Datum19.06.2026 16:52
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Fußballabend bringt ein spannendes Spiel zwischen den USA und Australien, bei dem die Wade von Starspieler Pulisic für Sorgen sorgt. Johan Manzambi von der Schweiz beeindruckt und könnte einen Millionen-Transfer anstreben. Das Stadion in Seattle wird als architektonisch ungewöhnlich und laut beschrieben. Haiti kämpft sich trotz interner Krisen zur WM und hofft, junge Leute von Gangs fernzuhalten. Die schottische Hymne "Flower of Scotland" erzählt von ihrem Freiheitskampf gegen England. Zudem werden Werbepausen und eine Knochenbruch-Verletzung thematisiert.
InhaltJohan Manzambi macht die Schweiz und seinen Agenten glücklich. Eine Wade macht Sorgen, und die USA spielen im lustigsten Stadion der WM. So wird der Fußballabend. USA gegen Australien. Nicht nur die politischen Fronten sind in den Vereinigten Staaten verhärtet, sondern auch die Wade von Christian Pulisic. Der Stürmer ist seit Jahren die große (um nicht zu sagen einzige) Hoffnung des US-Fußballs, der eine Spieler, der so was wie eine Weltkarriere hinlegt. Immerhin spielte er mal bei Dortmund! Im Auftaktspiel seines Teams gegen Paraguay lieferte Pulisic eine Halbzeit lang ab, wurde dann jedoch ausgewechselt. Verhärtung im linken Unterschenkel, reine Vorsichtsmaßnahme. Trotzdem blickt die neu begründete Fußballnation USA vor der Partie gegen Australien mit Sorge auf Pulisic und dessen Wade. Zumal auch die Australier ihr erstes Spiel gewonnen haben, es geht also schon um den Gruppensieg. Den hat Mexiko nach dem Sieg gegen Südkorea in Gruppe A ebenfalls sicher. Und spätestens damit ist er auch für die USA Pflicht. Der Agent von Johan Manzambi. Hat sich der Mittelfeldspieler beim gestrigen 4:1 der Schweiz gegen Bosnien und Herzegowina zum 100-Millionen-Euro-Transfer hochgeschossen? Jubeln sie darüber beim SC Freiburg, wo Manzambi unter Vertrag steht? Oder trauert der fußballromantisch veranlagte Sportklub eher, weil der 20-Jährige jetzt nicht mehr zu halten ist? Thomas Müller, der während der WM neben seinen Aufgaben als Experte und Comedian für MagentaTV offenbar auch als Spielervermittler für den FC Bayern arbeitet, wollte Manzambi direkt zu seinem alten Verein belobigen. Mats Hummels unternahm einen ähnlichen, etwas kläglichen Versuch in Richtung BVB. Ganz klar: Manzambis Agent sollte besser jetzt schnell einen Deal eintüten, bevor vielleicht ein schwächeres drittes Gruppenspiel gegen Kanada den Marktwert wieder nach unten drücken kann. David Murphy. Ende der Neunziger war der Architekt aus Seattle für die Planung jenes Stadions verantwortlich, in dem die USA heute Abend gegen Australien spielen. Sollte das wider Erwarten so langweilig werden wie das sonst dort gespielte Football, könnte man einfach 90 Minuten lang den Bau bestaunen. Wie ein aufgeschlitzter Fisch sieht das Stadion von oben aus, in bester US-Spielstättentradition bietet es kaum Schutz vor Sonne und Regen. Warum auch in Seattle, das nur 150 Regentage im Jahr hat? Highlight der Konstruktion ist aber weder die saubere Filetierung noch die besondere Akustik, die das Stadion zu einem der lautesten im US-Sport macht. Es sind die dreieckigen Zusatztribünen und verwegenen Baulücken an den Spielfeldenden, die einen verzaubern. Hat David Murphy die Planung an ein Kind im Duplo-Alter ausgesourct? Oder steckt darin eine versöhnliche Botschaft ans Publikum? Ja, man wird nass in diesem Stadion. Aber dann weht der Wind rein, und man wird auch wieder trocken. Manuel Neuer fand trotz der Vorbereitung auf das morgige Spiel gegen Côte d’Ivoire im Gespräch mit Journalisten Zeit, ein übersinnliches Phänomen zu kommentieren. Was denn nun die viel beschworene Aura sei, die ihn umgebe, wollte einer von dem Torwart wissen. Schließlich soll die ja auch eine Rolle gespielt haben bei Julian Nagelsmanns Entscheidung, Neuer zurückzuholen und den armen Oliver Baumann, der sicher kein Typ mit Minus-Aura ist, auf die Bank zu setzen. Selbst als Journalistenkollege, der schon zufrieden wäre, wenn Neuer gegen Côte d'Ivoire die Haltbaren hält und unverletzt bleibt, kann man seiner Antwort auf die Aura-Frage eine gewisse Aura nicht absprechen. "Müssen Sie jetzt sagen. Ich bin ja grad in den Raum gekommen." Sébastien Migné ist Nationaltrainer von Haiti, aber besucht hat der Franzose das Land noch nie. Von seinen Spielern läuft nur der Mittelfeldabräumer Woodensky Pierre in der heimischen Liga auf. Die WM-Qualifikation Haitis, das zum ersten Mal seit 1974 bei einer Endrunde dabei ist, bestand wegen der gefährlichen Lage im Land ausschließlich aus Auswärtsspielen. Seit zehn Jahren haben keine freien Wahlen mehr stattgefunden, mit der Ermordung von Staatspräsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 ist die politische Ordnung weitgehend zusammengebrochen und Haiti in eine tiefe humanitäre Krise gerutscht. "Wir wollen vor allem junge Leute daran erinnern, dass ihr Weg nicht in eine Gang führen muss", sagte Haitis Rekordtorschütze Duckens Nazon der BBC kurz vor Beginn der WM. "Niemand muss zur Waffe greifen. Es gibt andere Wege, die aus unserer Lage herausführen können." Heute Nacht trifft die Mannschaft auf Brasilien. Unsere hausinterne Hymnenexpertin und Autorin Christina Rietz hört sich zur WM durch die Hymnen der teilnehmenden Nationen. Im Newsletter wird sie Ihnen jeden Tag eine vorstellen. Heute: "Flower of Scotland" Eine Hymne gegen England natürlich. Nur weil man im gleichen Vereinigten Königreich gemeldet ist, muss man den englischen Erzfeind schließlich nicht mögen. Flower of Scotland ist kaum 50 Jahre alt, macht aber im Stadion so heftigen Eindruck, als würde es schon seit jener Zeit gesungen, um die es im Lied geht. 13. Jahrhundert, Freiheitskampf, die Schotten unter William Wallace (Braveheart!) gegen die Armeen Edwards. Der Wunsch der Hymne ist schlicht: Möge es bald eine neue Jugend, eine neue flower of Scotland geben, die sich gegen die englische Monarchie erhebt. Ein Aufruf zum Aufstand also. Musikalisch eigentlich eine Folkballade, beim Sport aber derartig inbrünstig gesungen, dass man die ungute Art von Gänsehaut bekommt. "Wurde hier schon thematisiert, dass die Spieler während dieser neuen Werbepausen auch mal einen Schluck trinken dürfen?"(User Hermann Ledlos macht sich – wie auch das Sportressort der ZEIT – Gedanken um Sinn und Unsinn der "hydration breaks" bei der WM.) "Es ist direkt vor der Bank passiert. Jeder konnte hören, wie der Knochen brach."(Als wären die Bilder nicht schon schlimm genug gewesen, gab Kanadas Trainer Jesse Marsch nach dem Spiel seines Teams gegen Katar auch noch ein Audio-Update zur Verletzung von Ismaël Koné.)