Fußball-WM heute: Messi, Mbappé oder noch ein bisschen Klose? Das bringt der WM-Abend.

Datum22.06.2026 17:38

Quellewww.zeit.de

TLDRÖsterreich erlebt nach 27 Jahren seine erste WM und trifft auf Argentinien und Messi. Kloses Torrekord bei der WM ist durch Messi und Mbappé bedroht. Senegal-Torwart Mendy feiert eine beeindruckende Karriere, während Kap Verdes WM-Teilnahme Freude auslöst. Der Iran steht wegen politischer Spannungen unter Druck, zeigt aber trotz allem sportliche Würde.

InhaltWem Miroslav Klose seinen Torrekord gönnen würde. Und nach 27 traurigen Sommern: Österreichs Kinder erleben erstmals eine WM. Argentinien gegen Österreich (19 Uhr, ARD). Österreichische Kinder kannten das noch gar nicht: ihre Nationalmannschaft bei einer WM. 1998 waren die Österreicher letztmals dabei. 27 traurige Sommer waren das für die Wintersportnation Österreich. Sie wollten WM, nun kriegen sie gleich im zweiten Spiel den amtierenden Weltmeister Argentinien. Und Lionel Messi – oder wie ihn die österreichische Zeitung Der Standard nannte: "Das Problem mit fünf Buchstaben". Das wird natürlich ein anderes Kaliber als die Jordanier, gegen die sich Österreich im ersten Spiel einen 3:1-Sieg hart erkämpfte. "Wir spielen against all odds", sagte Österreichs Trainer Ralf Rangnick vor dem Spiel, also mit verschwindend geringen Chancen. "Wer sehr, sehr viel Geld gewinnen möchte, geht in ein Wettbüro und setzt auf einen Sieg für Österreich." Wir würden dagegen raten: Wer in seiner Tipprunde weit oben landen möchte, setzt doch lieber auf Argentinien. Miro Kloses Torrekord, den er vielleicht schon heute los ist. "Ich rechne damit, dass mein Rekord in diesem Turnier fällt", sagte Klose vor der WM der Süddeutschen Zeitung. Aber ob er auch damit rechnete, dass es soo schnell passieren könnte? Am ersten Spieltag schoss Messi seine WM-Tore 14, 15 und 16 und schloss damit zu Klose auf. Und selbst wenn die österreichische Abwehr Messi aufhält, ist der Rekord vielleicht nur noch ein paar Stunden länger sicher. Denn es gibt ja einen weiteren Rekordjäger: Kylian Mbappé. Dem 27 Jahre alten Franzosen fehlen nur noch zwei zu Klose und Messi – obwohl er viel weniger Spiele bei Weltmeisterschaften gemacht hat als die beiden. Die Frage ist also nur noch: Wer knackt Kloses Rekord als Erstes? Klose sagte, er sei ein großer Fan des Genies Messi, der dürfe seinen Rekord gerne haben. Édouard Mendy, der Torwart des Senegal. Der in Frankreich geborene Mendy hat eine erstaunliche Aufsteigergeschichte hinter sich. Als er mit 22 Jahren ein Jahr lang keinen Vertrag bekam, ging er aufs Arbeitsamt und dachte darüber nach, den Fußball aufzugeben. 2016 kam er bei Stade Reims in der zweiten französischen Liga unter, fünf Jahre später gewann er mit Chelsea die Champions League und wurde als erster Afrikaner von der Fifa zum Welttorhüter gewählt. "Harte Arbeit ist die einzige Antwort", sagt Mendy, der seit drei Jahren in Saudi-Arabien Bälle hält und wohl nicht mehr auf Arbeitslosengeld angewiesen ist. Heute Nacht wird ihn sein Land brauchen, wenn ihm Norwegens Erling Haaland die Handschuhe heißschießt. Freuen sich mit Kap Verde. Auch wenn unser WM-Reporter Christian Spiller zunächst einen Schreck bekam. Er schreibt: "Ich fliege nur so halb gern. Umso erschrockener war ich gestern. Wir beschleunigten gerade auf der Startbahn, wurden schneller und schneller, da gingen plötzlich Ahs und Ohs durchs Flugzeug. Ich malte mir das Schlimmste aus, konnte nicht einmal aus dem Fenster schauen, weil meine Sitznachbarin die Sonnenblenden geschlossen hatte (was in Europa beim Start verboten ist, wenn ich mich nicht irre). Doch wie Sie daran merken, dass ich hier noch berichten kann: Es geschah keine Katastrophe. Stattdessen wurde gejauchzt, weil das halbe Flugzeug die WM live auf ihren Bildschirm in den Sitzen vor ihnen schaute. Das kleine Kap Verde war gerade gegen Uruguay in Führung gegangen. Und ich habe mich lange nicht mehr so über ein Tor gefreut." Keine Mannschaft bei dieser WM steht unter solch enormem politischen Druck wie die iranische. Ihr Quartier verlegte sie nach Mexiko, weil es bei der Einreise in die USA immer wieder Schwierigkeiten gibt. Einige Betreuer können gar nicht in die USA einreisen. Und für viele der Iranerinnen und Iraner, die zu den ersten beiden Spielen nach Los Angeles gekommen waren, ist das Team nicht ihres. Für sie ist es ein Team des Regimes, das Tausende Protestierende getötet hat. "Die Politik hat diese Mannschaft vereinnahmt", schrieb mein Kollege Omid Rezaee vor dem Turnierstart. Am Sonntag, nach dem Unentschieden gegen Belgien, hinterließen die Iraner nun einen handgeschriebenen Brief im SoFi Stadium. "Danke, Los Angeles, für die Gastfreundschaft. Wir sind mit Stolz nach Los Angeles gekommen, haben ehrenhaft gekämpft und gehen mit Würde" steht darauf. Der Brief endet mit diesen Worten: "Mögen Frieden, Respekt und Freundschaft unter allen Nationen herrschen."