Nord Stream: Italien liefert Nord-Stream-Verdächtigen vorerst nicht aus

Datum15.10.2025 18:37

Quellewww.spiegel.de

TLDRItaliens oberstes Gericht hat die Auslieferung von Serhij K., einem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines, vorerst gestoppt. Ursprünglich hatte ein Gericht in Bologna zugestimmt, jedoch wurde die Entscheidung vom Kassationshof in Rom aufgehoben. Serhij K. wurde im August aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen und soll an Bord eines Boots mit Taucher in der Nähe der Pipelines gewesen sein. Der Anschlag im September 2022 gilt als größter Sabotageakt in Europas Geschichte.

InhaltIm September verfügte ein italienisches Gericht die Auslieferung von Serhij K. nach Deutschland. Daraus wird erst einmal nichts: Eine höhere Instanz hat die Überstellung nun gestoppt. Italiens oberstes Gericht hat die Auslieferung des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines gestoppt. Serhij K. wird damit vorerst nicht nach Deutschland überstellt. Der Kassationshof in Rom hob die Entscheidung einer Vorinstanz auf, sagte der Anwalt des 49 Jahre alten Ukrainers der Nachrichtenagentur dpa. Ein Gericht in Bologna hatte der Auslieferung ursprünglich zugestimmt, aber K. ging in Berufung. Anschließend wurde die Entscheidung vom Kassationshof überprüft. Serhij K. war im August auf Basis eines europäischen Haftbefehls nahe der italienischen Stadt Rimini festgenommen worden  . Er wird verdächtigt, eine wichtige Rolle bei den Anschlägen auf die Nord-Stream-Gaspipelines im Herbst 2022 gespielt zu haben. Der ukrainische Staatsangehörige soll sich an Bord eines Boots mit dem Namen "Andromeda" befunden haben, das Taucher in die Nähe der Pipelines brachte. Ermittler der Bundesanwaltschaft gingen davon aus, dass er nicht zu den Tauchern gehörte, die am Meeresgrund Sprengsätze an den Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 platzierten. Vielmehr soll er eher eine koordinierende Funktion innegehabt haben. Die Sprengsätze waren am 26. September 2022 detoniert. Dabei waren die beiden Pipelines massiv beschädigt worden, an drei der insgesamt vier Leitungen wurden Lecks entdeckt. Der Anschlag gilt als der größte Sabotageakt in der Geschichte Europas. Allerdings war zuvor schon kein Gas mehr durch die Leitungen geflossen. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 hatte Russland seine Lieferungen nach Deutschland schrittweise gedrosselt und später völlig eingestellt – angeblich wegen technischer Probleme. Die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 war mit Kriegsbeginn gestoppt worden. Was bislang über den ehemaligen Agenten des ukrainischen Geheimdienstes und mutmaßlichen Drahtzieher Serhij K. bekannt ist, lesen Sie hier .