Datum20.06.2026 13:18
Quellewww.zeit.de
TLDRWirtschaftsweisen fordern eine Rentenreform. Sie schlagen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters, gekoppelt an die Lebenserwartung, vor. Statt der Lohnentwicklung sollen Renten künftig an die Inflation gebunden werden. Zudem wird Betriebsrenten als Ergänzung zur gesetzlichen Rente, unter Anrechnung auf Lohnsteigerungen, eine wichtige Rolle zugeschrieben. Auch die Überprüfung von Anspruchsvoraussetzungen für Zusatzleistungen wird thematisiert. Die Rentenkommission wird demnächst ihre Vorschläge präsentieren.
InhaltKurz vor Veröffentlichung der Ergebnisse der Rentenkommission schlagen Ökonominnen Änderungen vor: Renten sollten etwa nicht mehr so stark steigen wie die Löhne. Die Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer und Gabriel Felbermayr haben Vorschläge für die anstehende Rentenreform gemacht. Schnitzer forderte in einem Spiegel-Interview eine Erhöhung des Renteneintrittsalters sowie die Rücknahme der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren. Außerdem sollten die Renten nicht mehr so stark steigen wie die Löhne, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Auch der Wirtschaftsweise Felbermayr schlug Änderungen vor. Das Renteneintrittsalter sollte an die Lebenserwartung gekoppelt werden, sagte der Ökonom dem Nachrichtenportal t-online. Die jährliche Erhöhung der Rentenbezüge will er von der Inflation abhängig machen statt der durchschnittlichen Lohnentwicklung. "Wenn wir alle im Schnitt ein Jahr länger leben, dann sollten wir von diesem einen Jahr einen Teil auch länger arbeiten", sagte Felbermayr, der dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seit März angehört. Viele Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) handhabten das schon so. "Deutschland sollte das auch tun, weil es fair und logisch ist." Die Rentenerhöhung an die Entwicklung der Preise, statt die der Löhne zu binden, begründet der Wirtschaftswissenschaftler mit Kosteneinsparungen. Löhne stiegen in der Regel schneller als Preise, sagte Felbermayr. Die Änderung sei fair, "schließlich verliert so kein Rentner an Kaufkraft". Die Wirtschaftsweise Schnitzer bezeichnete zudem Betriebsrenten gegenüber dem Spiegel als "sinnvolle Absicherung neben der gesetzlichen Rente" – solange durch diese nicht die Lohnkosten steigen würden. Die Beteiligung der Arbeitgeber an der Betriebsrente könnte laut Schnitzer etwa mit geringeren Lohnsteigerungen einhergehen. Yasmin Fahimi, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, hatte zuletzt eine verpflichtende Betriebsrente vorgeschlagen. "Wichtig wäre zudem, dass Arbeitnehmer die Betriebsrente bei einem Jobwechsel ohne Einbußen mitnehmen könnten", sagte die Ökonomin Schnitzer. Das sei bisher nicht immer möglich, das neue Betriebsrentengesetz gehe hier aber in die richtige Richtung. Der Wirtschaftsweise Felbermayr plädiert außerdem dafür, intensiver zu prüfen, ob jemand wirklich bedürftig ist und Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie beispielsweise die Hinterbliebenenrente hat. "Muss die tatsächlich jemand bekommen, der fünf Eigentumswohnungen besitzt", sagte der Ökonom. Die Rentenkommission der Bundesregierung will am kommenden Dienstag ihre Vorschläge für die Rentenreform vorlegen. Der fünfköpfige Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät die Bundesregierung generell in wirtschaftswissenschaftlichen Themen. Er veröffentlicht bis Mitte November ein Jahresgutachten und Mitte Mai ein Frühjahrsgutachten mit einer aktualisierten Konjunkturprognose.