Datum19.06.2026 16:51
Quellewww.spiegel.de
TLDREine US-Studie in "JAMA Pediatrics" zeigt, dass Medienkonsum bei Familienessen weit verbreitet ist. 78 Prozent der Eltern nutzten während der Mahlzeit Medien, bei 69 Prozent der Kinder (4-10 Jahre) war es ähnlich. Smartphones sind hierbei bei Eltern am häufigsten. Forscher warnen, dass dies wertvolle Familienmomente beeinträchtigen und die Eltern-Kind-Beziehung belasten kann, insbesondere bei individueller Nutzung. Gemeinsame TV-Nutzung bietet hingegen Potenzial für Verbundenheit.
InhaltGemeinsam am Tisch, aber jeder auf seinem Bildschirm: Eine Umfrage unter Eltern aus den USA zeigt, wie verbreitet Mediennutzung beim Familienessen ist. Die Forschenden äußern sich besorgt über das Ergebnis. Ein gemeinsames Essen, Eltern und Kinder zusammen versammelt am Tisch, das gehört für viele Familien zum Alltag dazu. Doch die Art und Weise, wie dieses Zusammenkommen aussieht, ist unterschiedlich: bei manchen läuft der Fernseher nebenbei, bei anderen liegen Zeitung oder Buch auf dem Tisch, wieder andere haben das Handy in der Hand. Forschende haben in den USA untersucht, wie oft beim Essen Medien benutzt werden. Das Ergebnis: fast immer. Für die Untersuchung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Online-Umfrage unter Eltern und Hauptbezugspersonen von mindestens einem Kind im Alter von vier bis zehn Jahren durchgeführt. Die Eltern gaben dabei an, ob sie selbst oder das Kind bestimmte Medien während der Mahlzeiten nutzen. Am Ende werteten die Forschenden Daten von rund 360 Eltern aus. Die Ergebnisse wurden Anfang der Woche im Fachblatt "JAMA Pediatrics " veröffentlicht. Rund 78 Prozent der befragten Eltern gab dabei an, während der letzten gemeinsamen Mahlzeiten Medien genutzt zu haben. Auch auf die meisten Kinder traf das demnach zu – rund 69 Prozent hätten zuletzt Medien während der Mahlzeiten verwendet. Gängigstes Gerät war dabei jeweils das Smartphone bei den Eltern, während Kinder sich eher etwas auf dem Fernseher oder Tablet ansahen. Die Mediennutzung halte stärker Einzug in unser Leben, als uns vielleicht bewusst ist, sagte Cecilia Sada Garibay von der Univerity of Arizona, Mitautorin der Studie, dem Sender CNN . "Wenn man sein Smartphone dabei hat und es am Tisch ständig checkt, kann dies einen wertvollen Moment beeinträchtigen, den Eltern im Laufe des Tages mit ihren Kindern verbringen. Das kann sich auf die Beziehung zu den Kindern auswirken." Dabei sei auch die Art der Nutzung entscheidend. Wenn etwa der Fernseher laufe, sei es wahrscheinlicher, dass Eltern und Kinder gemeinsam dasselbe anschauen. Das biete Möglichkeiten zur Verbundenheit, die die individuelle Nutzung von Smartphones oder Tablets nicht biete, sagte Garibay. Forschungsergebnisse deuten der Forschungsgruppe zufolge darauf hin, dass Kinder, die regelmäßig gemeinsam mit der Familie essen, bessere Ernährungsgewohnheiten und ein gesteigertes Wohlbefinden aufweisen. Die Mediennutzung während Mahlzeiten gebe Anlass zur Sorge – doch es fehlten empirische Untersuchungen, wie die Geräte dabei überhaupt genutzt werden.