Datum18.06.2026 11:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer neue BBC-Chef Matt Brittin kündigt ein Sparprogramm an, das bis 2027 rund 550 Stellen abbaut und auch traditionsreiche Sendungen betrifft. Ziel sind Einsparungen von 160 Millionen Pfund im laufenden Jahr. Dies ist Teil eines größeren Programms zur Senkung der Ausgaben um 500 Millionen Pfund über drei Jahre, aufgrund sinkender Einnahmen und des umstrittenen Finanzierungsmodells.
InhaltIn Großbritannien steht der öffentliche Rundfunk unter Spardruck. Der neue BBC-Chef, Ex-Google-Manager Matt Brittin, kündigt nun einen Stellenabbau an. Auch traditionsreiche Sendungen werden gestrichen. Der britische Rundfunksender BBC streicht im Rahmen seines Sparprogramms bis März 2027 rund 550 Stellen. Wie aus einem Schreiben des neuen Generaldirektors Matt Brittin an die Belegschaft hervorgeht, wird es dabei auch Entlassungen geben. Auch Sendungen werden eingestellt, etwa bei den Programmen für Schottland, Wales und Nordirland. Unter den Sendungen, deren Einstellung angekündigt wurde, ist das Radioprogramm "The World Tonight", das seit 1970 auf Radio 4 ausgestrahlt wird. Darin werden in ausgeruhter Form Hintergründe zu aktuellen Nachrichten geliefert, mit einem Schwerpunkt auf Auslandsthemen. Der langjährige Moderator der Sendung, Robin Lustig, warnte: "In einer Zeit vorschneller Urteile und weitverbreiteter Desinformation" seien solche Sendungen mehr denn je wichtig: "Ich hoffe, die BBC wird ihre Entscheidung nicht bereuen", so Lustig im "Guardian" . Mit dem Stellenabbau will die BBC den Angaben zufolge bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 160 Millionen Pfund (185 Millionen Euro) einsparen. Dies erfordere "schwierige Entscheidungen", schrieb der ehemalige Google-Manager Brittin, der seit Mai BBC-Chef ist. Die Einsparungen beträfen "alle Bereiche". Der Stellenabbau, der teils freiwillig erfolgen soll, ist Teil eines größeren Sparprogramms, in dessen Verlauf insgesamt bis zu 2000 Jobs gestrichen werden sollen – fast zehn Prozent der Belegschaft. Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren die Ausgaben um 500 Millionen Pfund (578 Millionen Euro) zu senken. Bisher liegen die jährlichen Betriebskosten bei fünf Milliarden Pfund. Bei den Einsparungen orientiere man sich daran, die Programme mit der höchsten Relevanz und Wirkung zu erhalten, Doppelstrukturen abzubauen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Daher werde auch die Zahl der Führungskräfte um zehn Prozent verringert. Die Schwierigkeiten der BBC, die wie die gesamte Medienlandschaft mit Herausforderungen wie geänderten Nutzergewohnheiten und künstliche Intelligenz konfrontiert ist, hatte sich zuletzt durch einen Rückgang der Einnahmen aus der Rundfunkgebühr verschärft. Das Finanzierungsmodell der BBC über verpflichtende Beiträge ist seit Längerem stark umstritten. Die konservative Vorgängerregierung, die der BBC Linkslastigkeit vorwarf, hatte Beitragserhöhungen zuletzt für zwei Jahre ausgesetzt und die BBC damit unter Spardruck gesetzt. Zudem gab es Pläne, die Beiträge ganz abzuschaffen und stattdessen wie bei Streamingdiensten ein Abo-Modell einzuführen.