Wetter im Norden Sommer 2026: Bad in Nordsee und Ostsee: Das hilft bei tückischer Strömung

Datum19.06.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRBei warmem Wetter locken Nord- und Ostsee zur Abkühlung. Die DLRG warnt vor tückischen Strömungen, die sich schnell ändern. Strandabschnitte können harmlos wirken, aber Unterströmungen sind oft unsichtbar und gefährlich. Wichtig sind bewachte Bereiche, rote und gelbe Flaggen sowie Vorsicht bei Überhitzung und Alkohol. Nordsee hat Gezeitenrisiken, Ostsee Wind- und Wellengefahren. Bei Strömungen: ruhig bleiben, parallel zum Ufer schwimmen, Hilfe rufen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wetter im Norden Sommer 2026“. Lesen Sie jetzt „Bad in Nordsee und Ostsee: Das hilft bei tückischer Strömung“. Die Aussichten auf ein Sommerwochenende sind gut, ein Bad in Nord- oder Ostsee verspricht Abkühlung. Doch gerade "während heißer Wetterlagen wie in den kommenden Tagen sehen wir immer wieder, dass Menschen ihre Leistungsfähigkeit überschätzen", sagte Ken Blöcker, Geschäftsführer der DLRG Schleswig-Holstein, der dpa. Worauf Badende im Meer achten sollten - ein Überblick: "Das Baden im Meer unterscheidet sich vor allem dadurch, dass sich die Bedingungen deutlich schneller verändern können als an vielen Seen und Flüssen", sagt Blöcker. Wind, Wellen und Strömungen könnten die Bedingungen binnen kurzer Zeit verändern: Sandbänke verlagerten sich, neue Tiefen entstünden, Strömungen bauten sich auf. "Ein Strandabschnitt, der morgens noch ruhig wirkt, kann wenige Stunden später deutlich anspruchsvoller sein." Viele Risiken seien zudem kaum zu erkennen. Strömungen verliefen häufig unter der Wasseroberfläche, Wind könne Schwimmer oder Wassersportler unbemerkt abtreiben und Wellen erschwerten Orientierung und Kraftaufwand. Wer im Meer badet, sollte vor allem Wind, Wellen und Strömungen im Blick behalten. Die DLRG empfiehlt, nur in ausgewiesenen und bewachten Bereichen ins Wasser zu gehen und auf die Beflaggung zu achten. Rot-gelb bedeutet: Rettungsschwimmer sind im Dienst. Bei zusätzlicher gelber Flagge sollten Kinder, Ältere und ungeübte Schwimmer nicht baden, bei roter Flagge niemand. Wichtig sei außerdem, nicht überhitzt ins Wasser zu springen, sagt Blöcker. Kaltes Wasser und große Temperaturunterschiede könnten den Kreislauf belasten. Alkohol sei tabu, Kinder müssten am Wasser jederzeit beaufsichtigt werden. Auch zu weites Hinausschwimmen sei riskant: Viele unterschätzten auf dem Rückweg Entfernung, Wellengang und Strömungen. Vorgelagerte Sandbänke etwa in Falkenstein oder Laboe verleiteten dazu, weit hinauszugehen, teilte der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein mit. Dabei werde oft unterschätzt, dass das Wasser Richtung Fahrwasser schnell tiefer werde - besonders in Laboe. Zudem seien noch nicht alle Strände und Badestellen in der Kieler Förde mit Rettungskräften besetzt. Badende sollten daher auch aufeinander achten, Eltern besonders auf ihre Kinder. "Hier beobachten wir immer wieder, wie Menschen das Surfen auf dem Handy der Beobachtung der eigenen Kinder vorziehen", so der DRK SH. Auch größere Schiffe könnten plötzlich Wellen auslösen, durch die Menschen im Wasser das Gleichgewicht verlieren. Pauschal lässt sich das nicht sagen. Beide Meere haben nach DLRG-Angaben eigene Risiken. An der Nordsee können Gezeiten, Priele, Wattflächen und auflaufendes Wasser für Ortsunkundige gefährlich werden. An der Ostsee fehlen ausgeprägte Gezeiten; dort spielen Wind, Wellen und örtliche Strömungen eine größere Rolle. Auch in flachen, ruhig wirkenden Bereichen wie der Lübecker Bucht können je nach Wetterlage gefährliche Unterströmungen entstehen. Bei auflandigem Wind drückt die Brandung Wasser an den Strand, das anschließend zurück ins Meer strömt - oft gebündelt durch Rinnen zwischen Sandbänken. "So bildet sich ein schmaler, oft erstaunlich schneller Strom, der vom Ufer weg seewärts zieht", erklärt Blöcker. Das Tückische daran: Solche Strömungen treten gerade an scheinbar harmlosen, flachen Stränden auf und sind an der Wasseroberfläche schwer zu erkennen. Eine weitere Gefahr an der Ostsee ist ablandiger Wind: Er kann Luftmatratzen, Schwimmtiere und ungeübte Schwimmer rasch aufs offene Wasser treiben. Grundsätzlich entlang der gesamten Ostseeküste. In Schleswig-Holstein seien entsprechende Lagen vor allem aus der Lübecker Bucht bekannt, sagte Blöcker. Vergleichbare Situationen könnten aber auch an anderen Strandabschnitten entstehen, etwa in der Kieler und Eckernförder Bucht. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es das Problem nach Angaben der dortigen DLRG seltener, besonders bei wenig Wind. Gefährliche Strömungen könnten aber auch dort entstehen - vor allem an Buhnen, etwa in der Region Fischland-Darß-Zingst und auf Teilen Usedoms. Auch an Seebrücken sei Baden wegen möglicher Strömungen riskant und oft explizit verboten, sagt DLRG-MV-Sprecher Thorsten Erdmann. Sogenannte Trecker oder Rippströmungen vor Sylt erkennt man schon an der Oberfläche, sagt Lars Lunk, Trainer für Rettungsschwimmer beim DLRG auf Sylt, der dpa. "Manchmal laufen die Wellen entgegen - wenn man Westwind hat, kommen die Wellen eigentlich ganz normal auf Dich zugelaufen, aber da kann es sein, dass die Oberfläche so ein bisschen am kräuseln ist, als ob es kocht." Auch am Schaum der Wellen seien die Strömungen teils sichtbar. Ob solche Strömungen entstehen, hänge meist von Untergrund und Gezeiten ab, nicht von der Windrichtung. Örtlich festlegen lassen sich die Trecker kaum: Schon ein Sturm könne den Meeresboden verändern, sagt der Sylter, der über 25 Jahre als Rettungsschwimmer gearbeitet hat. Am nördlichsten Rand von List – auf dem Ellenbogen – ist Baden vielerorts verboten, weil dort durch die Gezeiten besonders starke Strömungen entstehen können. Weitere Gefahren vor Sylt seien Buhnenreste im Meer, an denen sich Menschen verletzen könnten, sagte Lunk. Hinzu komme Selbstüberschätzung: Viele "denken, sie sind im Freibad und haben den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken und marschieren dann ins kalte Wasser hinein". Je kälter das Wasser, desto schneller schwinde die Kraft. Krämpfe und verschlucktes Salzwasser könnten dann gefährlich werden. "Ruhe bewahren, mit der Strömung aufs Meer hinaus mitziehen lassen und dann wenn die Strömung nachlässt, parallel zu Küste wieder an Land schwimmen", sagt Lunk.  Auf keinen Fall sollten Betroffene versuchen, gegen die Strömung anzuschwimmen, betonte auch Blöcker. "Richtig ist, ruhig zu bleiben, wenn möglich, parallel zum Ufer aus der Strömung herausschwimmen und sich durch Winken und Rufen bemerkbar zu machen." © dpa-infocom, dpa:260619-930-246926/1