Datum15.06.2026 13:03
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Nationale Bildungsbericht 2026 zeigt, dass Bildungschancen in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängen. Armut, Arbeitslosigkeit und niedrige Bildungsabschlüsse der Eltern sind Risikofaktoren, die besonders in Alleinerziehenden- und Migrantenfamilien auftreten. Bundesbildungsministerin Karin Prien fordert deshalb verstärkte Unterstützung für Kinder ab der Kita, um eine frühe "Bildungsschere" zu schließen. Der Bericht betont, dass Chancengleichheit ressortübergreifende Politik erfordert und nicht allein durch das Bildungssystem erreicht werden kann.
InhaltWer arm aufwächst, hat schlechtere Ausgangschancen, zeigt der Bildungsbericht. Karin Prien spricht von einer Bildungsschere ab Geburt – und will ab der Kita gegensteuern. Der Bildungserfolg in Deutschland hängt weiterhin in erheblichem Maß von der sozialen Herkunft ab. Das geht aus dem nationalen Bildungsbericht unter dem Titel Bildung in Deutschland 2026 hervor, der von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) vorgestellt wurde. Als Risikofaktoren für Kinder gelten demnach Armut, Arbeitslosigkeit und geringe Bildungsabschlüsse der Eltern. Sie treten dem Bericht zufolge besonders häufig in Familien mit alleinerziehendem Elternteil auf sowie in Familien mit Migrationsgeschichte. "Was wir jetzt sehen ist, dass die Bildungsschere sich im Grunde auftut ab der Geburt, sich dann öffnet bis zum 6. Lebensjahr und dann auch nicht mehr kleiner wird", hatte Prien bereits vor der Vorstellung des Berichts im ARD-Morgenmagazin gesagt. Sie forderte daher, Kinder im Vorschulalter stärker zu unterstützen. "Kinder müssen die deutsche Sprache lernen in der Kita und müssen auch in ihren sonstigen Entwicklungsdefiziten besser unterstützt werden", sagte die Ministerin. Chancengleichheit könne jedoch nicht ausschließlich pädagogisch innerhalb des Bildungssystems hergestellt werden, heißt es in dem Bericht, sondern müsse ressortübergreifend koordiniert und gefördert werden. So müssten Bildungspolitik viel stärker mit Sozial-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik verzahnt werden, um systemübergreifende Dynamiken besser zu verstehen und zu steuern. "Der Abbau von Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft ist eine langfristige und anspruchsvolle Aufgabe, die einen systemischen und koordinierten Ansatz sowie klare, überprüfbare Zielsetzungen erfordert", heißt es in dem Bericht. Der Nationale Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre als Bestandsaufnahme des Bildungssystems von der Kita bis zur Hochschule. Im Jahr 2026 erschien der Bericht zum elften Mal und schaute auf 20 Jahre deutsches Bildungswesen zurück. Mit Material der Nachrichtenagenturen KNA, dpa und AFP