Datum15.06.2026 11:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRIsrael plant trotz eines erwarteten US-Iran-Abkommens die Beibehaltung von "Sicherheitszonen" im Südlibanon. Verteidigungsminister Katz kündigte an, dort zeitlich unbegrenzt zu verbleiben, um Grenzen zu schützen, und lehnte einen Rückzug ab. Dies sei auch als Reaktion auf vermeintliche Einigungsbereitschaft der USA mit Iran bezüglich der Hisbollah zu verstehen. Im Libanon bleibt die Angst vor weiteren Angriffen groß, während Israel seine militärische Präsenz fortsetzt.
InhaltDer israelische Verteidigungsminister hat angekündigt, an den umstrittenen "Sicherheitszonen" im Süden Libanons festzuhalten. Zuvor hatten israelische Streitkräfte bereits den Süden des Landes verwüstet. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat angekündigt, dass sich die israelische Armee vorerst nicht aus den besetzten Gebieten im Südlibanon zurückziehen werde. Katz reagierte damit auf das geplante Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, das am Freitag in Genf unterzeichnet werden soll. In Israel werde damit gerechnet, dass eine mögliche Waffenruhe zwischen Washington und Teheran mit Forderungen nach einem Ende der Kämpfe gegen die libanesische Hisbollah verknüpft werden könnte. Katz erklärte, er sei sich mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu einig, dass die Armee ohne zeitliche Begrenzung in "Sicherheitszonen" im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen bleiben solle, um von dort aus Grenzen und israelische Gemeinden zu schützen. Diese Zonen bezeichnete Katz als "größte Errungenschaften" der Armee in diesem Krieg. Israel lehne einen Rückzug aus dem Libanon trotz bestehenden und erwarteten Drucks ab. Zugleich warnte Katz, Israel werde mit "voller Wucht" reagieren, sollte Iran das Land wegen "der Ereignisse im Libanon" angreifen. Im Libanon bleibt unterdessen die Sorge vor neuen israelischen Angriffen groß. Die Stadt Nabatija rief Anwohner auf, wegen anhaltender Gefahr "unter keinen Umständen" in ihre Häuser zurückzukehren. Augenzeugen und die Staatsagentur NNA berichteten zudem, Israel habe Angriffe im Süden auch nach der Verkündung des vorläufigen US-Iran-Abkommens fortgesetzt. Eine Bestätigung aus Israel gab es zunächst nicht. In der Region um Nabatija kommt es seit Wochen zu Kämpfen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Gleichzeitig machten sich nach Beobachtungen vor Ort einzelne Geflüchtete trotz der Gefahr auf den Rückweg: Auf Schnellstraßen Richtung Süden waren Autos zu sehen, beladen mit Matratzen und Gepäck. Sicherheitskreise berichteten, die libanesische Armee habe teils Straßen blockiert, um die Bevölkerung aus besonders gefährdeten Gebieten fernzuhalten. Nach wochenlangen Verhandlungen hatten sich die USA und Iran nach Angaben aus Vermittlerkreisen am Sonntag auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. Pakistan erklärte, die Unterzeichnung sei für Freitag in Genf geplant. Die USA und Israel hatten den Krieg am 28. Februar mit Luftangriffen auf Iran begonnen, Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen. Seit dem 8. April gilt eine brüchige Waffenruhe. Pufferzone um Pufferzone versucht Israel in Nahost die Landnahme. Doch die militärische Expansion sorgt nicht für mehr Sicherheit. Israel steuert auf einen ewigen Krieg zu. Den SPIEGEL-Leitartikel dazu lesen Sie hier .