Datum15.06.2026 20:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie USA und Iran haben offenbar ein digitales Friedensabkommen unterzeichnet, mit dem die USA Iran 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau in Aussicht stellen. Die Details des Abkommens sind noch unklar, aber es wird als diplomatischer Zwischenschritt betrachtet. Die USA betonen, dass keine amerikanischen Gelder fließen und Iran zunächst Verpflichtungen erfüllen muss. Israel und der Libanon scheinen trotz der Einigung weiterhin involviert zu sein, mit jüngsten Angriffen im Libanon.
InhaltUS-Regierungskreisen zufolge ist die Friedensvereinbarung mit Iran bereits digital unterschrieben worden. Die USA sollen Iran zudem 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau in Aussicht gestellt haben. US-Präsident Donald Trump und seine Vizepräsident JD Vance haben das Rahmenabkommen mit Iran offenbar bereits digital unterzeichnet. Das sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter. Von iranischer Seite habe der Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf unterschrieben. Aus Teheran gab es zunächst keine Bestätigung dafür. Nach wochenlangen Verhandlungen hatten sich die USA und Iran am Sonntag auf das Abkommen verständigt, über dessen Inhalt noch nicht viel bekannt ist. Viele Stimmen bewerteten den Deal als Zwischenschritt in einem diplomatischen Prozess mit noch vielen Hürden. Details des Abkommens sollten binnen 24 bis 48 Stunden veröffentlicht werden, sagte ein anderer US-Regierungsbeamter. "Echte technische Gespräche" sollten dann später in der Woche folgen. Dabei solle US-Vizepräsident JD Vance für die Vereinigten Staaten die Verhandlungen führen. Die USA haben Iran außerdem Zugang zu einem Wiederaufbaufonds im Umfang von 300 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Voraussetzung sei jedoch, dass Iran seine Verpflichtungen aus dem Abkommen erfülle, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter. Zugleich betonte er, dass es nicht darum gehe, Iran für seine Teilnahme an den Verhandlungen zu belohnen. Teheran müsse zunächst beweisen, dass es dauerhaft auf den Erwerb von Atomwaffen verzichte und keine Aktivitäten verfolge, die eine Wiedereinführung von Sanktionen auslösen könnten. Zudem dürften freigegebene Mittel nicht zur Unterstützung von Terrorismus oder zur Destabilisierung der Region verwendet werden. US-Vizepräsident JD Vance sagte dem US-Sender CBS, dass der Fonds von den Golfstaaten mitfinanziert werden solle. Kurz zuvor hatte US-Vizepräsident Vance in der US-Sendung "Good Morning America" gesagt, "kein einziger Dollar aus amerikanischen Mitteln wird an Iran fließen". Es gehe stattdessen um Sanktionserleichterungen. Auch Berichte, wonach Teheran beim Erreichen bestimmter Ziele 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen Geldern erhalten solle, wies er gegenüber dem Sender CBS zurück. Diese Summe tauche "in keinem der Texte" auf. Ob es bei diesen Aussagen einen Zusammenhang mit dem Wiederaufbaufonds gibt, ist unklar. Auch unklar ist weiterhin die Rolle Israels und des Libanon. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif sagte am Sonntag, die USA und Iran hätten die sofortige und endgültige Beendigung der Militäroperationen "an allen Fronten, einschließlich im Libanon, erklärt". Israel hat dennoch am Montag erneut den Süden des Landes angegriffen. Bei einem Drohnenangriff wurde der libanesischen Nachrichtenagentur NNA zufolge ein Auto in der Nähe der Ortschaft Kfar Tebnit angegriffen. Der Fahrer kam demnach bei dem Vorfall ums Leben. Nach Darstellung der mit Iran verbündeten Schiitenmiliz Hisbollah soll die Einigung zwischen Teheran und Washington auch für den Libanon gelten. Doch israelische Minister widersprachen dieser Darstellung.