Datum22.06.2026 17:34
Quellewww.spiegel.de
TLDREine australische Ballista-Spinne nutzt eine einzigartige Katapulttechnik, um aggressive Weberameisen zu fangen. Sie spannt Seidenfäden zu einem Kegel, in den Ameisen beißen. Der Biss löst den Kegel, der die Ameise mit hoher Geschwindigkeit ins Netz katapultiert. Diese Methode ermöglicht der Spinne, wehrhafte Beute sicher zu überwältigen, und stellt eines der leistungsstärksten bekannten Fangsysteme im Tierreich dar.
InhaltForscher aus Greifswald und Australien haben beobachtet, wie eine Spinne besonders wehrhafte Ameisen überlistet. Es handele sich um eines "der leistungsstärksten bekannten Fangsysteme im Tierreich." Eine australische Spinnenart – die Ballista-Spinne (Propostira sp.) – hat eine raffinierte Art entwickelt, um Beute zu fangen. Es handele sich um eines "der leistungsstärksten bekannten Fangsysteme im Tierreich", berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Greifswald gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Australien im Fachjournal "Current Biology". Die Spinne katapultiert demnach gezielt Ameisen in ihr Netz. Dazu spannt sie von diesem Netz aus mehrere lange Fäden und befestigt sie nahe beieinander etwa an Ästen oder Blättern. Über den Blättern oder Ästen bündelt sie die Fäden zu einem Kegel. Vermutlich lockt sie dann mithilfe von Duftstoffen Weberameisen der Art Oecophylla smaragdina an, eine besonders aggressive und wehrhafte Spezies. Die Ameisen beißen in den Kegel. Durch diesen Biss löst sich der Seidenkegel von der Oberfläche der Blätter oder Äste und schwingt rasch samt der darin verbissenen Ameise ins Netz der Spinne. Dabei erreichen die Ameisen eine Geschwindigkeit von bis zu 4,4 Metern pro Sekunde. Die Spinne wartet laut Studie, bis die Ameise im Netz vollständig verstrickt ist, bevor sie sich nähert, um sie in Seide einzuwickeln. Die Falle speichere Energie in den gespannten Seidenfäden und setze sie schlagartig frei, ähnlich wie eine gespannte Feder, berichten die Forscher. "Die dabei erreichten Leistungswerte liegen um mehrere Größenordnungen über dem, was Muskeln erzeugen könnten", sagt Jonas Wolff von der Universität Greifswald. Auch andere Spinnen mit katapultartigen Fangnetzen würden übertroffen. Die Forschenden werteten 35 Fänge mit der einzigartigen Technik aus. Jedes Mal seien der Spinne Ameisen der Art Oecophylla smaragdina ins Netz gegangen. Das deute darauf hin, dass die Fangtechnik auf diese Beute ausgerichtet sei, schreibt das Team. Ameisen drei anderer Arten, die neben die Spinnfädenkegel gesetzt worden seien, hätten nicht darauf reagiert. Dies sei ein Indiz, dass die Spinne möglicherweise Pheromone auf den Kegel aufbringe, um gezielt Arbeiterinnen von Oecophylla smaragdina anzulocken. Die Ballista-Spinne habe mit dem Einsatz der Falle, die von der Beute selbst ausgelöst werde, einen bemerkenswerten Weg entwickelt, eine gefährliche und äußerst aggressive Beutegruppe zu überwältigen, schreiben die Wissenschaftler. Die Evolution habe hier eine außergewöhnliche biomechanische Leistung hervorgebracht. Forscher Wolff sagt: "Die Entdeckung zeigt, wie weit Spezialisierung in der Natur gehen kann." An der Grenze von Griechenland und Albanien befindet sich eine Höhle, die voller Mücken und immerzu dunkel ist: Beste Bedingungen für Tausende Spinnen, die dort das größte bekannte Spinnennetz der Welt gespannt haben. Lesen Sie hier mehr dazu.