Iran-Krieg: Syrien lehnt Trumps Idee für Kampf gegen Hisbollah ab

Datum22.06.2026 02:00

Quellewww.spiegel.de

TLDRSyriens Übergangspräsident al-Sharaa lehnt Donald Trumps Vorschlag ab, dass Syrien militärisch gegen die Hisbollah im Libanon vorgehen soll. Stattdessen betont al-Sharaa die Notwendigkeit wirtschaftlicher und politischer Lösungen für den Konflikt und die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Syrien und dem Libanon. Er sei bereit, Gespräche mit der Hisbollah zu führen, wenn dies den Interessen beider Länder diene.

InhaltDer Umgang mit der Hisbollah ist ein Knackpunkt im aktuellen Nahostkonflikt. Donald Trump hatte zuletzt über ein syrisches Eingreifen sinniert. Doch Staatschef Ahmed al-Sharaa winkt ab. Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa hat einen Vorschlag von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, wonach das syrische Militär im Nachbarland Libanon gegen die proiranische Hisbollah vorgehen könnte. "Wir suchen nach wirtschaftlichen Verbindungen zwischen dem Libanon und Syrien, nicht nach militärischen", sagte al-Sharaa in einem am Sonntag vom Sender al-Maschhad ausgestrahlten Interview. Trump hatte kürzlich vorgeschlagen, dass Syrien die Bekämpfung der von Iran finanzierten Hisbollah-Miliz im Libanon übernehmen könnte. Falls Israel nicht mit der Hisbollah fertig werde, "ohne alle zu töten", dann werde al-Sharaa diese Aufgabe übernehmen, sagte Trump am Dienstag am Rande des G7-Gipfels im französischen Evian. Damaskus habe gegenüber Washington bekräftigt, "dass der Krieg beendet werden muss", sagte der islamistische Übergangspräsident al-Sharaa, wobei er sich auf die Gefechte zwischen Israel und der Hisbollah bezog. Dabei müsse es "verschiedene Lösungen geben, darunter wirtschaftliche, politische und soziale, sowie die Wiederaufnahme der Beziehungen und der lebenswichtigen wirtschaftlichen Verbindung zwischen Syrien und dem Libanon". Überdies seien "einige Sicherheitsmaßnahmen" erforderlich, "die in erster Linie den Bedenken Syriens und des Libanon, aber auch denen Israels Rechnung tragen", sagte al-Sharaa. Die von Iran finanzierte Hisbollah zählte zu den wichtigsten Verbündeten des gestürzten Baschar al-Assad. Syriens Ex-Machthaber spielte lange Zeit eine strategische Rolle für Teheran, insbesondere bei ungehinderten Waffenlieferungen an die Hisbollah. Seit Assads Sturz durch islamistische Milizen 2024 unter der Führung von al-Sharaas HTS wurde die Hisbollah zunehmend aus Syrien verdrängt. Allerdings ist sie im Nachbarland Libanon noch immer einflussreich. Die Miliz zog den Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Irankrieg hinein. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor. Am Mittwoch hatten Iran und die USA ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geschlossen. Dieses sieht eine sofortige Waffenruhe für die gesamte Region einschließlich des Libanon vor. Allerdings waren Israel und die Hisbollah an dem Abkommen nicht beteiligt. Am Freitag einigten sich Israel und die Hisbollah nach US-Angaben zwar auf eine Waffenruhe, die am selben Tag in Kraft trat (mehr hier). Beide Seiten warfen sich am Samstag jedoch gegenseitig Verstöße vor. Am Sonntag gab es dann aber keine Berichte über neue israelische Angriffe im Libanon oder Gefechte zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Syrien sei "sehr besorgt über die innenpolitische Lage im Libanon", sagte al-Sharaa nun im Interview. "Denn die Sicherheit und Stabilität des Libanon sind Teil der Sicherheit und Stabilität Syriens." Auf die Frage, ob er sich mit der Hisbollah an einen Tisch setzen würde, antwortete er: "Wenn dies den Interessen des Libanon dient und die Interessen Syriens wahrt, warum nicht?"