Teltow in Brandenburg: Schülerpraktikum bei Landes-AfD untersagt – Schulleiter wird angefeindet

Datum15.10.2025 17:50

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Schulleiter in Teltow, Brandenburg, hat einem Schüler ein Praktikum bei der AfD verweigert, da die Partei als rechtsextrem gilt. Daraufhin wird er angefeindet, insbesondere durch Drohmails und Gewaltaufrufe in sozialen Medien, nachdem die AfD-Fraktion den Fall öffentlich gemacht hat. Das Bildungsministerium unterstützt die Entscheidung, da das Praktikum gegen das Schulgesetz verstoßen würde, das eine einseitige Beeinflussung der Schüler verbietet. Juristische Schritte gegen beleidigende Äußerungen sind möglich.

InhaltEin Schulleiter verbietet seinem Schüler, bei der AfD ein Praktikum zu machen. Daraufhin wird er angefeindet. Das zuständige Ministerium sagt: Ein Praktikum bei der rechtsextremen Partei widerspreche dem Schulgesetz. Weil er einem Zehntklässler untersagt hat, ein Praktikum bei der AfD-Landtagsfraktion zu absolvieren, wird ein Schulleiter aus Teltow in Brandenburg seit Tagen heftig angefeindet. Begründet hatte der Pädagoge seine Entscheidung damit, dass der AfD-Landesverband in Brandenburg vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Öffentlich gemacht hatte den Fall die Brandenburger AfD-Fraktion, sie sieht darin eine "totalitäre Indoktrination" und eine Kompetenzüberschreitung des Schulleiters. Wie zuerst der RBB berichtete  , erreichen den Schulleiter seitdem Drohmails. In sozialen Medien finden sich unter einschlägigen Posts von AfDlern Hetze und Aufrufe zu Gewalt gegen ihn. Das Brandenburger Bildungsministerium weist die Kritik der AfD zurück, die Schulaufsicht habe den Fall geprüft. Die Schulleitung habe das Praktikum aus pädagogischen Gründen untersagt, die Entscheidung sei dem Schüler und seiner Familie erläutert worden. Während des Praktikums wäre der Jugendliche "ohne pädagogische Begleitung und vergleichende Einordnung unmittelbar der erwiesen demokratiefeindlichen Ideologie der Partei ausgesetzt gewesen", so das Ministerium in seiner Antwort an den SPIEGEL. Weiter verweist es darauf, dass Schülerpraktika nicht dem Grundsatz des Brandenburgischen Schulgesetzes widersprechen und Schulleitungen über Praktikumsplätze entscheiden dürften. Im Gesetz heißt es: "Die Schule wahrt die Freiheit des Gewissens sowie Offenheit und Toleranz gegenüber unterschiedlichen kulturellen, religiösen, weltanschaulichen und politischen Wertvorstellungen, Empfindungen und Überzeugungen. Keine Schülerin und kein Schüler darf einseitig beeinflusst werden." Die AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré, die vom Brandenbuerger Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextrem eingestuft wird, hatte sich bei einer Pressekonferenz der Landtagsfraktion vergangene Woche über die Absage des Praktikums echauffiert. Das sei eine Indoktrination von Schülern, die so nicht stattfinden dürfe, sagte Kotré. Und: Nur die AfD trete "für die Interessen und das Wohl der deutschen Schüler" ein. Genau darin sieht das Bildungsministerium eine Bestätigung seiner Einschätzung. Kotrés Äußerung belege "die ausgrenzende und demokratiefeindliche Position von Partei und Fraktion". Die Schulaufsicht habe die Polizei über die verbalen Angriffe auf den Schulleiter informiert, teilte das Bildungsministerium weiter mit. Man behalte sich vor, gegen beleidigende und ehrabschneidende Aussagen juristische Schritte einzuleiten. Weshalb der Brandenburger AfD-Landesverband als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde, lesen Sie hier  .