Meinung: News des Tages: Volkswagen-Chefs pessimistisch, Schiedsrichter und das »White Power«-Symbol, Elon Musk, ZDF

Datum16.06.2026 17:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRVolkswagen-Vorstände sehen den Konzern als existenzgefährdet, laut einem internen Papier. Ein Schiedsrichter beklagte sich über Spekulationen bezüglich eines "White Power"-Symbols. Elon Musk droht dem ZDF mit rechtlichen Schritten wegen angeblicher Verleumdung. Innenminister diskutieren harte Maßnahmen gegen Fußballgewalt. Jennifer Lopez fühlt sich nach Trennung neu. Der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim ist verstorben.

InhaltDer Volkswagen-Vorstand hält den eigenen Konzern für existenzgefährdet, ein Videoschiedsrichter äußert sich zum "White-Power"-Symbol, und Elon Musk sieht sich vom ZDF verleumdet. Das ist die Lage am Dienstagabend. Die drei Fragezeichen heute: In Wolfsburg sorgt ein 177-Seiten-Papier für helle Aufregung, ein Transformationskonzept der Beratungsfirma BCG. Darin wurden acht Konzernvorstände von Volkswagen, der heutige Porsche-Chef Michael Leiters sowie VW-Aufsichtsratsmitglieder in einer internen "Belief Audit"-Umfrage befragt. Sie zeichneten Ende 2025 ein deprimierendes Bild, wie mein Kollege Michael Freitag vom manager magazin exklusiv berichtet: Die Konzernspitze hält die Lage ihres Unternehmens mehrheitlich für extrem kritisch, sechs von neun Vorständen halten den Konzern sogar für existenzgefährdet. (Lesen Sie hier mehr.) Einig ist man sich primär darin, dass ein grundlegender Umbau des Geschäftsmodells nötig ist; das bisherige Prinzip, Autos in Deutschland zu entwickeln, in Europa zu bauen und weltweit zu verkaufen, gilt als überholt. Auch die Strategien für China und Nordamerika wurden einhellig als nicht nachhaltig bewertet. Gleichzeitig herrscht Uneinigkeit über den Kurs: Im Vorstand wie im Aufsichtsrat wird der Zusammenhalt als schwach beschrieben. Wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt, mehrere Marken schwächeln. CEO Oliver Blume treibt daher einen harten Sparkurs voran, stellt Werke infrage und plant Kostensenkungen in Milliardenhöhe sowie deutlich reduzierte Investitionen. Doch selbst zentrale Planungen und Beschlüsse stoßen intern auf Zweifel und werden nachträglich überprüft. So alarmierend die Befragung auf den ersten Blick aussieht, so sehr sollte man sich klarmachen, was die Antworten womöglich bezwecken sollen. Der VW-Vorstand soll schon länger versuchen, mit der Drohung von Werksschließungen Druck auf die Arbeitnehmer auszuüben. Vier deutsche Werke stehen als zu teuer zur Disposition. Bis 2030 darf VW Beschäftigte aber nicht betriebsbedingt kündigen, bei Audi gilt diese Beschäftigungssicherung bis 2033. Vielleicht sollten die vermeintlich ehrlichen Antworten der Vorstands-Umfrage den Druck auf die Arbeitnehmer nur noch weiter erhöhen. Wir leben in einer Zeit, in der Mini-Sequenzen aus dem Leben maximale Wirkung entfalten können. Merz’ Äußerung im brasilianischen Belém, man lebe in Deutschland "in einem der schönsten Länder der Welt "? Wurde sofort als arrogant interpretiert und gilt seither als Beleg dafür, wie schlecht der Kanzler grundsätzlich kommuniziert. Die Hand eines CDU-Mannes auf der Schulter eines AfD-Mannes, dazu feixende Gesichter auf beiden Seiten? Entfacht sofort eine Debatte über die Stabilität der Brandmauer . Jetzt hat es den Schiedsrichter Shaun Evans erwischt. Eine kurze Szene vor dem Spiel Deutschland gegen Curaçao zeigte ihn im Videoschiedsrichterraum, wie er mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis formte und die übrigen Finger ausstreckte. In sozialen Medien wurde sofort spekuliert, es könne sich um ein von rechtsextremen Gruppen genutztes "White Power"-Symbol handeln. Zig Screenshots fluten seit Sonntagabend die sozialen Medien. Der Schiri im Deutschlandspiel ein Nazi? Evans sah sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Womöglich musste er selbst erst mal nachsehen, was er da politisch Aufgeladenes gemacht haben soll. Der Australier erklärte daraufhin, er habe weder absichtlich eine Botschaft noch eine Zugehörigkeit ausdrücken wollen. Er bedaure die entstandenen Interpretationen, betonte jedoch, die Geste weder bewusst noch wissentlich gezeigt zu haben. Es sei "ein unwillkürliches, unterbewusstes Zucken" gewesen, mehr nicht. Die Fifa teilte mit, ihr Disziplinarkomitee habe den Vorfall geprüft und keinen Verstoß festgestellt. Die Bedeutung der Geste gilt als uneindeutig: Die einen verwenden sie als "Okay"-Zeichen oder Symbol, alles sei in Ordnung. Aber auch rechtsextreme Gruppen instrumentalisieren es. Wenn man Evans fast reflexartig letzteres unterstellt, ohne sich zuvor jemals mit dieser Person beschäftigt zu haben, muss man schon sehr im ideologischen Tunnel feststecken. Man muss sich Elon Musk als einen Mann mit viel Freizeit vorstellen. Zumindest scheint er eifriger Zuschauer der Sendung "ZDFheute live" zu sein. Denn Musk kündigte an, wegen eines falschen Satzes in der Sendung juristisch gegen den Sender vorgehen zu wollen. Ein Beitrag über Ausschreitungen im nordirischen Belfast wurde eingeleitet mit den Worten, ein "rassistischer Mob" habe nach einem Messerangriff "Jagd auf Migranten" gemacht. Ein britischer Rechtsextremist und Musk hätten dazu aufgerufen. Tatsächlich hatte Musk auf seinem Onlinedienst X Beiträge des Aktivisten Tommy Robinson geteilt und zu Protesten aufgerufen, jedoch nicht explizit zu Gewalt gegen Migranten. Musks Anwalt fordert nun eine Unterlassungserklärung und bezeichnet die Darstellung als falsch und verleumderisch sowie als Verstoß gegen journalistische Standards. Andernfalls drohten rechtliche Schritte. Das ZDF räumte ein, die Formulierung sei "unpräzise und missverständlich" gewesen, fasste den Beitrag an und ergänzte den Hinweis: Robinson habe zu Protesten aufgerufen, Musk habe dessen Beitrag geteilt. Die Proteste waren durch ein Video eines Messerangriffs ausgelöst worden, für den ein sudanesischer Einwanderer verantwortlich gemacht wird. (Lesen Sie hier mehr.) Es ist Musks gutes Recht, Anwälte einzuschalten, wenn er sich falsch dargestellt sieht. Man wird allerdings den Verdacht nicht los, dass es um viel mehr geht. US-Präsident Donald Trump verklagte die britische BBC wegen einer vermeintlich verfälschenden Bearbeitung einer Rede vom 6. Januar 2021, sodass der Eindruck entstehen konnte, er habe zum Sturm zum Kapitol aufgerufen. Auch er sah sich verleumdet und verlangte Schadensersatz in Milliardenhöhe. Die BBC räumte den Bearbeitungsfehler später ein. Als Einschüchterungsversuch hat Trumps Vorgehen bestens funktioniert. Feuer unterm Dach: Es geht um die hässliche Seite des Fußballs: Krawalle, Pyroattacken, Hassplakate. Mein Kollege Jürgen Dahlkamp hat sich umgehört: NRW-Innenminister Herbert Reul fordert härtere Maßnahmen, andere Innenminister setzen eher auf Dialog mit Fans und Vereinen. Auf der Innenministerkonferenz wird nun diskutiert, wie Gewalt, Pyrotechnik und Fan-Ausschreitungen eingedämmt werden können. Statistiken zeigen zwar rückläufige Gewaltzahlen, doch spektakuläre Vorfälle bestimmen die Debatte. In dieser Gemengelage sind sich die Länder beim Kampf gegen das gefährliche Feuerwerk wieder mal nicht einig . Neue Single: Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez, 56, fühlt sich nach der Scheidung von Schauspieler Ben Affleck, 53, wie ein neuer Mensch. Die Zeit nach der Trennung vor zwei Jahren habe sich für sie rätselhaft und falsch angefühlt. "Die Person, die ich heute bin, ist so anders als die Person, die ich noch vor zwei Jahren war, es ist verrückt." Die "Kieler Nachrichten" über ein Feuer auf einem Pferdehof in Kirchnüchel (Schl.-Holst.): "Die Höhe des Schadens nach dem Brand in Kirchnüchel ist unklar. Mehrere Feuerwehren waren damals bis in die Nacht im Einsatz. Auch eine Drehleiter aus Lütjenburg eilte zur Hilfe." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Gestern ist der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim mit 91 Jahren gestorben. Für viele seiner Zunft gilt: je mehr Töne pro Minute, desto besser. Damit will man wohl technische Brillanz demonstrieren. Ibrahim verkörperte das Gegenteil. Kaum einer spielte sparsamer, wenige eindringlicher. Ibrahim komponierte 1974 beinahe beiläufig den Titel "Mannenberg", der zur inoffiziellen Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung wurde. Als 20 Jahre später Nelson Mandela nach fast 29-jähriger Haft Präsident wurde, spielte Ibrahim auf seiner Amtseinführung. Lassen Sie noch einmal sein einfühlsames Spiel auf sich wirken, hier bei einem Auftritt der legendären Tiny-Desk-Konzertreihe des US-Senders NPR . Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten