Katastrophenschutz: Warum sich die Ahr-Flutkatastrophe so nicht wiederholen wird

Datum23.06.2026 03:35

Quellewww.zeit.de

TLDRSeit der Ahr-Flut 2021 wurden Katastrophenschutz und Warnsysteme stark verbessert. Das Landesamt für Umwelt mahnt jedoch weiterhin Unsicherheiten bei der Vorhersage von Extremereignissen an. Der Landkreis Ahrweiler hat nach eigenen Angaben sein Krisenmanagement mit aufeinander abgestimmten Alarmplänen und einer klaren Zuständigkeitsregelung neu aufgestellt. Ein Mehrkanalprinzip mit Redundanz soll die Bevölkerung warnen, vordefinierte Evakuierungswege und vorbereitete Infrastruktur sollen Schutz bieten.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Katastrophenschutz“. Lesen Sie jetzt „Warum sich die Ahr-Flutkatastrophe so nicht wiederholen wird“. Warnkette, Katastrophenschutz und Risikobewusstsein: Seit der Flutkatastrophe an der Ahr vor fünf Jahren mit 135 Toten und mehreren hundert Verletzten ist viel passiert, um eine Wiederholung der verheerenden Ereignisse zu verhindern. Die Neuausrichtung des Katastrophenschutzes seitens des Innenministeriums geht angesichts zunehmender Extremwetterereignisse noch weiter. Ein Überblick:  In der Regie des Umweltministeriums wurde mit Blick auf Informationen, Vorwarnungen und Warnungen für die Bürger und Kommunen viel verbessert.  Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht. So mahnt das Landesamt für Umwelt: "Die Vorhersage solcher Extremereignisse ist weiterhin mit sehr großen Unsicherheiten behaftet."  Das schlechte Krisenmanagement des Landkreises unter Landrat Jürgen Pföhler (CDU) beschäftigte den Untersuchungsausschuss des Landtags und die Staatsanwaltschaft. Sie stellte ihre Ermittlungen wegen möglicher Versäumnisse und Fehler beim Krisenmanagement aber mit der Begründung ein, das extreme Ausmaß der Naturkatastrophe sei für die Verantwortlichen des Kreises nicht konkret vorhersehbar gewesen.  Unter Pföhlers Nachfolgerin Cornelia Weigand (parteilos) hat sich der Kreis nach eigener Darstellung "grundlegend anders aufgestellt". "Heute verfügt der Landkreis über ein zusammenhängendes, schriftlich hinterlegtes System aus aufeinander abgestimmten Alarm- und Einsatzplänen – dies sind die Pläne zu den Themen Hochwasser, Starkregen, Information und Warnung sowie Evakuierung", sagt die Sprecherin der Kreisverwaltung, Svenja Macht. - Es gibt jetzt eine klare und ungeteilte Zuständigkeit über fünf Alarmstufen hinweg: Solange die Lage örtlich beherrschbar ist, liegt die Einsatzleitung bei der jeweiligen Kommune. Ab Alarmstufe 4 übernimmt der Kreis die Einsatzleitung und damit auch die Warnung der Bevölkerung. - Übersetzungskette von der Prognose zur Warnung: Aus den Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und den Pegelmeldungen wird über die Alarmstufen eine vorbereitete, ortsbezogene Warnung ausgesprochen, die immer mit einer konkreten Handlungsanweisung verbunden ist. Diese könnte in etwa sein, höhere Stockwerke aufzusuchen oder Keller und Tiefgaragen zu meiden.  - Mehrkanalprinzip mit Redundanz: Die Sirene soll als Weckruf dienen. Im Weiteren folgen die Inhalte über den sogenannten Warnmittelmix, mehrere voneinander unabhängige Wege. Dies sind unter anderem Radiomeldungen, die Warn-Apps Nina beziehungsweise Katwarn, Cell Broadcast sowie möglicherweise auch Lautsprecherdurchsagen mittels Fahrzeugen und sowie ein Bürgertelefon. Sollte ein Kanal ausfallen, übermitteln die anderen bestehenden Kanäle. - Vorgeplante Infrastruktur: Es gibt feste Aufnahmeorte in vier geografischen Sektoren des Kreises, die bewusst über getrennte Verkehrsachsen erreichbar sind. Bei einer Lage wie im Juli 2021 würden die Menschen gezielt aus dem Ahrtal heraus auf die Höhen gelenkt. - An Brücken, an denen sich Treibgut sammelt und es so zu Überschwemmungen kommen kann, wird frühzeitig Räumgerät positioniert. - Es gibt vorab festgelegte und abgestimmte Evakuierungswege und Sperrstellen.  - Die Krankenhäuser liegen außerhalb der Überflutungsflächen. Eine Flutkatastrophe dieses Ausmaßes hatte sich 2021 kaum jemand vorstellen können. Es wurde zu spät gewarnt und evakuiert. Und es gab auch Bürger, die den Warnungen nicht folgten. Heute ist das Bewusstsein für die Gefahr anders.  "Das Risikobewusstsein ist viel höher: auf allen Ebenen von Verwaltung und Politik, aber auch bei den Menschen", sagt die zuletzt zuständige Umweltministerin Katrin Eder (Grüne). Und Svenja Macht vom Kreis betont: "Effektive Schutzmaßnahmen bleiben ein Zusammenspiel von staatlicher Planung und Eigenvorsorge und können nicht gegenseitig ersetzt werden." © dpa-infocom, dpa:260623-930-265894/1