Datum19.06.2026 09:11
Quellewww.zeit.de
TLDRDas US-Militär hat erneut angeblich mit Drogen beladene Boote im Pazifik angegriffen, wobei drei Menschen getötet wurden. Seit September 2023 gibt es wiederholte Angriffe ohne handfeste Beweise. Kritiker, darunter Human Rights Watch und UN-Menschenrechtskommissar, verurteilen dies als völkerrechtswidrige "außergerichtliche Tötungen". Über 200 Tote und die Einstufung als "bewaffneter Konflikt" durch die US-Regierung sind umstritten.
InhaltDas US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut ein angeblich mit Drogen beladenes Boot angegriffen. Auch diesmal fehlen die Beweise. Auch diesmal gibt es Tote. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben ein weiteres angeblich mit Drogen beladenes Boot im östlichen Pazifik angegriffen. Bei dem Angriff am Donnerstag seien drei Menschen getötet worden, teilte das US Southern Command auf X mit. Ein dort veröffentlichtes Video zeigt ein Boot, das explosionsartig in Flammen aufgeht. Seit September vergangenen Jahres greifen die USA in der Karibik und im Pazifik immer wieder Boote an, die mit Drogen beladen sein sollen. Beweise dafür hat die US-Regierung allerdings kaum vorgelegt. Human Rights Watch kritisiert die Angriffe und spricht von "ungesetzlichen außergerichtlichen Tötungen". Mindestens 211 Menschen sollen bei den Angriffen bisher getötet worden sein. Einige von ihnen waren nach Angaben von Behörden und Angehörigen Fischer. Auch einige Mitglieder des US-Kongresses kritisieren das Vorgehen der Regierung, darunter zunehmend auch Mitglieder der Republikanischen Partei. Am Donnerstag forderten mehrere Senatoren das Pentagon auf, unverändertes Videomaterial der Einsätze vorzulegen. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt behauptet, Drogenschmuggel gefährde die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Im Oktober 2025 erklärte er den Kampf gegen lateinamerikanische Kartelle vor diesem Hintergrund zu einem "bewaffneten Konflikt" und Kartellmitglieder zu "Kombattanten". Damit ebnete er den Weg für Einsätze des US-Militärs in einem Bereich, der eigentlich in die Zuständigkeit von Polizeibehörden wie der Küstenwache oder der Anti-Drogen-Behörde DEA fällt. Während das vorgebliche Ziel der US-Regierung – Drogenschmuggel zu unterbinden – in den USA breite Unterstützung erhält, ist die juristische und politische Begründung der Militäreinsätze jedoch umstritten. Bislang hat die US-Regierung für Angriffe auf Boote keine rechtliche Herleitung vorgelegt, die über den Verweis auf angebliche "Selbstverteidigung" hinausgeht. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International zweifeln die Grundlage für die Einstufung als "bewaffneten Konflikt" an und kritisieren, die US-Regierung habe nicht darlegen können, warum private Boote legitime militärische Ziele seien. Human Rights Watch kritisiert, es fehle an überprüfbaren Beweisen dafür, dass es sich bei den angegriffenen Booten tatsächlich um sogenannte "Drogenboote" handele. Offen bleibt zudem, ob nach bisherigen Angriffen Drogen sichergestellt werden konnten und weshalb – falls es tatsächlich um Strafverfolgung geht – Überlebende der Angriffe nicht festgenommen wurden. Volker Türk, Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen, bezeichnete das Vorgehen der USA als völkerrechtswidrig und inakzeptabel. Er warnte vor "außergerichtlichen Tötungen", forderte umfassende Ermittlungen und rief die US-Regierung auf, die Angriffe einzustellen.