Datum20.06.2026 13:12
Quellewww.zeit.de
TLDRJan van Aken sieht die Linke auf dem Weg zur Volkspartei mit 20% Potenzial, da viele ihrer Forderungen breite Zustimmung finden. In seiner Abschiedsrede betonte er diese Vision, bevor er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner würdigte seinen "revolutionären Optimismus". Aktuell richtet die Partei ihre politische Linie neu aus und hat rund 126.000 Mitglieder.
Inhalt"So viele Menschen wollen das, was wir auch wollen", sagt der Linken-Vorsitzende in seiner Abschiedsrede. Ines Schwerdtner würdigt van Akens "revolutionären Optimismus". Der scheidende Vorsitzende Jan van Aken sieht die Linke auf dem Weg zur Volkspartei mit einem Potenzial von 20 Prozent der Wählerstimmen. Forderungen nach einer Vermögensteuer, einem Mietendeckel oder der Rente ab 65 hätten nicht nur bei der Linken, sondern auch in der Bevölkerung breite Unterstützung, sagte van Aken in seiner Abschiedsrede auf dem Parteitag in Potsdam. "So viele Menschen hier in Deutschland wollen das, was wir auch wollen", sagte der 65-Jährige. "Und wisst ihr was: Früher nannte man so etwas Volkspartei. Ja, das ist meine Vision für die Linke: eine sozialistische Volkspartei hier in Deutschland." Van Aken hatte aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug vom Parteivorsitz angekündigt. Bundestagsfraktionsvize Luigi Pantisano kandidiert für seine Nachfolge. Die Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner will sich im Amt bestätigen lassen. Sie war gemeinsam mit van Aken 2024 gewählt worden. Schwerdtner würdigte van Aken in einer emotionalen Abschiedsrede. Als van Aken trotz schwacher Umfragewerte vor der Bundestagswahl ein Wahlergebnis von sieben Prozent vorhersagte, habe sie gedacht: "Ich muss dich killen." Tatsächlich erreichte die Partei 2025 dann 8,8 Prozent. "Ohne deinen revolutionären Optimismus, ohne deine verrückten Ideen hätten wir es nicht geschafft", sagte Schwerdtner. Sie sei aber froh, dass nicht alle Ideen van Akens umgesetzt worden seien. "Er hat sich zum Glück nicht nackt vom Brandenburger Tor hängen lassen – auch das war eine Option, als wir ganz am Boden waren." Bei dem dreitägigen Parteitag handelt die Linke ihre politische Linie neu aus, nachdem sie in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. So wurde am Freitag etwa beschlossen, Israels Krieg im Gazastreifen als "Völkermord" zu bezeichnen. Die Linke hat inzwischen rund 126.000 Mitglieder. Von den gut 500 Delegierten sind etwa die Hälfte Neumitglieder aus der Zeit nach 2023.