Raumfahrt: Isar Aerospace verschiebt Raketenstart zum vierten Mal

Datum16.06.2026 01:01

Quellewww.zeit.de

TLDRIsar Aerospace hat den vierten Testflug seiner Rakete Spectrum wegen einer Fehlfunktion in den Fluidsystemen verschoben. Das bayerische Start-up plant, Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen zu bringen. Trotz wiederholter Verschiebungen und eines gescheiterten Erstfluges ist die Nachfrage groß; das Unternehmen ist bis 2028 mit Hunderten Millionen US-Dollar ausgebucht. Isar Aerospace will Europa unabhängiger von US- und russischen Anbietern machen und hat bereits über 500 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

InhaltDie deutsche Raumfahrtfirma Isar Aerospace hat kurz vor einem geplanten Testflug eine Fehlfunktion entdeckt. Die Nachfrage nach der Rakete Spectrum ist trotzdem groß. Das bayerische Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace hat den für Montag geplanten Start seiner Trägerrakete Spectrum in Norwegen abgesagt. Damit verschob das Unternehmen den zweiten Testflug der Rakete zum vierten Mal. Grund war ein neuerliches technisches Problem, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. Demnach gab es eine Fehlfunktion in den Fluidsystemen. "Die Teams analysierten derzeit die neuen Daten, um die Ursache zu ermitteln", hieß es weiter. Fluidsysteme einer Rakete regeln die Lagerung und den Transport des flüssigen Treibstoffs zu den Triebwerken. Die 28 Meter lange zweistufige Spectrum-Rakete mit fünf Satelliten an Bord sollte um 22.00 Uhr vom Weltraumbahnhof Andøya nördlich des Polarkreises abheben. Der Testflug der zweiten Mission Onward and Upward (Vorwärts und Aufwärts) der Rakete war seit Januar geplant, doch bereits im Januar, März und April hatte Isar Aerospace die Startvorbereitungen abgebrochen. Beim ersten Anlauf gab es ein technisches Problem, beim zweiten Mal kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Beim dritten Versuch vermuteten die Teams Lecks in einem mit Verbundwerkstoff ummantelten Druckbehälter (COPV). Im März vergangenen Jahres hatte das Unternehmen einen ersten Testflug unternommen. Die Rakete war dabei erfolgreich in Andøya gestartet und nach 30 Sekunden Flug planmäßig ins Meer gestürzt. Es war der erste Start einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. Bei der zweiten Mission sollte die Trägerrakete Spectrum nun mit Nutzlast an Bord starten: fünf Kleinsatelliten und ein Experiment. Isar Aerospace baut Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten. Die zweistufige Spectrum-Rakete mit ihren zehn Triebwerken soll einmal zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Dazu will das Raumfahrt-Start-up aus Ottobrunn bei München 40 Raketen pro Jahr herstellen. Das Unternehmen gibt an, jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen US-Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht zu sein, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Isar Aerospace gehört zu einer Reihe deutscher und europäischer Unternehmen, die Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Das 2018 gegründete Unternehmen hat bislang mehr als 500 Millionen Euro an Kapital eingesammelt und wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) unterstützt. Bisher dominiert US-Milliardär Elon Musk das lukrative Geschäft mit Trägerraketen für den Weltraum. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete Falcon 9 schon hunderte Male ins All geschickt.