Datum17.06.2026 00:06
Quellewww.zeit.de
TLDREine russische Fregatte gab im Ärmelkanal Warnschüsse in Richtung einer britischen Jacht ab, da diese sich bei dichtem Nebel "gefährlich angenähert" habe. Beide Verteidigungsministerien bestätigten den Vorfall und die Notwendigkeit, eine Kollision zu verhindern. Menschen wurden nicht verletzt. Der Vorfall ereignete sich kurz nach einem britischen Einsatz gegen einen sanktionierten russischen Tanker im Ärmelkanal, der zur Umgehung von Sanktionen dienen sollte.
InhaltIm Nebel ist eine britische Jacht nahe an ein russisches Kriegsschiff geraten. Dessen Reaktion sollte laut Russland und Großbritannien eine Kollision verhindern. Ein russisches Kriegsschiff hat im Ärmelkanal Warnschüsse in Richtung einer unter britischer Flagge fahrenden Jacht abgegeben. Damit sollte ein Zusammenstoß der beiden Schiffe verhindert werden, teilten das russische und das britische Verteidigungsministerium übereinstimmend mit. Zu dem Vorfall kam es bei dichtem Nebel rund 37 Kilometer südlich der Isle of Wight außerhalb der britischen Hoheitsgewässer. Verletzt wurde niemand. Zu dem Vorfall gab das russische Verteidigungsministerium an, die Jacht habe sich "gefährlich angenähert". Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Funkkontakt aufzunehmen, habe das Kriegsschiff Admiral Grigorowitsch Warnschüsse abgegeben, darunter mit Handfeuerwaffen. Die Jacht habe daraufhin ihren Kurs geändert. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte diese Darstellung. Es teilte mit, die von der Admiral Grigorowitsch abgegebenen Warnschüsse hätten sich nicht gegen die Jacht gerichtet. "Nach Versuchen, Kontakt zu einem britischen Schiff im Ärmelkanal aufzunehmen, gab die Grigorowitsch Warnschüsse ab. Diese richteten sich nicht gegen das Schiff und dienten dazu, eine mögliche Kollision zu verhindern", teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Zuvor hatte das Ministerium erklärt, es untersuche "Berichte über einen Vorfall im Ärmelkanal". Über den Abstand der Schiffe gab es unterschiedliche Angaben: Das russische Ministerium sprach von 150 Metern. Die Besatzung der Jacht, die den Vorfall zuerst gemeldet hatte, gab die Entfernung zu dem russischen Kriegsschiff mit 450 Metern an. Ihren Angaben zufolge wurde niemand an Bord verletzt; die Jacht sei auch nicht beschädigt worden. Den britischen Angaben zufolge entsandte das britische Marineschiff HMS Tyne wenig später ein Beiboot, um die Lage vor Ort zu überprüfen. Die Admiral Grigorowitsch hatte im April Tanker mit russischem Öl durch den Ärmelkanal eskortiert. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, die Warnschüsse vom Dienstag stünden nach eigener Einschätzung nicht im Zusammenhang mit dem Einsatz am Sonntag. Es handle sich um einen Einzelfall. Der Vorfall ereignete sich zwei Tage, nachdem britische Spezialeinheiten einen sanktionierten russischen Öltankers im Ärmelkanal gestoppt hatten. Die Soldaten hatten am Sonntag das Schiff Smyrtos geentert, das zur sogenannten Schattenflotte Russlands gezählt wird. Es war der erste derartige Einsatz Großbritanniens, um russische Einnahmen aus dem Ölgeschäft für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu blockieren. Am Montag erhob die britische Staatsanwaltschaft Anklage gegen den indischen Kapitän des Schiffes. Sie wirft ihm vor, gegen die Sanktionen Großbritanniens verstoßen zu haben, die nach dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 gegen Russland verhängt worden waren. Im Mai hatte die britische Zeitung Telegraph berichtet, dass die Admiral Grigorowitsch seit fast zwei Monaten vor der britischen Küste patrouillierte und Öltanker der russischen Schattenflotte eskortierte, mit deren Hilfe Russland Sanktionen umgehen will. Die britische Marine erklärte, sie habe mehrere Boote eingesetzt, um die Admiral Grigorowitsch zu überwachen. Im April habe es "keinen einzigen Tag" gegeben, an dem die Fregatte nicht "genau beobachtet" worden sei.