Datum22.06.2026 18:29
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Berliner Landgericht verhandelt über 58 mutmaßliche Clan-Immobilien. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Objekte mit Geld aus illegalen Taten finanziert wurden. Eine Verteidigerin gibt an, die Gelder stammten aus legalen Einkünften, darunter eine Immobilienveräußerung. Ermittlungen wegen Geldwäsche wurden 2021 eingestellt, aber die Staatsanwaltschaft verfolgt nun die Einziehung der Immobilien. Der Begriff "Clankriminalität" ist umstritten.
InhaltIn Berlin beschäftigen mutmaßliche Clan-Immobilien das Landgericht. Der Verdacht: Die Objekte wurden mit Geld aus rechtswidrigen Taten finanziert. Ein Anwalt widerspricht. In einer spektakulären Aktion wurden 2018 zahlreiche Immobilien sichergestellt, die von Ermittlern einem arabischstämmigen Clan zugerechnet werden. Sie beschäftigen nun erneut das Berliner Landgericht. Um 58 Objekte geht es in dem Verfahren gegen eine 45 Jahre alte Frau, die im Libanon lebt, und eine 42-Jährige mit Wohnsitz in Berlin sowie mehrere Gesellschaften. Die Staatsanwaltschaft geht in dem sogenannten selbstständigen Einziehungsverfahren davon aus, dass die Immobilien mit Geld aus rechtswidrigen Taten finanziert wurden. Mit einem solchen Einziehungsverfahren können aus Straftaten stammende Vermögenswerte auch ohne Strafverfahren eingezogen werden – vorausgesetzt, sie stammen nachweislich aus einer nicht länger als 30 Jahre zurückliegenden Straftat. In dem Fall geht es um 58 Objekte, die sich in den Berliner Bezirken Neukölln und Mitte sowie im Landkreis Teltow-Fläming befinden. Das Landgericht hatte die Einziehung zunächst ohne mündliche Verhandlung in einem Beschluss angeordnet. Das Berliner Kammergericht hob diese Entscheidung allerdings auf Beschwerde der Betroffenen auf. Zu Prozessbeginn waren die beiden Frauen nicht persönlich erschienen. Ein Anwalt sagte für die 45-Jährige, die Finanzierung sei aus legalen Einkünften erfolgt. So habe die Frau bereits vor Jahren in Beirut für 850.000 US-Dollar eine Immobilie verkauft und das Geld investiert. Zudem habe ihr Ehemann als Makler und Vermittler ein hervorragendes Einkommen erzielt. Seit mehr als zehn Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft zum Kauf von Immobilien im Zusammenhang mit dem Clan. Zunächst richtete sich ein Verfahren wegen Geldwäscheverdachts gegen "Beschuldigte aus dem Umfeld einer sogenannten Berliner Großfamilie", hieß es. Strafrechtlich wurden die Akten allerdings 2021 geschlossen, weil die Beweise für Anklagen wegen Geldwäsche nicht reichten. Doch die Staatsanwaltschaft beantragte parallel die Einziehung der Immobilien im sogenannten selbstständigen Einziehungsverfahren. Für das aktuelle Verfahren sind bislang 30 Prozesstage bis März 2027 geplant. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.