Kriminalität: Verbrecher auf freiem Fuß - Wenn Häftlinge fliehen

Datum19.06.2026 13:10

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel beleuchtet Häftlingsfluchten in Deutschland. Mehrere Fälle werden geschildert, darunter von Mördern, Bandendieben und psychisch kranken Straftätern. Die Fluchten geschahen teils bei begleiteten Ausgängen, Arztbesuchen oder während Transporten. In einigen Fällen waren Hilfsmittel wie Motorräder oder Komplizen beteiligt. Viele Flüchende konnten jedoch später gefasst werden, teils im Ausland. Gerichte sind zu Ausgängen verpflichtet, um Gefangene auf die Freiheit vorzubereiten.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kriminalität“. Lesen Sie jetzt „Verbrecher auf freiem Fuß - Wenn Häftlinge fliehen“. Die Flucht eines Mörders während eines begleiteten Ausgangs in Niedersachsen sorgt für Aufsehen. Der 42-Jährige schaffte es, mit seinem eigenen Motorrad zu fliehen. Nach einem Unfall in Italien liegt er im Krankenhaus. Dass verurteilte Straftäter fliehen, kommt in Deutschland nicht oft, aber immer wieder vor. Die Deutsche Presse-Agentur hat Beispiele ausgewählt:  Ein Patient aus dem Maßregelvollzug flieht während eines Arztbesuchs im hessischen Limburg, obwohl er an den Händen gefesselt ist. Die Polizei sucht nach dem Mann und setzt auch einen Hubschrauber ein. Sie bittet darum, im Raum Limburg keine Anhalter mitzunehmen und bei verdächtigen Wahrnehmungen den Notruf 110 zu wählen. Neun Tage nach der Flucht wird der Mann in Frankfurt festgenommen und zurück in die Klinik gebracht. In den Maßregelvollzug kommen Straftäter, wenn ein Gericht dies wegen einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung anordnet. Ein 28 Jahre alter Patient des Maßregelvollzugszentrums in Rotenburg (Wümme) nutzt den Transport zu einem medizinischen Termin in einem Krankenhaus zur Flucht. Als er bei der Klinik ankommt, läuft er davon und steigt zu einem 27-Jährigen in ein bereitstehendes Auto. Der Wagen fährt davon, die Polizei sucht mit einem Hubschrauber nach dem Mann. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung werden die beiden Männer festgenommen. Kurze Zeit nach der Flucht ist der 28-Jährige wieder in der Klinik.  Ein 26-Jähriger, der wegen schweren Bandendiebstahls im Gefängnis sitzt, soll aufgrund eines österreichischen Auslieferungsersuchens dem Amtsgericht Düsseldorf vorgeführt werden. In einem besonders gesicherten Haftbereich wird er in einen Besprechungsraum gebracht, um dort mit seiner Rechtsanwältin ein vertrauliches Gespräch zu führen. Beim Verlassen des Raums entkommt der Mann durch eine Seitentür in den Innenhof, überwindet einen hohen Sicherheitszaun und flieht. Aufgrund europäischer Haftbefehle wird der Flüchtige mit Fotos öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Rund zwei Monate später wird der Mann in Brüssel festgenommen. Ein 39 Jahre alter Gefangener soll von Bielefeld in ein besser gesichertes Gefängnis verlegt werden. Auf den wenigen Metern zum Gefangenen-Transporter schubst er einen Beamten weg. Er überwindet erst eine fast drei Meter hohe Absperrung dann einen ebenso hohen Zaun - später wird bekannt, dass der Mann wahrscheinlich ein Parkourläufer und damit geübt im Überwinden von Hinternissen ist. Der Mann flieht in die Türkei und landet dort im Gefängnis, wie die Polizei im August mitteilt. Zwei gewaltbereite und psychisch kranke Männer fliehen aus dem Maßregelvollzug einer Bremer Klinik. Die Polizei leitet eine Fahndung ein und empfiehlt der Bevölkerung, sich den beiden nicht zu nähern. Die Ermittler veröffentlichen Fotos und bitten die Bevölkerung um Hinweise. Wenige Tage später werden die beiden Straftäter in Frankreich festgenommen. Polizeikräfte finden die Männer am Bahnhof der französischen Stadt Lille.  Während eines genehmigten Ausgangs in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein läuft ein Gefangener davon. Justizvollzugsbeamte, die den Mann begleiten, können ihn nicht aufhalten. Eine große Suche mit Hubschrauber beginnt. Rund vier Stunden später entdeckt die Polizei den 20-Jährigen in einem Waldstück im Umkreis des Fluchtortes und nimmt ihn fest.  Ein verurteilter Vergewaltiger nutzt einen begleiteten Ausgang in Berlin zur Flucht. Der 54-Jährige saß in der Sicherungsverwahrung der Justizvollzugsanstalt Tegel. Wenige Tage nach der Flucht nimmt die Polizei den geflohenen Straftäter in Schleswig-Holstein fest. Er wird nach umfangreichen Ermittlungen im Kreis Dithmarschen gefunden. Laut Berliner Justizverwaltung wurden dem als gefährlich eingestuften Mann seit 2021 Ausgänge gewährt. Dazu seien die Strafvollzugsbehörden verfassungsrechtlich verpflichtet, auch um Betroffene auf ein geregeltes Leben in Freiheit vorzubereiten, heißt es.  Ein Gefangener der JVA Bruchsal in Baden-Württemberg entkommt bei einem Ausgang - trotz elektronischer Fußfessel und Aufsicht. Bei einem Treffen mit seiner Familie an einem Baggersee in Germersheim in Rheinland-Pfalz täuscht der 43-Jährige vor, das Spielzeugflugzeug der Kinder hinter einem Hügel zu holen und flieht in ein Waldgebiet. Die Fußfessel wird kurz darauf gefunden. Neun Monate später nehmen Zielfahnder den Mann in der südosteuropäischen Republik Moldau fest. Der Deutsch-Kasache war 2012 vom Landgericht Karlsruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest.  Ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt Mannheim in Baden-Württemberg wird nach einem Arztbesuch in Ludwigshafen von einem Komplizen befreit, der mit einer Schreckschusspistole in die Luft schießt. Die Männer fliehen auf einem Motorroller. Der Gefangene und der mutmaßliche Fluchthelfer werden rund zwei Wochen später in einem Hotel in Weinheim nahe Heidelberg festgenommen. © dpa-infocom, dpa:260619-930-249524/1