Sohn von Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro zu Haftstrafe verurteilt

Datum17.06.2026 03:52

Quellewww.spiegel.de

TLDREduardo Bolsonaro, Sohn des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, wurde von Brasiliens Oberstem Gerichtshof zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, sich in den USA für Sanktionen gegen Brasilien eingesetzt zu haben, während gegen seinen Vater wegen Umsturzversuchen ermittelt wurde. Die Strafe wird zunächst im offenen Vollzug verbüßt. Bolsonaro darf zudem acht Jahre keine öffentlichen Ämter bekleiden.

InhaltWeil Ex-Präsident Jair Bolsonaro in Brasilien der Prozess gemacht wurde, warb dessen Sohn Eduardo in den USA für Sanktionen gegen sein Land. Nun verhängte ein Gericht eine Haftstrafe gegen ihn. Ins Gefängnis muss er aber vorerst nicht. Brasiliens Oberster Gerichtshof hat einen Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Der Ex-Abgeordnete Eduardo Bolsonaro lebt in den USA. Bei einer Rückkehr in sein Heimatland droht ihm die Festnahme. Wie das Gericht am Dienstag mitteilte, soll Eduardo Bolsonaro seine Strafe zunächst im offenen Vollzug verbüßen. Verurteilt wurde er wegen seiner Versuche, die USA angesichts eines Umsturzverfahrens gegen seinen Vater zu Sanktionen gegen Brasilien zu bewegen. Das Urteil sieht überdies vor, dass Eduardo Bolsonaro nach der Verbüßung acht Jahre lang nicht für öffentliche Ämter kandidieren darf. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. "Es ist nicht die Aufgabe eines nationalen brasilianischen Abgeordneten, im Ausland Lobbyarbeit gegen sein eigenes Land zu betreiben", begründete Richter Alexandre de Moraes das Urteil des Gerichts gegen Eduardo Bolsonaro. Eduardo Bolsonaro erklärte, er sei nicht ordnungsgemäß über das Verfahren informiert worden; in Wahrheit gehe es darum, ihn ‌politisch auszuschalten. Das Oberste Gericht Brasiliens hatte Ex-Staatschef Jair Bolsonaro im September wegen eines geplanten Umsturzes zu gut 27 Jahren Gefängnis verurteilt (mehr dazu hier ). Er wurde schuldig gesprochen, eine "kriminelle Organisation" angeführt zu haben, um seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen seinen linksgerichteten Nachfolger Luiz Inácio Lula da Silva zu kippen. Wegen des Prozesses gegen seinen Vater nahm Eduardo Bolsonaro Kontakt mit US-Behörden und konservativen politischen Kreisen des Landes auf, um für Unterstützung für seinen Vater zu werben. Die Bemühungen des 41-Jährigen hatten zunächst Erfolg: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump verhängte 2025 Zölle in Höhe von 40 Prozent gegen brasilianische Produkte und begründete dies mit einer "Hexenjagd" gegen Jair Bolsonaro. Die Zölle wurden nach einem Treffen von Trump mit Lula Ende Oktober aber größtenteils wieder gestrichen ebenso wie finanzielle Sanktionen der USA gegen den brasilianischen Obersten Richter Moraes. In Brasilien stehen im Oktober Präsidentschaftswahlen an. Dabei tritt ein anderer Sohn von Jair Bolsonaro, Flávio Bolsonaro, gegen den linksgerichteten Amtsinhaber Lula an. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.