Datum20.06.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Kinderschutzambulanz in Potsdam hat seit ihrer Eröffnung im April über 30 Kinder untersucht, bei denen ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestand. Seit Jahresbeginn gab es 64 bestätigte Fälle. Die geschützten Räume sollen Kindern bei Untersuchungen nach Misshandlung oder Missbrauch helfen. Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten fehlt die direkte Überweisungsmöglichkeit, sie sind auf das Jugendamt angewiesen. Weitere Kinderschutzambulanzen entstehen in Brandenburg.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Verdacht auf Gewalt“. Lesen Sie jetzt „Kinderschutzambulanz: Über 30 Kinder in Potsdam untersucht“. Die erste Kinderschutzambulanz Brandenburgs in Potsdam zieht nach den ersten Monaten ihrer Arbeit eine positive Bilanz. "Wir haben nun etablierte Strukturen, auf die wir zur medizinischen Bewertung von Kindeswohlgefährdung zurückgreifen können", sagt Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Ernst von Bergmann. Wenn Kinder womöglich misshandelt oder missbraucht worden sind, können sie in einem geschützten Raum der Kinderschutzambulanz untersucht werden. Spielzeug, Bücher und etwa ein Puppenhaus sollen es dem Kind leichter machen. Seit Jahresbeginn seien 64 bestätigte Fälle von Kindeswohlgefährdung in der Kinder- und Jugendklinik dokumentiert worden (Stichtag 15. Juni), heißt es von der Potsdamer Klinik. 31 Kinder davon wurden über die Kinderschutzambulanz begutachtet. Anfang 2026 hatte die Ambulanz laut dem Klinikum ihre Arbeit aufgenommen. Eröffnet wurde sie jedoch erst am 15. April in Anwesenheit von Gesundheitsminister René Wilke (SPD) und Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU). "Von den niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten wissen wir, dass auch sie glücklich über die Einrichtung unserer Kinderschutzambulanz sind", so Chefärztin Degenhardt weiter. "Sie würden es aber begrüßen, direkt an die Kinderschutzambulanz überweisen zu können, also ohne den Umweg über das Jugendamt nehmen zu müssen." Zugewiesen werden die betroffenen Kinder den Ambulanzen bislang durch das Jugendamt - beispielsweise nach Hinweisen aus Kitas, Schulen oder von Kinderärzten. Neben Potsdam gibt es zwei weitere Kinderschutzambulanzen in Brandenburg: Seit Anfang April arbeitet in Eberswalde im Landkreis Barnim eine solche Ambulanz am GLG Werner Forßmann Klinikum. Die Kinderschutzambulanz in Lauchhammer (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) hat am 1. Juni eröffnet. Bis Ende Juni soll dem Gesundheitsministerium zufolge Frankfurt (Oder) folgen. Cottbus plant die Eröffnung bis zum Jahresende. Auch in Neuruppin könnte es eine Kinderschutzambulanz geben - wann genau ist den Angaben zufolge aber noch nicht klar. © dpa-infocom, dpa:260620-930-252968/1