Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ein Hoch auf die kapverdische Nationalmannschaft!

Datum19.06.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel behandelt mehrere Themen aus Hamburg: kulinarische Entdeckungen in einem kapverdischen Restaurant, Vorbereitungen auf eine Hitzewelle, höhere Schulmahlzeitenkosten, Parkraumbewirtschaftung, einen Feuerwehreinsatz und den Tod eines Tigers. Zudem wird über die Tiefbau-Strategie der Stadt diskutiert, um Baustellen effizienter zu gestalten. Ein Interview mit Ex-Fußballtorhüterin Katja Kraus blickt auf die WM und die deutsche Mannschaft zurück. Eine Kunstinstallation mit Sonnenblumen und eine Ausstellung am Mahnmal St. Nikolai werden angekündigt.

InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – Mit Blickwinkeln auf die Weltmeisterschaft, der Hoffnung auf gut koordinierte Grabearbeiten und einer Warnung vor einem heißen Tag da sage noch jemand, Hamburg sei keine kulinarische Weltstadt. Man kann hier sogar kapverdisch essen! Das Atlantis Bistro hat vor einem Vierteljahr im Hofweg eröffnet. Ich wollte schon seit einer Weile hin, weil diese Küche mir gar nichts sagte. Nach dem 0:0 der Fußballer des Archipels gegen Spanien fiel es mir wieder ein. Das kleine Lokal befindet sich im Souterrain, schräg neben einem gut besuchten Italiener – sehr passend für einen sportlichen Underdog. Kellnerin und Koch trugen Trikots der "Blauen Haie". Ich saß an einem Gartentisch vor der Tür, nippte an einem Cocktail mit Grogue, dem lokalen Rum, und studierte die Karte. Auf Kap Verde essen sie anscheinend so ähnlich wie in Portugal – mit einem Akzent auf Seafood und westafrikanischen Einflüssen wie Kochbanane und Maniok. Ich bestellte gebackene Calamari mit nichts außer etwas Salz und einer Zitronenspalte. Dann Oktopus auf Süßkartoffelstampf – vielleicht weil der Satz eines Fußballkollegen über die Krakenarme des kapverdischen Torhüters in mir nachhallte. Und Garnelenkroketten mit Aioli, einfach wegen des zündenden Namens: "Bombas de Camarão". Was dann kam, war klassische Schönwetterküche: perfekt auf einer Hotelterrasse, wenn die Sonne im Meer versinkt. Ziemlich gut immer noch im Juni auf der Uhlenhorst. Vielleicht sollte ich ein bisschen meckern über das frostige Innenleben der Bomben und die Zerstreutheit der sehr netten Kellnerin. Das geht aber nicht mehr, seit ich ihre Entschuldigung kenne: "Wir haben gestern bis um zwei gefeiert." Danach fand ich es nur schade, dass ich nicht einen Abend früher gekommen war. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Angesichts einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdiensts für heute verweist die Hamburger Sozialbehörde auf die Onlinekarte "Kühle Orte", die neben Grünanlagen und Bademöglichkeiten auch Trinkwasserspender zeigt. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion kritisiert, dass es in Harburg nur sechs davon gibt – rechnerisch einen für rund 30.000 Harburger. Das Mittagessen für Hamburgs Schülerinnen und Schüler wird teurer. Ab August müssen Eltern pro Mahlzeit bis zu 5,30 Euro statt bislang maximal 5 Euro bezahlen. Grund für die dritte Preiserhöhung in weniger als drei Jahren ist eine Kürzung der Zuschüsse. Im Juli führt Hamburg in zwei Testgebieten rechts und links der Alster ein digitales Parkraummanagement ein. Parkberechtigungen werden dort nur noch digital erfasst und von Scan-Fahrzeugen automatisch überprüft. Das Verfahren soll auf alle Parkgebiete der Stadt ausgeweitet werden. Die Feuerwehr hat bei einem Brand in Rothenburgsort sechs Menschen aus einem Mehrfamilienhaus gerettet. Eine Person wurde leicht verletzt. Die Ursache des Feuers ist bisher unklar. Das 15-jährige Tigerweibchen Maruschka des Tierparks Hagenbeck ist am Mittwoch überraschend verstorben. Nach einer Untersuchung mit Narkose ist sie nicht mehr erwacht. Maruschka stammte aus Russland, lebte seit zwölf Jahren in Hamburg und hat hier sechs Junge zur Welt gebracht. Heute treffen sich in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft hinter verschlossenen Türen Vertreterinnen und Vertreter der Verkehrs- und Umweltbehörde mit Versorgungs- und Bauunternehmen und Delegationen der Bezirke, um über die Umsetzung der Senatsstrategie "Zukunft Tiefbau" zu beraten. Es geht darum, in Zeiten eines deutlich wachsenden Bedarfs an Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen an der unterirdischen Infrastruktur der Stadt die Dauer der einzelnen Baustellen, die Beeinträchtigung der Verkehrsteilnehmenden und die Kosten möglichst gering zu halten. Der Senat hatte die Strategie im September des vergangenen Jahres öffentlich vorgestellt. Hintergrund ist der wachsende Ausbaubedarf im Bereich der Strom- und Fernwärmeversorgung sowie der Telekommunikation. Die Hamburger Energiewerke, die Hamburger Energienetze und Hamburg Wasser investieren in den kommenden Jahren jeweils mehr als eine Milliarde Euro in Bauarbeiten an ihren Strom-, Fernwärme-, Wasser- und Abwassernetzen. Hinzu kommen jährliche Ausgaben von mehr als einer Milliarde Euro für Erhalt, Sanierung und Modernisierung des Straßennetzes. Zu den geplanten Maßnahmen zählen Baukooperationen, in deren Rahmen unter zahlreichen an einer Baustelle beteiligten Leitungsunternehmen eines die Gesamtverantwortung übernimmt. Sogenannte Aufgrabesperren sollen alle Beteiligten zu besserer Koordination zwingen, indem sie neuerliche Arbeiten in Bereichen mit bereits abgeschlossenen Maßnahmen für mehrere Jahre untersagen. Außerdem sollen regelhaft Leerrohre für später zu verlegende Glasfaserkabel untergebracht werden. Von Frank Drieschner Die Ex-Torhüterin Katja Kraus ist analytisch – und fußballverrückt. Nie war die deutsche Nationalelf so unbeschrieben, sagt sie. Aber der Zauber kann plötzlich da sein. Mit der Hamburgerin sprachen Florian Illies und Georg Löwisch. Katja Kraus kommt in einem spanischen Nationaltrikot zum Interview, sie mag den spanischen Fußball, sie mag den Fußball überhaupt, und sie will diese WM feiern. Sie kennt den Fußball von vielen Seiten: Stand für Deutschland im Tor, war Vorstand beim HSV, leitet heute eine Werbeagentur in Hamburg. Autorin ist sie auch, ihr erstes Buch handelte von Macht. DIE ZEIT: Frau Kraus, Sie freuen sich auf die Fußballweltmeisterschaft? Katja Kraus: Und wie! Ich liebe es zu sehen, wie sich all diese verschiedenen Nationen in ihrem Fußballspiel repräsentieren. Ich versuche, so viele Spiele wie möglich zu sehen. Seit ich klein war, habe ich meine Restlebenszeit nach der verbleibenden Anzahl von Weltmeisterschaften berechnet: Wie viele werde ich noch gucken können im Leben? Je weniger es werden, desto mehr möchte ich sie feiern. ZEIT: Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft? Kraus: Es würde mich überraschen, wenn die deutsche Nationalmannschaft in der Verfasstheit unseres Landes mit spielerischer Leichtigkeit aufträte. Ich hatte darauf gesetzt, dass Lennart Karl mit seinem Mut zu Unverschämtheiten ein Spieler sein kann, der besondere Momente schafft und damit Begeisterung bei den Menschen entfacht. Nun ist er leider verletzt. ZEIT: Wer könnte eine positive Dynamik auslösen? Kraus: Das ist ja das Aufregende: Wir wissen noch nicht, was in einer Woche oder in zwei ein Moment für die Ewigkeit sein wird. Wir sprechen seit Monaten über die WM und die politischen Dimensionen, und wenn es losgeht, wird dieses Turnier seine ganz eigenen Geschichten erzählen. Was ich auf jeden Fall anders wahrnehme als bei der WM in Katar: Die Menschen in Deutschland haben trotz der verheerenden Rahmenbedingungen dieser WM Lust auf Fußball. Oder vielleicht gerade deshalb. ZEIT: Wie dokumentiert sich in dieser deutschen Mannschaft die Lage der Nation? Kraus: In der Unsicherheit vielleicht, der fehlenden inneren Stabilität. Das Sentiment einer Gesellschaft prägt häufig auch eine Fußballmannschaft und ihre Art, auf dem Platz aufzutreten. Die wichtige Frage ist deshalb: Kann sich die Mannschaft von der Stimmung und der Erwartungshaltung in der Heimat lösen? In Katar konnte sie das nicht, sie war überfrachtet mit Forderungen und Erwartungen, sportlich und politisch. Es war spürbar, dass manche Spieler fürchteten, zu Hause als Versager zu gelten, wenn sie kein glaubwürdiges Zeichen für Menschenrechte setzen. Die verschiedenen Meinungen dazu haben die Mannschaft als Einheit geschwächt. Die Kunst ist es ja, bei einem solchen Turnier eine Stimmung zu erzeugen, die eine Mannschaft größer macht und durch das Turnier trägt. Auch wenn jetzt alle auf die Männer schauen – warum Frauenfußball womöglich der bessere Fußball ist oder werden kann, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Geplatzte Leitungen, defekte Kupplungen: Siemens Gamesa hat Anlagen mit schweren Mängeln geliefert. Windparkbetreibern droht die Pleite, aber der Konzern zeigt sich hart. ZEIT-Redakteur Marc Widmann hat vor Ort recherchiert. → Zum Artikel 1982 pflanzte Agnes Denes mitten in Manhattan ein einsames Weizenfeld – und erfand damit die environmental art. Stadtkuratorin Joanna Warsza hat die 96-jährige Künstlerin dafür gewonnen, auf dem Hammaburg-Platz ein Sonnenblumenfeld anzulegen – am Sonntag ist Eröffnung. Das Feld ist Teil der Ausstellung Fire, die ab Samstag, dem 20. Juni, um 17 Uhr, das Mahnmal St. Nikolai in eine Freiluftgalerie verwandelt – unter anderem hat die iranische Glaskünstlerin Neda Saeedi der Kirchenruine neue Fenster verpasst. "Opening of Sunflower Fields & Program for Fire at the St. Nikolai Memorial", 21. 6., 16.30 Uhr, Hammaburg-Platz. Der Zugang ist frei. Kurz vor dem Konzert des Ensembles Resonanz stehe ich noch auf der Plaza der Elphi und schau mir die Stadt an. Neben mir zwei etwa 15-jährige Mädchen, die eine zeigt und erklärt: "Und das da ist der Fernsehturm." Darauf die andere: "Ich dachte, der steht in Berlin!?" Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.