 2026 zeigt: Lehrer sehen das Verhalten ihrer Schüler als größte Herausforderung, mit steigenden Werten gegenüber Vorjahren. Probleme wie mangelnde Motivation und psychische Belastungen werden häufig genannt, besonders an Haupt-, Real-, Gesamt- und beruflichen Schulen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit politischer Meinung im Unterricht, wobei Lehrkräfte, insbesondere im Osten, Unsicherheit und mangelnde Unterstützung bei der Demokratiebildung empfinden. Trotz hoher beruflicher Zufriedenheit erwägt mehr als ein Viertel der Lehrkräfte einen Berufswechsel.

InhaltFür viele Lehrer ist das Verhalten ihrer Schüler eine Hürde im Unterricht. Auch der Umgang mit politischer Meinung treibt Lehrkräfte um, besonders im Osten des Landes. Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer sehen sich und ihren Unterricht durch das Verhalten ihrer Schüler belastet. Das geht aus dem Deutschen Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung hervor. Demnach sehen 46 Prozent der Lehrkräfte Auffälligkeiten im Verhalten der Schülerinnen und Schüler als ihre größte Herausforderung im Unterricht. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dieser Wert deutlich gestiegen: 2024 lag er noch bei 35 Prozent, 2025 bei 42 Prozent. Konkret geht es dabei um allgemeines Sozialverhalten der Schüler, mangelnde Motivation oder fehlenden Lernwillen und psychische Probleme oder Belastungen. Unterschiede zeigen sich dabei auch in der Schulart. Lehrkräfte an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (55 Prozent) und an beruflichen Schulen (53 Prozent) nannten das Schülerverhalten häufiger als Herausforderung. Wenn es darum geht, diese wahrgenommenen Verhaltensauffälligkeiten konkret zu benennen, berichten 25 Prozent der Lehrkräfte von einem problematischen Sozialverhalten. Mit 13 Prozent folgen mangelnde Motivation und fehlender Lernwille, psychische Probleme beziehungsweise Belastungen mit sieben Prozent und Konzentrationsprobleme, Aggressivität, Gewalt, Mobbing sowie problematische Mediennutzung und der negative Einfluss der sozialen Medien mit jeweils fünf Prozent. Auch hier ist ein Unterschied der Schulart deutlich: Lehrkräfte an Haupt-, Real- und Gesamtschulen nannten Aggressivität, Gewalt und Mobbing häufiger, Gymnasiallehrer hingegen etwa häufiger Konzentrationsprobleme. Das passt zu Ergebnissen des Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung aus dem Frühjahr, in dem nur Schülerinnen und Schüler befragt wurden. Der Umfrage zufolge ist die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen erstmals seit der Coronapandemie wieder gestiegen: Schüler hätten Mühe, sich in Gruppen einzufinden oder könnten sich nur schwer zum Lernen motivieren. Lehrkräfte wissen den Studienautoren zufolge, dass sie dementsprechend "auch Fähigkeiten fördern müssen, die über reines Fachwissen hinausgehen". 82 Prozent der befragten Lehrkräfte wollen sich entsprechend weiterbilden, doch mehr als ein Drittel fühle sich dabei auf sich alleine gestellt. Der Robert Bosch Stiftung zufolge dürfen Lehrkräfte damit nicht alleine gelassen werden. "Das große Interesse an Fortbildungen ist eine echte Chance, die wir nutzen sollten, um Lehrkräfte beim Umgang mit schwierigen Unterrichtssituationen gezielt zu stärken. Aber das reicht nicht aus. Schulen brauchen dringend multiprofessionelle Teams", schreibt Studienverantwortliche Katharina Thoren. In Zeiten des Erstarkens rechter Parteien und zahlreicher anstehender Landtagswahlen sind auch zwei weitere Befunde der Befragung interessant: Einige Lehrkräfte sind wohl unsicher darin, wie sie im Unterricht mit politischer Meinung umgehen sollen. Und rund die Hälfte der Lehrkräfte ist der Ansicht, ihre Schule tue nicht genug für Demokratiebildung. Besonders an armutsbelasteten Schulen wird das als zentrale Aufgabe wahrgenommen, jedoch wird hier den Schülern auch fehlendes Interesse angelastet. Zum Umgang mit politischer Meinung befragte die Robert Bosch Stiftung Lehrerinnen und Lehrer das erste Mal. Die Ergebnisse zeigen, dass 18 Prozent der Lehrkräfte sich "durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot im eigenen Handeln verunsichert fühlen". Mehr als ein Viertel der Befragten stimmte der Aussage zu, Lehrkräfte dürften ihre eigene Meinung zu politischen Fragen grundsätzlich nicht äußern. 23 Prozent meinten zudem, sie müssten die Meinungen der Schüler gleichermaßen als richtig anerkennen, um neutral zu bleiben. Auffällig ist hier, dass es einen Unterschied von fast zehn Prozentpunkten zwischen den ehemals ostdeutschen Bundesländern und westdeutschen Bundesländern gibt: Lehrkräfte im Osten berichten häufiger von Verunsicherung als jene im Westen. "Es ist ihre dienstliche Pflicht, sich aktiv für die Menschenwürde und die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen", schreiben die Studienautoren an dieser Stelle. Sie empfehlen eine unterstützende Schulleitung, Verwaltung und Schulaufsicht, die Handlungs- und Rechtssicherheit bereitstelle, damit Lehrkräfte diesen Auftrag erfüllen können. Sie seien "keineswegs dazu verpflichtet, ihre eigene Meinung zu verschweigen oder menschen- und verfassungsfeindliche Äußerungen als legitime Meinung anzuerkennen". Die berufliche Zufriedenheit ist bei Lehrkräften hoch: 89 Prozent gaben an, gerne an ihrer Schule zu arbeiten und 83 Prozent, dass sie mit ihrer Arbeit zufrieden seien. Jedoch gab auch etwas mehr als ein Viertel der Befragten an, sie würden den Beruf aufgeben, wenn sich ihnen eine Alternative böte. Ausgeprägt ist das den Angaben zufolge besonders bei Grundschulen sowie Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Für das Schulbarometer wurden im November und Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrkräfte an allgemein- und berufsbildenden Schulen befragt. Die Robert Bosch Stiftung arbeitet dabei mit den Universitäten Heidelberg, Potsdam und der Humboldt-Uni in Berlin zusammen.