Datum16.06.2026 19:56
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Pariser Kaufhaus BHV Marais beendet nach wenigen Monaten die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Modekonzern Shein. Das neue Management bezeichnete den Einzug von Shein als strategischen Fehler und will sich wieder stärker auf Haushaltsartikel konzentrieren. Die Beendigung der Partnerschaft erfolgt vor dem Hintergrund von Kritik, einem Rückzug anderer Marken und Berichten über ausgebliebene Kundschaft. Frankreich hatte Shein kürzlich zudem wegen Verstößen gegen Verbraucherrechte und mangelnder Transparenz mit einer hohen Geldstrafe belegt.
InhaltNur Monate nach dem umstrittenen Einzug des chinesischen Modeunternehmens Shein trennt sich das Pariser Traditionskaufhaus BHV Marais von dem Onlinehändler. Das neue Management spricht von einem strategischen Fehler. Gut ein halbes Jahr nach der umstrittenen Öffnung eines Ladenbereichs der Billig-Onlineplattform Shein in Paris soll der Anbieter wieder aus dem Traditionskaufhaus BHV Marais verschwinden. Die Zusammenarbeit werde beendet, teilte die Leitung des Geschäfts mit, die das Kaufhaus vom derzeitigen Besitzer SGM übernimmt. Ein genaues Datum wurde nicht bekannt. Der französischen Zeitung "Le Parisien" zufolge will das Management, dass Shein bis zum Jahresende wieder auszieht. Shein im BHV Marais sei ein Fehler gewesen. Unter großem Andrang und Protest war im Pariser Kaufhaus im November ein Ladenbereich von Shein eröffnet worden. Es war der erste solche Ladenbereich des Onlinehändlers, weitere folgten in anderen BHV-Warenhäusern. Das BHV Marais teilte mit, sich wieder stärker auf Artikel rund um das Haus konzentrieren zu wollen. Näher auf Shein ging das Management in seiner Mitteilung nicht ein. Französischen Medienberichten zufolge hatten einige Marken dem Kaufhaus nach dem Einzug von Shein den Rücken gekehrt. Zuvor habe es allerdings bereits Zahlungsausfälle beziehungsweise -verzögerungen gegeben. Auch Kundschaft sei mitunter ausgeblieben, schrieb "Le Parisien". Erst Anfang Juni hatte Frankreich den asiatischen Billig-Onlinehändler Shein mit einer Strafe in Höhe von 22 Millionen Euro belegt. Grund waren Verstöße gegen das Widerrufsrecht und fehlende Informationen für Verbraucher. Im vergangenen Jahr war geprüft worden, ob Shein die Verbraucherverordnung einhalte. Die Behörde wirft dem Online-Riesen vor, dass dies in zahlreichen Punkten nicht der Fall sei. Shein habe Verkaufsbestätigungen versandt, die nicht konform waren. So fehlten Preis, Datum, Lieferzeitraum, Informationen zum Verkäufer und zur Garantie sowie zum Widerrufsrecht. Das Widerrufsrecht sei auch nicht eingehalten worden. Verbraucher hätten nicht unter den vorgesehenen Bedingungen vom Verkauf zurücktreten können. Auch habe Shein nicht ausreichend Informationen zu Umweltstandards ihrer Produkte geliefert – etwas mit Blick auf Mikroplastik, hieß es von der Behörde. Ein Sprecher von Shein stellte klar, dass das Unternehmen die Strafe anfechten wolle. Es sei kein Schaden für Verbraucher ersichtlich geworden. Eine solch hohe Sanktion sei nicht zu rechtfertigen, bemängelte Shein. Bereits im vergangenen Jahr hatte Frankreich Shein eine Strafe in Höhe von 40 Millionen Euro auferlegt, damals wegen Täuschung von Verbraucherinnen und Verbrauchern bei Preisnachlässen.