Evonik streicht mehr als 2000 Stellen in Deutschland

Datum18.06.2026 17:55

Quellewww.spiegel.de

TLDREvonik plant, bis Ende 2029 weltweit etwa 3200 Stellen abzubauen, davon 2150 in Deutschland, um auf die globale Krise und den harten Wettbewerb zu reagieren. Zudem steigt der Konzern aus dem verlustreichen Polyester-Geschäft aus. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Evonik reiht sich damit in einen breiteren Trend der Chemieindustrie ein, die unter schwacher Nachfrage und hohen Kosten leidet.

InhaltDer Chemiekonzern Evonik steckt seit Jahren tief in der Krise. Nun sollen in Deutschland und international erneut Tausende Jobs wegfallen, wenn auch ohne betriebsbedingte Kündigungen. Der Essener Chemiekonzern Evonik plant erneut den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze. Insgesamt sollen bis Ende 2029 rund 3200 Arbeitsplätze wegfallen, 2150 davon in Deutschland, so der Konzern. Zudem plant Evonik, für das kommende Jahr aus dem verlustreichen Polyester-Geschäft auszusteigen. Hier sollen zusätzlich rund 350 Arbeitsplätze gestrichen werden. "Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach", begründete Konzernchef Christian Kullmann die Pläne. "Zugleich wird der internationale Wettbewerb immer härter", fügte er hinzu. Der Stellenabbau soll sozialverträglich gestaltet werden, so das Unternehmen. "Klar ist: Die Beschäftigten dürfen nicht allein die Lasten ​einer schwierigen Marktlage tragen", mahnte der Vertreter der Gewerkschaft IG BCE, Alexander Bercht. Positiv sei indes, dass es weiter keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben habe. Die Verlagerung ⁠einer "erheblichen Anzahl von ⁠Arbeitsplätzen von Deutschland ins Ausland" sei zudem verhindert worden. Immer neue Sparprogramme schafften jedoch keine nachhaltigen Zukunftsperspektiven. Evonik plant mit aktuell laufenden Sparprogrammen bereits rund 2800 Arbeitsplätze abzubauen. Geschäfte mit rund 3500 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling wurden zudem im Rahmen des Umbaus abgetrennt und in ‌eine Syneqt genannte 100-prozentige Tochter überführt. Diese könnte verkauft werden. Evonik beschäftigte Ende März etwa 30.600 ​Menschen. Vor Jahresfrist waren es ‌noch mehr als 31.000 gewesen. Der Ausstieg aus dem Polyester-Geschäft trifft die Standorte Witten und Marl sowie Shanghai in China. Der Schritt sei jedoch alternativlos, die Sparte fahre seit Jahren Verluste ein. Mit einem Minus von über drei ‌Prozent gehörten die Evonik-Aktien zu den größten Verlierern im MDax. Die deutsche Chemieindustrie steckt insgesamt in einer der schwersten Krisen der vergangenen 30 Jahre. Schwache Nachfrage, hohe Energiepreise, Preisdruck aus Asien und geopolitische Spannungen setzen der Branche zu. Der Branchenverband VCI warnte ‌gar vor einem Kollaps des drittgrößten Industriezweigs des Landes nach der ​Automobil- und der Maschinenbaubranche. Ausdruck der schwierigen Lage ist der Stellenabbau, ‌den zahlreiche Firmen angekündigt haben. So will der Spezialchemiekonzern Wacker bis Ende 2027 mehr als ‌1500 Arbeitsplätze abbauen, überwiegend an deutschen Standorten. Beim Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess fallen 550 Stellen weg, rund zwei Drittel davon in Deutschland. Auch Branchenprimus BASF will weitere Arbeitsplätze einsparen. Wie viele betroffen sein werden, ist noch offen. Zwischen Ende 2023 und Ende 2025 ​sank die ​Zahl der Beschäftigten bei BASF weltweit bereits um 4800. Zwar sichert eine neue Standortvereinbarung die Arbeitsplätze von rund 33.000 Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2028, dennoch wird mit weiterem Personalabbau gerechnet.