Datum21.06.2026 09:54
Quellewww.zeit.de
TLDRDIW-Präsident Fratzscher hält die Vorschläge der Rentenkommission für unzureichend, da sie grundlegende Probleme wie Altersarmut und die Belastung junger Generationen nicht lösen. Zwar erkennt er gute Ansätze wie ein höheres Renteneintrittsalter an, fordert aber Nachbesserungen. Die Politik müsse die Entscheidungen treffen, um die Grundrente zu stärken, größere Einkommen und Vermögen stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung nachhaltiger zu gestalten.
InhaltLaut Ökonom Marcel Fratzscher fehlen den Plänen der Rentenkommission "Mut und Koseuenz". Probleme wie Altersarmut und Belastungen für Jüngere blieben ungelöst. Der Ökonom Marcel Fratzscher hat die Vorschläge der Rentenkommission als nicht ausreichend eingeschätzt, um die gesetzliche Alterssicherung zu stabilisieren. "Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Rheinischen Post laut einer Vorabmitteilung. Den Reformvorschlägen fehle es an "Mut und Konsequenz". An den "drei größten Problemen: der hohen Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit" würden die Vorschläge nichts Grundlegendes ändern. Zugleich sehe Fratzscher in den Reformvorschlägen "viele kluge und richtige Elemente", etwa das höhere Renteneintrittsalter, die kapitalgedeckte Zusatzrente und weniger Frühverrentungen. Fratzscher fordert Nachbesserungen vonseiten der Regierung. Die Rentenkommission mache lediglich Vorschläge, die Politik müsse die Entscheidungen treffen, sagte der Ökonom. Ziel müsse sein, "vor allem die Grundrente zu stärken und armutsfester zu machen, große Einkommen und Vermögen im Alter stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung auf nachhaltigere Füße zu stellen", sagte Fratzscher. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission will am Dienstag ihre Vorschläge zur künftigen Ausgestaltung der Alterssicherung in Deutschland präsentieren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Kommissionskreisen, gehören dazu die weitere Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre etwa ab den 2090er-Jahren, die Abschaffung der ungekürzten Rente ab 63 und die Einführung einer kapitalgedeckten Säule nach schwedischem Vorbild. Mehrere Medien hatten über insgesamt 30 Einzelvorschläge der Kommission berichtet. Konkret sollen demnach beispielsweise künftig auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete – und damit mehr Menschen als bislang – in die Rentenversicherung einzahlen. Die Rentenkommission empfiehlt demnach außerdem die Abschaffung der von Rentenbeiträgen befreiten Minijobs.