Datum19.06.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRSachsens Kommunen kämpfen mit einer Haushaltskrise und kürzen drastisch bei Investitionen, die um 19 Prozent einbrachen. Sie greifen vermehrt auf problematische Kassenkredite zurück, deren Summe sich verdoppelte. Dies geschieht vor dem Hintergrund sinkender Zuweisungen vom Land und rückläufiger Gewerbesteuereinnahmen. Im Zeitalter einer historischen Haushaltskrise für Kommunen bundesweit sticht Sachsen durch die Einsparungen bei den Sachausgaben hervor.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Haushaltskrise“. Lesen Sie jetzt „Sachsens Kommunen sparen drastisch bei Investitionen“. Mit radikalen Einsparungen bei den Investitionen und mehr Kassenkrediten begegnen Sachsens Kommunen ihrer anhaltend dramatischen Haushaltskrise. Das geht aus einer Sonderausgabe des Kommunalen Finanzreports der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach brachen die Investitionen im vergangenen Jahr in Sachsen um 19 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro ein. Damit sticht der Freistaat im Ländervergleich deutlich hervor. Lediglich in Brandenburg und Hessen gingen die Investitionen ebenfalls zurück, jedoch jeweils um nur 5 beziehungsweise 2 Prozent. Entsprechend ist die investive Verschuldung in Sachsen vergleichsweise gering (3,38 Milliarden Euro). Bei den Kassenkrediten, die als besonders problematisch gelten, da ihnen keine Güter gegenüberstehen, griffen die Kommunen im Freistaat hingegen besonders stark zu: Sie verschuldeten sich auf diese Weise mit 889 Millionen Euro - weitaus mehr als doppelt so viel wie noch 2024 (375 Millionen Euro). Im Vergleich der Flächenländer ist es der zweithöchste Anstieg hinter Brandenburg. Laut vorherigen Angaben des Sächsischen Städte- und Gemeindetags (SSG) belief sich das Haushaltsdefizit der Kommunen im Freistaat 2025 auf mehr als eine Milliarde Euro. Damit wurde der bisherige Negativrekord von 2024 um mehr als die Hälfte übertroffen. Deutschlandweit befinden sich die Kommunen laut Report spätestens mit dem Jahr 2024 in einer Haushaltskrise historischen Ausmaßes. Das Haushaltsdefizit der Kommunen betrug 2025 fast 32 Milliarden Euro. Anders als in früheren Krisen sind auch wirtschaftsstarke Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg erheblich betroffen. In dieser beispiellosen Krise mussten die Kommunen in Sachsen einen Rückgang der Zuweisungen vom Land hinnehmen, wie die Autoren des Reports hervorheben: Statt dem mehr oder minder starken Zuwachs, den alle restlichen Länder verzeichneten, gingen die Gelder vom Freistaat um gut 100 Millionen Euro auf 9,38 Milliarden zurück. Auch bei der zweiten zentralen Einnahmesäule, den Steuern, gab es keine Entlastung. Den Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen in Sachsen um 6,9 Prozent bezeichnen die Autoren als beachtlich. Es ist der zweithöchste hinter Baden-Württemberg (-6,9 Prozent). Personal- und Sozialausgaben nahmen in Sachsen hingegen mit jeweils 4 Prozent am wenigsten zu. Beim zweitgrößten Ausgabeposten, den Sachausgaben, zum Beispiel für die Instandhaltung von Gebäuden und Straßen oder die Abfallentsorgung, wurde in Sachsen im Gegensatz zu den anderen Ländern um zwei Prozent gekürzt. © dpa-infocom, dpa:260619-930-247218/1