Ärzte ohne Grenzen entlässt 18 Mitarbeiter nach Missbrauchsvorwürfen im Tschad

Datum16.06.2026 03:13

Quellewww.spiegel.de

TLDRÄrzte ohne Grenzen (MSF) hat 18 Mitarbeiter im Tschad entlassen, nachdem sudanesische Flüchtlinge sexuelle Ausbeutung und Missbrauchsvorwürfe erhoben hatten. Die Vorfälle wurden Ende 2024 bekannt. Interne Untersuchungen ergaben schwerwiegendes Fehlverhalten, wobei der Zugang zu Hilfe an sexuelle Handlungen gekoppelt worden sein soll. MSF bedauert den Schaden und sichert eine Stärkung der Präventionssysteme zu. Die Betroffenen waren hauptsächlich Frauen und Mädchen in Flüchtlingslagern. Viele sind aufgrund des Bürgerkriegs im Sudan geflohen.

InhaltMädchen und Frauen in Flüchtlingslagern im Tschad haben schwere Anschuldigungen gegen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erhoben. Es geht um Missbrauch und sexuelle Ausbeutung. Jetzt hat die NGO reagiert. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat 18 Mitarbeiter wegen Missbrauchsvorwürfen entlassen. Den Beschuldigten werde zur Last gelegt, sudanesische Flüchtlinge im Tschad sexuell misshandelt zu haben, teilte die Organisation am Montag mit. Die Flüchtlinge hätten die Vorwürfe "sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs" Ende 2024 vorgebracht. Untersuchungen zu den Vorfällen hätten "schwerwiegendes Fehlverhalten" zutage gefördert, erklärte die NGO. "Wir bedauern den verursachten Schaden zutiefst", hieß es weiter. Die entlassenen Mitarbeiter dürften nicht mehr für MSF arbeiten, betonte die Organisation. Bei ihnen handele es sich um Mitarbeiter verschiedener Gruppen, darunter Angestellte, Beschäftigte ohne festen Vertrag, externe Auftragnehmer und Lieferanten. Laut der Nachrichtenagentur AP, die als erste über den Fall berichtet hatte , könnte den Beschuldigten im Tschad auch ein juristisches Nachspiel drohen. Demnach hätten die Beschuldigten den Zugang zu Nahrung, Hilfs- und Jobangeboten an sexuelle Handlungen gebunden. Die interne Untersuchung von MSF habe bisher 59 Verdachtsfälle ergeben, die tatsächliche Zahl könnte aber noch höher liegen. Viele Betroffene trauen sich nicht, die Vergehen öffentlich anzuprangern. Um die Privatsphäre und Sicherheit der Betroffenen zu schützen, dürften keine weiteren Details bekannt gegeben werden, so MSF. Man arbeite weiterhin daran, "unsere Systeme zur Prävention, Aufdeckung und Reaktion zu stärken", hieß es. Der Bürgerkrieg im Sudan ist die größte humanitäre Krise der Welt. In den vergangenen knapp drei Jahren wurden rund 400.000 Sudanesen getötet, 14 Millionen vertrieben. Die meisten innerhalb der Staatsgrenzen, vier Millionen Menschen sind außer Landes geflohen. Hunderttausende sind im Tschad, einer der ärmsten Staaten der Erde, untergekommen. Andere zieht es in die Nachbarländer Ägypten und Libyen. Deutschland wird dem Sudan in diesem Jahr zusätzlich 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen; weitere Finanzierungszusagen werden derzeit geprüft, teilte das Entwicklungsministerium in einer Erklärung mit. Ende 2025 habe das Ministerium 155,4 Millionen Euro für Projekte im Sudan sowie in Nachbarländern bereitgestellt, die vom Krieg im Sudan betroffen sind.