Datum22.06.2026 15:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Ukraine hat durch Angriffe auf Treibstoffversorgung und Depots eine Krise auf der Krim ausgelöst. Dies führt zur Aussetzung des Tourismus bis September, zur Schließung von Ferienlagern und zur Einstellung des Benzinverkaufs. Auch Stromausfälle beeinträchtigen die Wasserversorgung. Russland bemüht sich, die Folgen zu mildern. Gleichzeitig greift die Ukraine auch Ziele in Russland an, darunter eine Fabrik für Raketenbauteile und ein Satellitenkommunikationszentrum. Bei russischen Angriffen auf die Ukraine gab es mehrere Tote.
InhaltSeit Wochen greift Kyjiw die Benzinversorgung auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim an. Jetzt haben die Behörden alle Ferienlager geschlossen, der Tourismus soll bis September eingestellt werden. Mit ihren Attacken auf Versorgungswege und Depots hat die Ukraine auf der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Krim-Halbinsel eine Treibstoffkrise ausgelöst. Deren Folgen werden nun immer deutlicher sichtbar. Die von Moskau eingesetzten Behörden haben nun alle Ferienlager geschlossen sowie den Tourismus ausgesetzt. Bereits seit Sonntag haben die Tankstellen auf der Krim den Verkauf von Benzin und Diesel an Privatpersonen und Unternehmen komplett eingestellt. Gouverneur Sergej Aksjonow begründete die Schließung der Ferienlager und die Unterbrechung des Tourismus bis zum 1. September am Montag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit der öffentlichen Sicherheit. Der örtliche Energieversorger Krimenergo teilte außerdem mit, dass Zeitpläne für Stromsperren eingeführt wurden. Das wiederum hat auch Einfluss auf die Wasserversorgung. In der Hafenstadt Sewastopol wurden unterdessen für Montag alle öffentlichen Open-Air-Veranstaltungen abgesagt. Das teilte Stadtgouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram mit. Es werde auch keine Straßenbeleuchtung geben. Die Regierung in Moskau erklärte, man bemühe sich intensiv, die Auswirkungen der gestörten Treibstofflieferungen auf der Krim zu begrenzen. Die ukrainischen Drohnenangriffe beeinträchtigen die Treibstoffversorgung in weiten Teilen Russlands, dem drittgrößten Ölproduzenten der Welt. Brancheninsidern zufolge brach die russische Benzinproduktion in der vergangenen Woche im Vergleich zum Tagesdurchschnitt vom Juni 2025 um rund 25 Prozent auf etwa 90.000 Tonnen pro Tag ein. Auch im russischen Hinterland gab es offenbar ukrainische Treffer. In der westrussischen Millionenstadt Woronesch wurde offiziellen Angaben zufolge eine Fabrik bei einem Angriff mit Marschflugkörpern beschädigt. Gouverneur Alexander Gussew gab keine Details zu dem Unternehmen bekannt. Der ukrainische Generalstab bestätigte später in einer Mitteilung den Angriff. Demzufolge wurde eine Fabrik getroffen, die elektronische Bauteile für Raketen produziert. Das ukrainische Militär meldete zudem einen Angriff auf das russische Satellitenkommunikationszentrum in Dubna. Bei der Attacke auf die Anlage in der Region Moskau sei starke Rauchentwicklung beobachtet worden, teilt der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte mit. Das genaue Ausmaß der Schäden werde derzeit noch ermittelt. Laut der Website der russischen Satellitenkommunikationsgesellschaft (RSCC) ist die Anlage in Dubna die größte Satelliten-Bodenstation in Russland und eine der größten in Europa. Unterdessen wurden bei russischen Drohnenangriffen auf mehrere Regionen in der Ukraine sowie auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer nach Angaben aus Kyjiw mindestens fünf Menschen getötet. Ein Drohnenangriff habe ein unter der Flagge Panamas in Richtung Ukraine fahrendes Schiff getroffen, dabei sei ein Mensch getötet worden, erklärte der ukrainische Vize-Regierungschef Oleksij Kuleba im Onlinedienst Telegram. Acht weitere Seeleute seien von dem nicht mehr seetüchtigen Schiff gerettet worden. Bei weiteren Angriffen in den Regionen Sumy und Saporischschja seien insgesamt vier Menschen getötet worden.