JD Vance spricht von Fortschritt, Trump droht mit Gewalt

Datum21.06.2026 19:45

Quellewww.spiegel.de

TLDRWährend USA und Iran in der Schweiz über ein Friedensabkommen verhandeln, droht US-Präsident Trump erneut mit militärischer Gewalt gegen den Iran, falls dieser nicht die Hisbollah kontrolliert. Der iranische Chefunterhändler Ghalibaf weist die Drohungen zurück und kündigt Vergeltung an. Zuvor hatte US-Vizepräsident Vance optimistisch von Fortschritten gesprochen. Die Verhandlungen werden von fortlaufenden Kämpfen im Libanon überschattet.

InhaltIran und die USA verhandeln in der Schweiz über ein Ende der Kämpfe. Dann schaltet sich der amerikanische Präsident ein und von der Diplomatie ist wenig übrig Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf hat sich nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump derartige Äußerungen gegen sein Land verbeten. "Wir schenken amerikanischen Drohungen keine Beachtung", erklärte Ghalibaf am Sonntag im Onlinedienst X. Zuvor hatte Trump gedroht, Iran erneut anzugreifen, sollte dieser nicht die mit ihm verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon unter Kontrolle halten. Ghalibaf erklärte dazu: "Sie täten gut daran, mit ihren Äußerungen vorsichtig zu sein." Die Streitkräfte der Islamischen Republik seien "bereit, auf andere Weise darauf zu reagieren". Der Chefunterhändler und Parlamentspräsident warnte: "Ganz gleich, was sie sagen – wir sind diejenigen, die handeln." Fast vier Monate nach Beginn des Irankriegs hatten am Sonntag in einem Schweizer Luxushotel Verhandlungen zwischen den USA und Iran über ein endgültiges Friedensabkommen begonnen. Für die US-Seite nahmen Vizepräsident JD Vance, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teil. Der iranischen Verhandlungsdelegation gehörte neben Ghalibaf Außenminister Abbas Araghchi an. Kurz nach Beginn der Verhandlungen in der Schweiz hatte Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social gewarnt: "Iran muss unverzüglich verhindern, dass seine hochbezahlten, an ihn angeschlossenen Gruppen im Libanon Probleme verursachen." "Wenn sie das nicht tun, werden wir Iran erneut sehr hart angreifen, so wie wir es letzte Woche getan haben, wenn nicht noch härter", drohte der US-Präsident. Die von Iran finanzierte Hisbollah-Miliz hatte sich in den vergangenen Tagen heftige Gefechte mit der israelischen Armee geliefert. Dem Sender Fox News soll Trump am Sonntag außerdem gesagt haben, er habe Iran wegen der Straße von Hormus eine dringende Warnung übermittelt. "Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr", wurde Trump von Fox News zitiert. "Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurückkehren können." Am Mittwoch hatten Iran und die USA ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geschlossen. Dieses sieht eine sofortige Waffenruhe für die gesamte Region einschließlich des Libanon vor. Allerdings waren Israel und die Hisbollah an dem Abkommen nicht beteiligt. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim hat die iranische Delegation in der Schweiz Protest gegen die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump eingelegt. Dem englischsprachigen Staatssender Press TV zufolge prüfe die iranische Abordnung nun eine angemessene Reaktion darauf. Laut Tasnim gelten auch Drohungen im Rahmen des Abkommens zwischen den USA und dem Iran als Verstoß, der Teheran zu einer Reaktion berechtigt. Tatsächlich verpflichten sich beide in der Vereinbarung, auf Angriffe und Drohungen zu verzichten. Zu Beginn der Verhandlungen und bevor Trump sich äußerte hatte US-Vizepräsident JD Vance am Sonntag zunächst eine Neujustierung der Beziehungen zu Iran in Aussicht gestellt. "Der Präsident hat uns aufgefordert, ein neues Kapitel aufzuschlagen und unser Verhältnis zum iranischen Volk neu auszurichten", sagte Vance unter Bezug auf US-Präsident Donald Trump. "Allein in den vergangenen Stunden haben wir bereits große Fortschritte erzielt, und ich gehe davon aus, dass wir weitere Fortschritte machen werden." Die erste Gesprächsrunde im schweizerischen Luxusresort Bürgenstock startete nach Angaben des Vermittlers Katar am Sonntagnachmittag. Dabei seien neben Vertretern aus den USA und dem Iran auch Delegationen der vermittelnden Länder Pakistan und Katar vertreten gewesen. Neben Vance seien der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff in der Schweiz dabei. Sie kümmerten sich um technische Aspekte dieser Verhandlungen, so Vance. Der Auftakt der Verhandlungen wurde nicht nur durch Trumps Drohungen sondern auch durch anhaltende Kämpfe zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon überschattet. Bei israelischen Angriffen in der Bekaa-Ebene und in der Hafenstadt Tyrus seien sieben Menschen getötet worden, darunter ein Kind, eine Frau und zwei ältere Menschen, berichtete die libanesische Staatsagentur NNA. Eine endgültige Vereinbarung, auch zum Umgang mit Teherans umstrittenem Atomprogramm, soll dem Rahmenabkommen zufolge innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden.