Datum21.06.2026 19:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRAlba Berlin hat zum zwölften Mal die deutsche Basketballmeisterschaft gewonnen und den Topfavoriten Bayern München im fünften Finalspiel mit 84:81 besiegt. Dank einer beeindruckenden Aufholjagd im zweiten Durchgang, bei der ein 20-Punkte-Rückstand wettgemacht wurde, sicherten sich die Berliner den Titel. Für Bayern-Trainer Svetislav Pešić endet seine letzte Saison ohne Trophäe. Das Spiel war von einer überraschenden Leistungssteigerung Berlins und einer Schwächephase der Münchner geprägt.
InhaltZum zwölften Mal ist Alba Berlin deutscher Basketballmeister geworden. Im entscheidenden fünften Finale gegen Titelverteidiger Bayern München endet damit die Erfolgskarriere von Trainerlegende Pešić enttäuschend. Topfavorit Bayern München muss den Meistertitel abgeben. Dank einer atemberaubenden Aufholjagd gewann Alba Berlin Spiel fünf der Finalserie auswärts beim Titelverteidiger mit 84:81 (27:47). Alba feierte nicht nur den zwölften Meistertitel, sondern vermieste Bayerns Trainer-Veteran Svetislav Pešić in dessen letztem Spiel vor der Basketball-Rente auch noch den letzten Pokal. Während für die Münchner eine Saison zum Vergessen ohne Titel endet, sind die "Albatrosse" die große Überraschung. 20 Punkte lag Berlin zur Halbzeit zurück, ehe die Aufholjagd losging. Angeführt von den Präzisionsschützen Jonas Mattisseck und Justin Bean (jeweils 18 Punkte) kämpften sich die Gäste tatsächlich zum Happy End. "Es ist superschwer, das in Worte zu fassen", sagte Jonas Mattisseck bei Dyn. "In so einem Spiel, zur Halbzeit mit 20 Punkten zurückzuliegen und dann zurückzukommen, das kann ich nicht beschreiben. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat." Dass es überhaupt zum Showdown kam, lag an einer kapitalen Schwächephase der Bayern in Partie Nummer vier: Am Freitag führten die Münchner in Berlin noch im dritten Viertel mit zehn Punkten, die erfolgreiche Titelverteidigung war nah. Dann aber kassierten die Gäste einen schier unglaublichen 2:26-Lauf von Alba und verloren am Ende mit 61:71. Nur einmal gelangen dem deutschen Branchen-Primus in der Saison so wenig Punkte – im Oktober ebenfalls in Berlin. Woran das lag, konnte Trainer Pešić nicht erklären. "Ich habe bisher in meiner Zeit bei den Bayern noch nie diese Situation gehabt, dass wir unser Konzept verloren haben", sagte er. "Wir haben komplett den Faden verloren", schilderte Welt- und Europameister Justus Hollatz bei Dyn. "Wir haben uns zu sehr in die Spirale reinlaufen lassen und sind dann nicht mehr rausgekommen." Alba witterte indes die Chance auf den großen Coup. "Wir müssen jetzt den Sack zumachen", forderte Flügelspieler Michael Rataj. Wie man in Bayern feiert, das wissen die Berliner eigentlich: Ihre bis dato letzten drei Meisterschaften 2020, 2021 und 2022 gewannen die Hauptstädter jeweils auswärts in München. Von großer Partylaune war bei den Gästen und den mitgereisten Fans vor der Pause nichts zu spüren. Nach einem 20:25 im ersten Viertel erlebte Alba einen ähnlichen Einbruch wie zwei Tage zuvor die Bayern, ganze sieben Zähler brachte das Team von Coach Pedro Calles im zweiten Abschnitt zustande. Das bestraften die Bayern und bauten ihre Führung auf 20 Punkte aus. Dabei ließen die Gastgeber etliche Chancen auf einen noch größeren Vorsprung liegen. Münchens Pešić tigerte in seiner Coaching-Zone auf und ab, auch im letzten Spiel seiner langen Trainerkarriere war der Serbe mit voller Energie dabei. Über dessen Nachfolge war in dieser Woche ein heftiger Streit entbrannt: Die Bayern buhlen um Anton Gavel aus Bamberg, auch der frühere Münchner Profi will. Weil dem Vernehmen nach aber Bayern keine Ablösesumme bezahlen möchte, reichte der Trainer die Kündigung in Franken wegen eines Formfehlers bei seinem noch bis 2027 laufenden Kontrakt ein. Vereinsmäzen Michael Stoschek zürnte und kritisierte Gavel sowie die Bayern hart. Bambergs Geschäftsführer Philipp Höhne pocht beschwichtigend auf "eine faire Lösung für alle Seiten". Die Bayern schwiegen zuletzt zu dem Thema. In der Halbzeitpause von Spiel fünf sagte Vereinspatron Uli Hoeneß dann bei Dyn, dass er zwar nicht involviert sei. Er klang aber entspannt. "Ich persönlich glaube, dass wir nächstes Jahr den Anton Gavel hier als Trainer haben." Diese Entspannung wich, als Bayern wie schon in Spiel vier plötzlich gar nichts mehr gelang und die Berliner Punkt um Punkt aufholten. Sieben Minuten vor Schluss ging Alba dann sogar in Führung (67:66). Es kam zur Zitterpartie im Finish – mit dem besseren Ende für Berlin.