Brasilien: Neue Festnahmen nach tödlichem Rope-Jumping-Sturz von Brücke

Datum21.06.2026 19:34

Quellewww.spiegel.de

TLDRNach dem tödlichen Absprung einer jungen Frau beim Rope-Jumping in Brasilien wurden drei Organisatoren festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, digitale Beweismittel, insbesondere die Kamera des Opfers, manipuliert zu haben. Die Ermittler prüfen, ob der Tod in Kauf genommen wurde und ob die Prozessführung manipuliert wurde.

InhaltSie sollen digitale Beweismittel manipuliert haben: Nach dem tödlichen Unfall, bei dem eine junge Frau ohne Sicherungsseil in den Tod geworfen wurde, haben die brasilianischen Behörden weitere Verdächtige festgenommen. Eine Woche nach dem tödlichen Rope-Jumping-Unfall einer jungen Frau in Brasilien hat die Polizei drei weitere Verdächtige festgenommen. "Im Verlauf der Ermittlungen wurden Hinweise auf eine mögliche Unterdrückung von für die Ermittlungen relevanten Beweisen zusammengetragen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschwinden des von dem Opfer beim Sprung verwendeten Aufnahmegeräts", teilte die ermittelnde Polizeichefin Andréa Levy mit. Nach Angaben der Polizei gehören die Festgenommenen zum Team, das für die Organisation und Durchführung des Sprungs verantwortlich gewesen sein soll. Gegen die drei Verdächtigen – eine 29-jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren – wurden befristete Haftbefehle für zunächst fünf Tage erlassen. Zudem genehmigte ein Gericht Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Mobiltelefonen, elektronischen Geräten und weiteren Beweismitteln. Die Ermittler erklärten, es gebe Hinweise darauf, dass nach dem Unglück möglicherweise digitale Inhalte gelöscht worden seien. Sie ermitteln wegen des Verdachts, dass die Verantwortlichen den Tod der Frau bewusst in Kauf genommen haben könnten. Zudem prüfen die Behörden den Verdacht einer möglichen Prozessmanipulation. Die junge Frau war am 13. Juni von der stillgelegten Ponte do Esqueleto zwischen den Städten Limeira und Cordeirópolis im Bundesstaat São Paulo rund 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Mitarbeiter des Veranstalterteams sie von der Absprungplattform stoßen, obwohl das Sicherungsseil unbefestigt auf der Plattform liegen geblieben war. Die drei Instruktoren, die am Unfalltag festgenommen worden waren, befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das Team konnte bislang nicht erklären, wie es zu dem tödlichen Fehler kam. Zwei der Beschuldigten räumten bei ihren Vernehmungen laut dem Nachrichtenportal "G1"  ein, für die Vorbereitung der Seile verantwortlich gewesen zu sein. Sie konnten die Aufgabenverteilung innerhalb des Teams jedoch nicht näher erläutern. Die Polizei sucht weiterhin nach der Kamera, die die 21-Jährige beim Sprung bei sich getragen hatte. Das Gerät gilt als wichtiger Baustein zur Rekonstruktion des Geschehens, hieß es. Ein Augenzeuge berichtete, er habe nach dem Aufprall beobachtet, wie ein Mitarbeiter des Veranstalterteams die Kamera vom Körper der Verunglückten entfernt habe. "Die erste Szene, an die ich mich erinnere, als ich das Mädchen am Boden sah, war ein Mitarbeiter, der die GoPro-Kamera vom Halsriemen des bereits am Boden liegenden Körpers abnahm, besorgt um die Ausrüstung oder um Beweise zu verbergen", zitierte "G1" Rafael Goulart. Der Anwalt der Beschuldigten kündigte einen Antrag auf Freilassung seiner Mandanten an. Diese hätten weder die Absicht gehabt, den Tod der Frau herbeizuführen, noch das Risiko eines tödlichen Ausgangs bewusst in Kauf genommen, erklärte er. Rope-Jumping ist ein Extremsport, bei dem Teilnehmer mit statischen Seilen in die Tiefe springen. Anders als beim Bungee-Jumping wird der Sturz durch eine Pendelbewegung abgefangen. Die Sportart ist in Brasilien nicht speziell reguliert. Nach dem Unglück wird über einen Abriss der stillgelegten Brücke diskutiert.