Datum21.06.2026 11:12
Quellewww.zeit.de
TLDRAlexander Zverev ist vor Wimbledon gesundheitlich angeschlagen. Nach einer schweißtreibenden Halbfinalniederlage in Halle klagte er über Rückenprobleme und gravierende Schwierigkeiten mit seinen Blutzuckerwerten, bedingt durch eine Fehlfunktion seines Sensors. Trotzdem blickt Zverev optimistisch auf Wimbledon und ist zuversichtlich, dass er dort sein gutes Rasentennis zeigen kann.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Tennis“. Lesen Sie jetzt „Zuckerwerte, Rücken, Hitze: Sorgen um Zverev vor Wimbledon“. Mit hängenden Schultern und Sorgen um seine Zuckerwerte verließ Alexander Zverev eine gute Woche vor dem Start in Wimbledon den Centre Court von Halle. Erneut hatte der French-Open-Sieger gesundheitliche Schwierigkeiten und war nach einer zweieinhalbstündigen Hitzeschlacht fix und fertig. Doch nur eine Stunde nach dem knapp verlorenen Halbfinale gegen seinen US-Angstgegner Taylor Fritz wirkte er vor dem Spielerhotel schon wieder zuversichtlich und dachte an den anstehenden Rasen-Klassiker in London. "Ich habe gekämpft und alles gegeben", betonte Zverev nach dem 7:6 (7:4), 4:6, 5:7 und erklärte seine Philosophie des ewigen Einzelkämpfers: "Im Tennis braucht man ein kurzes Gedächtnis, weil das nächste Turnier immer schon nächste Woche ist – und jetzt ist das Wimbledon." Fritz, der am Sonntag im Finale auf seinen amerikanischen Landsmann Frances Tiafoe traf, bekam die Probleme auf dem Rasenplatz mit. Der Weltranglisten-Neunte wusste aber nicht genau, was los war. "Ich hatte das Gefühl, dass es mir besser geht als ihm", sagte Fritz und nutzte das aus. Tiafoe ließ Daniel Altmaier danach beim 6:1, 6:3 keine Chance. Zverev ist Typ-1-Diabetiker und trägt einen Sensor, der kontinuierlich seinen Blutzucker misst. Am Samstag fuhren seine Werte Achterbahn. "Vor dem Match hat der Sensor fälschlicherweise extrem hohen Zucker angezeigt, so dass ich viel zu viel Insulin gespritzt habe", berichtete der 29-Jährige. "In den ersten 45 Minuten des Matches musste ich deshalb knapp 350 Gramm Zucker zu mir nehmen, weil ich sonst unterzuckert gewesen wäre." Er habe "ein Glukose-Gel nach dem anderen getrunken, so dass ich am Ende auf mehr als 300 Gramm Zucker kam. Das ist, als ob man während eines Matches dreieinhalb Liter Cola trinkt – ich habe mich scheußlich gefühlt." Nach seinem French-Open-Triumph in Paris fiel die Vorbereitung auf Wimbledon nicht gerade optimal aus: eine schwierige Umstellung vom Sandplatz aufs Rasentennis, Blutzucker- und Rückenprobleme im Halbfinale und die siebte Niederlage nacheinander gegen Fritz. Zverev konnte so den Titel in Westfalen auch im zehnten Anlauf nicht gewinnen. Trotzdem war seine Laune gar nicht so schlecht: "Ich finde, dass ich hier relativ gutes Rasentennis gezeigt habe, und das ist die Hauptsache für mich – alles andere ist im Moment egal." Nach zuvor insgesamt zehn Siegen in Serie schien sich im Halbfinale von Halle alles gegen ihn verschworen zu haben: Bei einer Behandlungsunterbrechung nach 40 Minuten musste ihm der Rücken wieder eingerenkt werden – aber noch schlimmer waren die Probleme mit seinen Zuckerwerten. Nachdem er den ersten Satz trotzdem im Tiebreak gewonnen hatte, verlor er die nächsten beiden Sätze jeweils nach großem Kampf. "Ich bin enttäuscht, weil ich finde, dass mein Tennis zwar da war, ich aber physisch nicht in der Lage war, es zu zeigen." Und das habe diesmal leider am Zucker gelegen. Deswegen macht sich Zverev jetzt auch keine Sorgen um Wimbledon. Seit neun Jahren habe er den Sensor, aber solch falsche Werte habe der noch nie angezeigt. Zverev fokussiert sich ab sofort auf die positiven Signale seiner Woche in Halle: "Ich finde, dass ich mich auf Rasen gut gefunden habe – das kann ich hoffentlich auch in Wimbledon zeigen." © dpa-infocom, dpa:260621-930-257569/1