Datum19.06.2026 00:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach einem Rahmenabkommen mit den USA verlangt Iran von Handelsschiffen eine Voranmeldung für die Durchfahrt der Hormus-Straße. Die Gebühr entfällt für 60 Tage. Minenräumung ist geplant. Trotz der Erleichterung an den Ölmärkten ist eine sofortige Rückkehr zum regulären Schiffsverkehr unwahrscheinlich. Der Verband Deutscher Reeder betont die Notwendigkeit einer dauerhaften Gewährleistung der Sicherheit und einer schrittweisen Wiederaufnahme des Verkehrs.
InhaltNach Abschluss des Rahmenabkommens mit den USA verlangt Iran von allen Handelsschiffen eine Beantragung der Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus. Die Passage soll gebührenfrei bleiben – allerdings nur für 60 Tage. Iran verlangt vor einer Passage der Straße von Hormus von allen Handelsschiffen die Einreichung eines entsprechenden Antrags. Das Sekretariat des obersten nationalen Sicherheitsrats teilte laut der Zeitung "Tehran Times" weiterhin mit, dass für einen Zeitraum von 60 Tagen keine Gebühren entrichtet werden müssten. Die Behörde für die Meerenge des Persischen Golfs sei angewiesen worden, alle Anträge zügig und vorrangig zu prüfen und zu bearbeiten, um den Zielen des bilateralen Rahmenabkommens (hier im Wortlaut) mit den USA Rechnung zu tragen. Aus Sicherheitsgründen müssten sich Schiffe an die zugewiesenen Routen und Zeiten halten. Zudem sei im Rahmen der Vereinbarung die Räumung von Minen vorgesehen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hatte am Mittwochabend in einem Interview im Staatsfernsehen seinen Willen bekräftigt, in dem endgültigen Abkommen Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus festzuschreiben. Sein Land werde "nicht zu den Vorkriegsbedingungen zurückkehren", sagte Ghalibaf. Mehr zum Abkommen über ein Kriegsende: Wo sich die USA und Iran einig sind – und wo großer Streit droht Nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens für ein Ende des Irankrieges haben am Donnerstag nach Angaben von Schiffsverfolgungsdiensten bereits mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus passiert. Bis 16.30 Uhr hätten acht Frachter den Golf durch die Meerenge verlassen, teilte die Datenfirma Kpler mit. Unter anderem passierten drei saudi-arabische Öltanker die Meerenge, die jeweils zwei Millionen Barrel Erdöl aus Saudi-Arabien transportierten, wie Kpler mitteilte. Die Zahl der Durchfahrten entsprach mit acht in etwa dem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen der vergangenen Woche. Damit lag sie weiterhin deutlich unter den 120 Durchfahrten pro Tag, die vor Ausbruch des Krieges verzeichnet wurden, wie das Magazin "Lloyd's List", das über Schifffahrt und Seehandel berichtet, meldete. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) sprach derweil von einem "wichtigen ersten Schritt", erklärte jedoch auch: "Eine sofortige Rückkehr zum regulären Betrieb ist derzeit nicht zu erwarten." Entscheidend werde nun sein, "dass Risiken für die Schifffahrt, insbesondere mögliche Minengefahren, in den kommenden Wochen beseitigt werden und die Sicherheit von Seeleuten und Schiffen dauerhaft gewährleistet ist", erklärte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. Dem Verband zufolge können die zahlreichen im Persischen Golf verbliebenen Handelsschiffe zudem nicht alle gleichzeitig die Region verlassen. Es brauche eine enge internationale Abstimmung, um die "schrittweise und sichere Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs" zu organisieren. Dem Verband zufolge sitzen derzeit rund 45 Schiffe deutscher Unternehmen in der Region fest. Am Mittwochabend hatten die Präsidenten Irans und der USA, Masoud Pezeshkian und Donald Trump, separat ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnet. In einer 60-tägigen Verhandlungsperiode sollen nun schwierige Fragen für das endgültige Friedensabkommen geklärt werden. "Für die Schifffahrt bleibt entscheidend, dass die freie und ungehinderte Passage durch die Straße von Hormus dauerhaft wiederhergestellt wird", erklärte der VDR. Der Verband hatte schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Straße von Hormus eine internationale Wasserstraße sei und das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen dort die "freie und ungehinderte Transitdurchfahrt" garantiere. Durch die Meerenge werden normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases (LNG) transportiert. Nach der weitgehenden Blockade durch den Iran waren die Ölpreise stark gestiegen. Die Nachricht von der Unterzeichnung des Rahmenabkommens führte am Donnerstag zu Erleichterung an den Ölmärkten. Abends notierte der Preis deutlich unter 80 Dollar (fast 70 Euro) pro Barrel.