René Benko: Gericht verurteilt Immobilienpleitier zu zwei Jahren Haft wegen Gläubigerschädigung

Datum15.10.2025 14:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRRené Benko, der Gründer des Immobilienkonzerns Signa, wurde vom Landesgericht Innsbruck zu zwei Jahren Haft wegen Gläubigerschädigung verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, 300.000 Euro an seine Mutter verschenkt zu haben, während er im Zusammenhang mit einer Mietvorauszahlung freigesprochen wurde. Benko, der sich seit Januar in Untersuchungshaft befindet, sieht sich insgesamt 14 Verfahren gegenüber, die im Kontext seiner Insolvenz und der Pleite von Signa stehen. Sein Vermögen, einst fast fünf Milliarden Euro, ist dramatisch gesunken.

InhaltEin Schöffengericht hat den Immobilienpleitier René Benko wegen Schädigung seiner Gläubiger zu zwei Jahren Haft verurteilt. Hinsichtlich anderer Vorwürfe wurde er freigesprochen. Der Tiroler Immobilieninvestor und Signa-Gründer René Benko ist in einem ersten Insolvenzprozess teilweise schuldig gesprochen worden. Das Landesgericht Innsbruck verurteilte ihn wegen Schädigung seiner Gläubiger zu zwei Jahren Haft. Der 48 Jahre alte Ex-Milliardär habe durch eine Schenkung in Höhe von 300.000 Euro an seine Mutter Vermögen beiseitegeschafft, urteilte ein Schöffensenat des Landesgerichts Innsbruck. Im Fall einer Mietkostenvorauszahlung von 360.000 Euro wurde Benko freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Benko befindet sich seit Januar in Untersuchungshaft. In dem Prozess musste er sich wegen seiner Insolvenz als Einzelunternehmer verantworten. Benko selbst hatte sich zu Prozessbeginn am Dienstag "nicht schuldig" bekannt. Sein Verteidiger Norbert Wess hatte in seinem Schlussplädoyer einen Freispruch gefordert. Oberstaatsanwältin Tea Krasa plädierte hingegen auf einen Schuldspruch. Im Zentrum des Verfahrens standen zwei Transaktionen: eine Vorauszahlung für Miet- und Betriebskosten einer Villa sowie eine Zahlung an Benkos Mutter. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) bezifferte den Schaden auf rund 670.000 Euro. Verurteilt wurde Benko wegen der Zahlung an seine Mutter, während er im Zusammenhang mit der Mietvorauszahlung freigesprochen wurde. Der Prozess ist nur ein Strang von insgesamt 14 Verfahren, in denen allein die österreichische Justiz meistens wegen schweren Betrugs und Untreue ermittelt. Das Verfahren gilt damit als Auftakt einer möglichen Prozess-Serie rund um die größte Pleite in der jüngeren Geschichte Österreichs. Im Herbst 2023 schlitterte das Immobilien- und Handelskonglomerat Signa aus mehr als 1130 Gesellschaften nach und nach in die Insolvenz. Steigende Zinsen und eigene Fehler hatten das Signa-Geschäftsmodell untergraben. Die Gesamtforderungen der Gläubiger an die Signa-Holding und ihre Einzelgesellschaften liegen im Milliarden-Euro-Bereich. Benko hatte auch in Deutschland unter anderem mit dem Kauf der Warenhauskonzerne Kaufhof und Karstadt Schlagzeilen gemacht. Der Einstieg in den stationären Handel gilt im Rückblick als eine der belastenden Faktoren für das Geschäft von Signa. Der Sturz des Tirolers ist tief. Zu Glanzzeiten wurde Benkos Vermögen auf fast fünf Milliarden Euro geschätzt. In Wien entwickelte er in bester Innenstadtlage das "Goldene Quartier". Er beteiligte sich später an Gebäuden wie dem Chrysler Building in New York, dem Nobelkaufhaus Selfridges in London oder dem Elbtower in Hamburg.