Straßenverkehr: Mehrheit spricht sich für strengere Promillegrenzen aus

Datum16.06.2026 07:16

Quellewww.zeit.de

TLDREine Forsa-Umfrage zeigt, dass 68 Prozent der Deutschen strengere Promillegrenzen im Straßenverkehr wünschen. 45 Prozent plädieren für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Auch für E-Scooter gelten strengere Vorgaben. Für Radler und E-Biker gibt es eine größere Toleranz. Trotz Empfehlungen von Politikern, nüchtern zu fahren, gibt eine Mehrheit der Befragten an, bereits alkoholisiert gefahren zu sein.

InhaltFast die Hälfte aller Deutschen spricht sich in einer Umfrage für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer aus. Für Radler und E-Biker gibt es mehr Promilletoleranz. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich im Straßenverkehr strengere Alkoholgrenzen. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL sprachen sich 68 Prozent der Befragten dafür aus, die bestehenden 0,5-Promillegrenze anzupassen. Für ein absolutes Alkoholverbot waren 45 Prozent, knapp ein Viertel der Befragten bevorzugte eine Grenze von maximal 0,3 Promille. Am bestehenden Limit wollten nur knapp ein Drittel der Befragten festhalten. Auch beim Fahren von E-Scootern sind die Bürgerinnen und Bürger für strengere Promillegrenzen. 44 Prozent waren der Umfrage zufolge dafür, dass E-Scooterfahrer komplett auf Alkohol verzichten sollen. Für eine Grenze von 0,3 Promille sprachen sich 22 Prozent aus, jeder Vierte hielt eine 0,5-Promillegrenze für sinnvoll. Für E-Scooterfahrer gelten dieselben Promillegrenzen wie für Autofahrer. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte im Juli 2025 gesagt, er sehe keinen Handlungsbedarf bei der Promillegrenze. Er empfehle zwar, sich "ganz ohne Alkohol ans Steuer zu setzen", sagte der CDU-Politiker nachdem Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) im vergangenen Sommer, ein generelles Alkoholverbot gefordert hatte. Er halte das derzeitige 0,5-Promille-Limit für "ausreichend und zielführend", sagte Schnieder damals. Die Regelungen für Fahrrad- und E-Bikefahrer sahen die Befragten toleranter. Nur knapp ein Drittel (31 Prozent) hielt ein absolutes Alkoholverbot für sinnvoll. Eine 0,3-Promillegrenze wollten 23 Prozent, 0,5 Promille konnten sich 26 Prozent vorstellen. 15 Prozent waren für einen maximalen Wert von 1,1 Promille oder mehr. Die aktuelle Grenze für eine sogenannte relative Fahruntüchtigkeit für Radfahrer liegt derzeit bei 0,3 Promille – dafür drohen eine Strafanzeige, ein Punkt in Flensburg und eine Geldstrafe. Die sogenannte absolute Fahruntüchtigkeit ist mit 1,6 Promille erreicht und gilt als Straftat. Als Konsequenz drohen eine höhere Geldstrafe, zwei Punkte in Flensburg und die Anordnung einer medizinisch-psychologische Untersuchung. Die Union hatte Anfang des Jahres angesichts steigender Unfallzahlen für eine Änderung der Promillegrenze für Radler plädiert. Die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) gab zu, schon einmal Auto gefahren zu sein, nachdem sie Alkohol getrunken hatten. Mehr als die Hälfte gab zu, nach dem Konsum geringer Alkoholmengen, beispielsweise nach einem Glas Bier (0,3 Liter) oder einem Glas Wein (0,2 Liter) Auto gefahren zu sein. Fast jeder Zehnte Autofahrer (neun Prozent) hat sich nach größeren Mengen Alkohol hinters Steuer gesetzt. Dabei gaben mehr Männer als Frauen an, alkoholisiert gefahren zu sein. Vor allem bei Fahrten nach mehr als einem Glas zeigte sich ein Geschlechterunterschied: 13 Prozent der Männer gaben an, nach mehr als einem Glas gefahren zu sein, bei den Frauen waren es nur fünf Prozent. Auch zwei Drittel (67 Prozent) der Fahrradfahrer sind der Umfrage zufolge schon mindestens einmal alkoholisiert aufs Rad gestiegen – ein Großteil nur nach geringen Mengen (38 Prozent), aber fast ein Drittel (29 Prozent) auch nach mehr als einem Glas. Das sagten fast doppelt so viele Männer (39 Prozent) wie Frauen (20 Prozent) an.